In eigener Sache:
Comeback im Oktober
Die vergangenen zwei Wochen gestalteten sich fuer regelmaessige Leser dieser Seiten ungewohnt: Weniger Artikel wurden veroeffentlicht und zudem erschwerten technische Probleme und die geringe Verbreitung des Internets auf Sao Miguel, Azoren, die Berichterstattung. Ein Artikel musste sogar vom Netz genommen werden - zwischen Unwetterwarnungen und Stuermen hatte ich mich nicht eindeutig ausgedrueckt: Diesbezueglich vielen Dank an alle aufmerksamen Leser und das Team rund um Aktien-Blog. Ab kommenden Montag laeuft wieder alles wie gewohnt - mein Urlaub ist vorbei und der Alltag kehrt wieder ein.
Gruesse aus Ponta Delgada,
Nico Popp
Boersianer ohne Internet?
Heute fast unmoeglich?
Kaum eine Erfindung hat die Welt in den letzten fuenfzig Jahren mehr veraendert als das Internet. Informationen sind staendig und an jedem Ort der Welt zugaenglich - sofern dieser Ort an das weltweite Datennetz angeschlossen ist. Auch die Boerse wurde in den letzten zehn Jahren stark durch das Internet beeinflusst: Empfehlungen werden per eMail massenhaft verteilt, Kursdaten erscheinen in Echtzeit auf dem Bildschirm und kaum ein Anleger telefoniert heute noch mit seinem Bankberater, wenn er Aktien ordern moechte - gekauft und verkauft wird bei einem Online-Broker. Auch das Auf und Ab an den Boersen hat sich durch die schnellere Verbreitung von Informationen beschleunigt. (weiterlesen…)
Boersianer ohne Internet?
Öl-Preise, Inflation und der DAX
Es ist hinlänglich bekannt, dass der echte Marktpreis für Öl, basierend auf Angebot und Nachfrage, bei nicht mal 30 USD liegt. Der heutige Preis ist also rein psychologischer und sicher auch spekulativer Natur. Nach den Höchstständen im Juli 2006 schwächt sich der Preis nun nach und nach ab, die spekulative Komponente verliert an Einfluss und der Preis nähert sich damit den realen Förderkosten an. Die weltweit angezogene Konjunktur hat die Ölvorräte erhöht, aber ich bin skeptisch, was generell die weltweiten Wachstumsraten angeht. China hat enorme Mengen an Öl als auch Gold und verschiedene andere Bodenschätze gebunkert, um eine höhere Unabhängigkeit zu gewährleisten, was bedeutet, dass man sich auf diese Länder und ihren Verbrauch bei keiner Spekulation stützen sollte. (weiterlesen…)
Es tut sich was bei Standardwerten:
Dax hui - Daimler-Chrysler pfui
Da ist man einmal einige Tage nicht online, schon folgen Ueberraschungen: Die Einschaetzungen aus der vergangenen Woche, wonach der Dax nur durchatmen wuerde, haben sich bestaetigt. Die Huerde von 5900 Punkten ist erklommen. Die fuenfundzwanzig Gewinner im Dax heben den Leitindex um rund 0,3 Prozent. Unter den Verlierern gleich die naechste - weitaus groessere - Ueberraschung: Daimler-Chrysler musste eine Gewinnwarnung herausgeben - die Aktie verliert aktuell rund sieben Prozent. Das Sorgenkind heisst Chrysler: Der Verlust im dritten Quartal ist mit rund 1,2 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch als bisher erwartet. Momentan notiert Daimler-Chrysler bei 38,45 Euro. Trotz steigendem Dax gibt dieses Ergebnis aus Sindelfingen, beziehungsweise Detroit, Grund zur Sorge: Soll dies die letzte Gewinnwarnung deutscher Standardwerte bleiben? Optimisten hoffen weiter und erwarten den Dax ueber der magischen Marke von 6000 Punkten.
