Wieso Aktien nicht alternativlos sind


Anleger sollten nicht nur auf Aktien setzen

Anleger sollten nicht nur auf Aktien setzen

Kapital rentabel anlegen ist heute schwerer denn je. Trotzdem glauben viele Anleger, dieser Situation mit einfachen Lösungen beikommen zu können. Während es auf der Bank und auch bei Anleihen immer weniger gute Chancen gibt, notieren Aktien noch immer auf Rekordkurs. Viele Anleger folgern daraus, dass Aktien die einzige Anlageklasse sind, in die man investieren sollte. Dabei verkennen die Investoren allerdings, dass Aktien von Natur aus eine spekulative Anlageklasse sind. An den Aktienbörsen wird die Zukunft gehandelt. Doch wie es mit den Unternehmen in Zukunft weiter geht, ist heute kaum absehbar. Die Bewertungen sind oftmals bereits ambitioniert – gerade bei vermeintlich sicheren Standardwerten oder auch Dividendentiteln. Ein Rückschlag kann jeden Augenblick Kursverluste von zehn Prozent und mehr mit sich bringen.

Aktionäre müssen Schwankungen aushalten können

Abgebrühte Anleger werden jetzt mit den Schultern zucken und einwenden, dass solche Kursbewegungen für Aktien typisch sind. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund der inzwischen langjährigen Aktien-Rally richtig. Was ist schon ein Rückschlag um 1.000 Punkte, wenn man bereits Buchgewinne von 5.000 Punkten eingefahren hat? Doch gibt es tatsächlich nur wenige Investoren, die auf üppigen Buchgewinnen sitzen und eine Korrektur bequem aussitzen können. Viele Privatanleger sind erst ab 10.000 Punkten wieder an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Genau dies birgt Gefahren. Wenn uns Verluste drohen, neigen wir zu panischen Reaktionen. Oftmals verkaufen Privatanleger entnervt in der Talsohle einer Korrektur und finden anschließend keinen guten Einstieg mehr in den Markt. Die Gewinne am Aktienmarkt sind in solchen Fällen oft völlig weg oder es sind gar Verluste entstanden. Zudem sind die Nerven strapaziert und die Anlageklasse Aktien in der Gunst der Anleger gesunken. Doch soweit muss es nicht kommen.

Anleihen-Investments den Profis überlassen

Statt Aktien als alternativlos zu sehen und im Depot ein unverhältnismäßig hohes Risiko einzugehen, sollten Anleger auch weiterhin diversifizieren. Zu einem breit aufgestellten Depot gehören auch Anleihen. Insbesondere Papiere aus anderen Währungsräumen oder Unternehmenspapiere bieten auch heute noch Chancen. Auch Zwitter-Konstrukte wie Wandelanleihen können dabei helfen, dass das eigene Depot nicht ganz so stark schwankt wie der Aktienmarkt.

Ohne Zweifel ist es schwer geworden, mit Anleihen noch aussichtsreich zu investieren. Aus diesem Grund sollten Anleger ihre Anleihe-Investments Profis überlassen, die einerseits breit gestreute Produkte verwalten und das Spiel mit Bonitäten und Restlaufzeiten perfekt beherrschen. Spezielle Anleihe-Fonds oder auch Mischfonds, die Aktien und auch Anleihen verwalten und zueinander ins Verhältnis setzen, können Privatanlegern ein Basisinvestment bieten, das im Falle einer Korrektur weniger stark schwankt, als der Aktienmarkt.

Aktien sollten gemischt werden – notfalls mit Tagesgeld

Doch auch Anleger, die auf Anleihen gänzlich verzichten wollen, sollten nicht zu einhundert Prozent auf Aktien setzen. Für diese Anleger heißt die Lösung oftmals Tagesgeldkonto. Viele werden nun einwenden, dass die Zinsen dort äußerst gering sind. Das stimmt. Macht aber nichts! Im Gegenzug ist das Risiko auf dem Tagesgeldkonto gleich null. Denken Sie immer daran: Den Kaufkraftverlust, den ein Tagesgeldkonto in einem Jahr mit sich bringt, kann Ihnen an der Börse bereits eine hektische Handelsstunde bescheren.

Als Beimischung zu schwankungsanfälligen Aktieninvestments eignet sich das Tagesgeldkonto also perfekt. Wer den vermeintlich alternativlosen Aktien zu einem gewissen Prozentsatz Tagesgeld beimischt, kann eine Korrektur am Aktienmarkt besser aushalten – gemessen am Gesamtdepot fallen die Verluste schließlich geringer aus.


April 20, 2015

8 Gedanken zu „Wieso Aktien nicht alternativlos sind

  1. Stefan

    Ich finde, dass man bei den aktuellen Anleihe-Zinsen überlegen sollte, ob man einfach kurzfristige Festgeldverträge (z.B. 2-3 Laufzeit) abschließt.
    Ansonsten aber guter Post. Aktien sind für mich alternativlos, wenn man langfristig anlegt. Auf Sicht von einigen Jahren ist das Risiko aber immer da.

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  2. Patrick

    Klasse Artikel.
    Passt perfekt zur aktuellen Zinssituation, eine Problematik die uns derzeit alle trifft.
    Einfach nichts unternehmen geht einfach nicht.
    Danke fürs bereitstellen.