In eigener Sache:
Aktien-Blog auf Reisen
Seit Sonntag befinde ich mich auf den Azoren, um diese schoene Inselgruppe zu Fuss zu erkunden. Leider laesst die Internetversorgung und die Qualitaet der angebotenen Rechner sehr zu wuenschen uebrig. Es wird daher in den naechsten Wochen weniger Neuigkeiten auf diesen Seiten geben. Ab Oktober erscheint Aktien-Blog wieder in gewohnter Qualitaet.
09/11/2006 als Tag der Rückblicke:
Die Börse schaut nach vorn!
Vor fünf Jahren stürzten in New York die Zwillingstürme des World Trade Centers: Tausende Menschen fielen feigen Anschlägen zum Opfer und auf der ganzen Welt leitete dieser Tag den zeitweisen Niedergang der Finanzmärkte ein. Während Milliarden Zuschauer an den Fernsehschirmen die Dramen in New York und Washington verfolgten, gab der deutsche Leitindex Dax rund zehn Prozent ab. Versicherungskonzerne und Aktien von Fluglinien verloren teilweise deutlich mehr. In New York wurde der Handel sogar für mehrere Tage ausgesetzt. Doch mittlerweile ist wieder Normalität eingekehrt: Ganz der Mentalität von “big apple” entsprechend, kauften Anleger in den Wochen nach der Tragödie trotzig Aktien - heute klettern die Aktienmärkte wieder weltweit. Der 11. September 2006 ist nicht nur ein Tag des Gedenkens - der 11. September 2006 ist auch ein gewöhnlicher Handelstag: Auf eine rosige Zukunft!
Anleger im Ethanol-Rausch:
Bush will weg vom Öl - profitiert Ethanex Energy?
Trotz des momentan sinkenden Ölpreises ist Anlegern seit langem klar, dass Ethanol mittelfristig eine Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen bietet. Während die politischen Entscheidungsträger in Deutschland eher auf Verregelung und Besteuerung setzen, haben die USA beschlossen, den Anteil regenerativer Kraftstoffe deutlich zu erhöhen. Ethanol-Unternehmen wie Ethanex Energy drängen an den Markt und begeistern die Anleger: Erst seit Ende der vergangenen Woche in Frankfurt handelbar, hat der Wert bereits rund zwanzig Prozent zugelegt. Inzwischen sind mehrere Börsenbriefe auf Ethanex Energy aufmerksam geworden und versprechen sich Neuigkeiten von einer Ethanol-Konferenz, die in diesen Tagen in New York statt findet. Das Unternehmen hat vor einigen Tagen eine Finanzierung über zwanzig Millionen US-Dollar abgeschlossen und arbeitet derzeit am Aufbau von drei Raffinerien zur Produktion von Bio-Ethanol mit einer geplanten Gesamtkapazität von 1,135 Milliarden Litern jährlich. Seit die Aktien von Ethanex Energy handelbar sind, steigt das Handelsvolumen kontinuierlich an. Die Aktie schloss in den USA am Freitag etwa auf dem Niveau Frankfurts - das große Interesse von Börsenbriefen und die hohen Umsätze könnten allerdings für Anschlusskäufe sprechen.
Unfreiwillige Mittagspause:
Xetra-System fällt fast eine Stunde aus
Technische Probleme führten heute dazu, dass der Handel auf der elektronischen Plattform Xetra ab 13.20 Uhr beeinträchtigt und zeitweise sogar unmöglich war. Nach 14 Uhr waren die Fehler wieder behoben. Genauere Details zu den Problemen sind nicht bekannt. Der Dax zeigte sich durch die Verwirrungen wenig beeindruckt: Mit 5795 Punkten und einem Plus von 0,37 Prozent verabschiedet sich der Index würdig ins Wochenende. Continental, Infineon und E.on führen die Gewinnerseite im Dax an, während Metro der größte Verlierer ist. Ein Großaktionär hat sich hier von einem Teil seiner Papiere getrennt. Auf Wochensicht verliert der Leitindex zwar mehr als 100 Punkte, der seit Juni bestehende Aufwärtstrend ist jedoch aktuell noch nicht in Gefahr.
Private Wettanbieter weltweit unter Beschuss:
Die Europäische Union soll es richten
“Die Branche taumelt”: Mit diesen Worten umschreibt die Börsenredaktion der ARD in einem Artikel die jüngsten Skandale rund um Anbieter von Wetten und Online-Spielen. Nachdem der Chef von BetonSports bereits im Juni verhaftet wurde, traf es nun auch seinen Kollegen Peter Dicks von Sportingbet. Weltweit geben Aktien von Wettanbietern ab: Bwin verliert aktuell rund elf Prozent und notiert um 24 Euro pro Anteil. Vermuten Anleger einen weltweiten Skandal, in den auch andere Unternehmen dieser Branche verwickelt sein könnten? Dieses Szenario erscheint wenig realistisch. Vielmehr zeigen die aktuellen Entwicklungen in den USA, dass Wettanbieter weltweit staatliche Einschränkungen zu erwarten haben. Nicht nur in Deutschland gehen Behörden gegen Wettanbieter vor, auch in den USA ist das Geschäft mit Wetten stark reglementiert. Dennoch ist ein komplettes Verbot von Sportwetten zumindest innerhalb der Europäischen Union (EU) sehr unwahrscheinlich. Obwohl das Bundesverfassungsgericht die Vermittlung von Wetten noch immer sehr kritisch sieht und Bundesländer gegen Vermittler wie Bwin vorgehen, hat die EU klare Vorstellungen: Die für jedes Mitglied der Gemeinschaft bindende Dienstleistungsfreiheit erlaubt ausländischen Vermittlern ausdrücklich ihren Service innerhalb Deutschlands anzubieten. Die EU klagt deswegen bereits gegen die Bundesrepublik. Auf lange Sicht wird es auch innerhalb Deutschlands private Wettanbieter geben. Bis dahin erwartet Aktionäre dieser Unternehmen jedoch ein ständiges Auf und Ab.
Die Abgeltungssteuer kommt:
Der Teufel steckt im Detail
Ab dem Jahr 2008 plant die Bundesregierung die Einführung einer pauschalen Abgeltungssteuer in Höhe von dreißig Prozent, ab 2009 sollen Anleger nur noch ein Viertel ihrer Gewinne an den Fiskus abtreten. Die Zeiten steuerfreier Kursgewinne ab einer Haltefrist von einem Jahr sind bald vorbei. Gegen diese neuen Pläne regt sich nun Kritik: Einkommensschwache Aktionäre, die Ihre Aktiengewinne bisher nicht versteuern mussten, würden nun zur Kasse gebeten, während Personen mit hohen Einkommen, die ihre Spekulationsgewinne bisher mit dem Höchststeuersatz belasten mussten, von der niedrigeren Abgeltungssteuer profitieren. Auch die Möglichkeit, Gewinne und Verluste gegeneinander aufzurechnen, steht noch zur Disposition. Hier liegt das wahre Risiko für Kleinanleger: Können Verluste nicht mehr zur Minderung des zu versteuernden Betrages eingesetzt werden, rechnet sich das Experiment “Börse” für einige Privatanleger nicht mehr. Die in den letzten Jahren mühsam entwickelte Börsenkultur nähme Schaden - und das in einer Zeit von “Eigenverantwortung” und “privater Vorsorge”. Auch die Höhe der Abgeltungssteuer wird kritisiert, liegen doch Nachbarländer wie beispielsweise Österreich deutlich unter dem für Deutschland vorgesehenen Steuersatz: Eine Zunahme des Grenzverkehrs ist nicht ausgeschlossen. All diese Faktoren müssen von Finanzminister Peer Steinbrück berücksichtigt werden. Noch wird über das Gesetz zur Abgeltungssteuer beraten. Viel Erfolg!