    Viele Grüße,
    Patrick

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  3. Manuel

    Natürlich sind Aktien nicht alternativlos. Aber mit Sicherheit doch ein extrem wichtiger Vermögensbaustein für alle <60. Gerade wer Mitte 20 oder Mitte 30 ist, und auf Aktien verzichtet, fährt mE nach im Alter eher schlecht. Die Mischung machts, das ist klar. Aber in jüngeren Jahren sollte schon auf ein entsprechend großen Aktienanteil geachtet werden – wie ich finde. Oder?

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  4. Stefan Böhm

    Aktien sind definitiv nicht alternativlos. Dennoch nehmen sie in meinem Depot den größten Anteil ein, ca. 50 %. Diese Angabe kann sich natürlich je nach Entwicklung der Märkte ändern. Den Rest meines Depots fülle ich mit Anleihen, Edelmetallen, Fremdwährungen und Cash.

    Für mich ist es aktuell ein größeres Risiko, keine Aktien zu besitzen. Wer seine Hausaufgaben macht und konsequent antizyklisch in ausgewählte Qualitätsunternehmen investiert, gewinnt langfristig!

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  5. Holger

    „Den Kaufkraftverlust, den ein Tagesgeldkonto in einem Jahr mit sich bringt, kann Ihnen an der Börse bereits eine hektische Handelsstunde bescheren.“

    Diesen Satz werde ich definitiv so weitergeben! Danke dafür! Ich selbst gehe seit vielen Jahren den konservativen Weg des vom Wert her ganz langsam steigenden Kapitals. Einerseits ein Tagesgeldkonto und andererseits einen gemischten Aktionfonds. Im Ergebnis stehen zwar kleine, aber verlässlich zu erwartende Gewinne. Auf der anderen Seite hat sich in der Zwischenzeit einiges an Ersparnissen angehäuft und habe jetzt von der „Zinswende“ sagen hören. Dass der Euro sich ggüber dem Dollar in April und Mai erholt hat und auch angenommen wird, dass die Inflation im Euroraum wieder ins Positive rückt und dass europäische Unternehmen in den kommenden Jahren ihre Gewinne steigern werden. All das scheint doch für eine Hinwendung hin zu Aktien oder sogar zum Devisenmarkt zu sprechen. Wobei die „Wertpapierhandelsbank“ fxFlat (kennt die hier jemand?) auf ihrer Seite zum ForEx, wenn man das ganze Werbegerede abzieht, vor allem sagt dass man als eher amateurhafter Privatanleger die Finger davon lassen sollte (finde ich ja geradezu erstaunlich ehrlich, wer sich selbst überzeugen will: klick) Nur das mit der höchsten Transparenzt und den fairen Kursen kann ich nicht so recht glauben und denke mir, ich müsste in die Richtung professionelle Beratung in Anspruch nehmen, was natürlich bei Aktien genau so gilt. Vielleicht sollte ich mich ja an Herrn Böhm wenden? 😉

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  6. Daniel

    Ich finde es schön, dass auf einem Aktien-Blog auch auf die Risiken hingewiesen wird, und nicht wie derzeit in anderen Medien üblich, die Aktie als alternativlos und „Heilsbringer“ im aktuellen Niedrigzinsumfeld dargestellt wird.

    Natürlich haben wir eine sehr schöne Positiv-Entwicklung am Deutschen Aktienmarkt (DAX) in den letzten 5 Jahren gesehen, aber wie Sie hier schon schreiben, wird bei Aktien nicht auf das Vergangene sondern die zukünftige Entwicklung „gewettet“.

    Das durch die aktuellen Krisen (Ukraine, Griechenland) nicht schon längst ein Einbruch von 10% und mehr am Aktienmarkt war, liegt vor allem an:
    – dem Eingriff der EZB ins Marktgeschen (siehe Geldpolitik, hohe Liquidität in den Märkten)
    – Höhere Investments in Aktien durch institutionelle Investoren (in den DAX auch massiv internationale Pensionfonds etc. – der Grund ist, wie im Artikel für Privatanleger dargestellt, die niedrigen Zinsen in Staatsanleihen)

    Die Situation gerade ist also alles andere als berechenbar an den Aktienmärkten. Daher stimme ich vollkommen zu, diversifizieren ist definitiv nicht verkehrt, und das in Bezug auf:
    – Globale Investments (also Unternehmensanleihen auch aus den USA)
    – Verschiedene Anlageklassen (also weiterhin Renten, da neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen, vielleicht Wandelanleihen, und Aktien)
    – als Privatanleger generell (da Vermögen meist nicht über 20.000 EUR) nicht direkt in Wertpapiere anlegen sonder über Fonds (Mischfonds ist ein guter Punkt von Ihnen, auch vermögensverwaltende Fonds (Mischfonds, von sehr spezialisierten Asset Managern und Vermögensverwaltern)
    – auch bei der Fondsauswahl und Vermögens- und Finanzstruktur kann ein unabhängiger Berater von Nutzen sein

    Danke für die schöne Übersicht in Ihrem Artikel,
    VG Daniel

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  7. Jan

    Wenn man Geld über hat und es in den nächsten Jahren sicher nicht braucht, sind Aktien absolut alternativlos in meinen Augen. Um kurzfristig Gewinne zu erzielen eher nicht das sollte man immer im Auge behalten.

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  8. Pingback: Fünf Tipps zum besseren Umgang mit Verlusten | Aktien-Blog

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