Börsenpsychologie: Häufige Trading-Fehler


Häufige Trading-Fehler lassen sich psychologisch erklären„Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen“ – so hat es der österreichische Kabarettist Paul Farkas einmal auf den Punkt gebracht. Die Wahrheit hinter dem Bonmot ist inzwischen durch die Behavioural-Finance-Forschung hinreichend erforscht und belegt: Auch wenn die meisten es abstreiten, handeln Anleger oft hoch emotional, lassen sich von Gier und Angst leiten. Die kollektive Psyche der Börsianer bestimmt das Marktgeschehen weit mehr als Konjunkturdaten oder Quartalsberichte der Unternehmen. Studien zufolge verlieren bis zu 80 Prozent der Trader Geld oder gehen sogar pleite.

Der „gierige“ Trader

Eine der einfachsten Möglichkeiten, im Markt Kapital zu verlieren, ist Gier. „Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert“ – das stellte schon Michael Douglas als Finanzhai Gordon Gekko in Oliver Stones‘ Achtziger- Jahre-Filmklassiker „Wall Street“ fest, allerdings bevor er wegen unerlaubter Insidergeschäfte ins Gefängnis wandert. Fest steht: Gier ist eine der stärksten und unberechenbarsten Emotionen, die den Menschen antreiben, stets unterschwellig präsent und je erfolgreicher ein Trader ist, desto stärker kann sie werden. Um Trittfallen aus dem Weg zu gehen, bedarf es daher vor allem zweierlei: die Ehrlichkeit, sich einzugestehen, dass man gegen solches „Menscheln“ nicht immun ist, und eine Menge Selbstdisziplin, direkt von Anfang ein festes Regelwerk zu implementieren – und es vor allem auch beizubehalten, wenn es einmal nicht so gut läuft und kopflose Panikverkäufe plötzlich als die willkommenere Alternative erscheinen. In jedem von uns steckt ein kleiner Zocker – so kann Börse überhaupt erst funktionieren.

Angst, Trading-Chancen zu verpassen

Selbst wenn Sie nur mit relativ kleinen Positionen oder außerbörslich handeln, haben Sie das enorme Suchtpotential des Trading-Geschäfts wahrscheinlich bereits am eigenen Leib erlebt. Konkret kennen Sie vemutlich Gefühle wie das Bedürfnis, ständig vor dem PC zu sitzen und Charts zu checken, um ja keinen vielversprechenden Trade zu versäumen. Wenn Sie sich dabei erwischen, wie Ihr Finger im Bruchteilsekundentakt den EUR/USD refresht, obwohl die US Non-Farm erst in fünf Stunden veröffentlicht werden, dann – gesetzt den Fall, dass Sie nicht aus Langeweile anfangen, andere Werte zu traden – leidet vielleicht nicht ihr Kapital, wohl aber Ihre sozialen Bindungen. Natürlich sollte Trading Spaß machen und Sie dürfen es auch ruhig als Hobby bezeichnen, aber Sie laufen ja schließlich auch nicht den ganzen Tag lang Marathon. Wenn Sie Signale sehen, steigen Sie ein, setzen Sie Stopps und lassen den Trade laufen, nehmen sich ein Buch aus dem Regal und setzen sich in den Garten.

Zu später Ein- und Ausstieg

Eine andere, deutlich größere Gefahr liegt im Jagen von Trends, die längst abgefahren sind. Gute Laune ist ansteckend – wenn eine Börsenparty in vollem Gang ist und die Kurse scheinbar nur noch eine Richtung kennen, wollen natürlich alle dabei sein. Gerade Privatanleger mit wenig Erfahrung zögern oft lange, bevor sie einsteigen, und verpassen dann den optimalen Einstieg. Wer erst einsteigt, wenn das Hoch schon fast erreicht ist, steigt in der Regel auch zu spät aus, nämlich erst, wenn die Kurse schon wieder auf Keller drehen, und läuft so Gefahr, gewaltige Verluste zu realisieren. Und da gebrannte Kinder bekanntlich heiße Umgebungen scheuen, wird dann wieder häufig der Wiedereinstieg zu Tiefstkursen verpasst, und schon befindet man sich mitten im schönsten Teufelskreis. Ob ein Zug bereits abgefahren ist, kann man oftmals mit Hilfe von Chart Tools wie Fibonacci-Retracements oder Bollinger Bands erkennen – denken Sie immer daran, die überwiegende Mehrheit der Kursbewegungen lässt sich auf immer wiederkehrende menschliche Verhaltensmuster zurückführen. Die technische Analyse hat viele Methoden, diese zu erkennen, und hilft ihnen dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren. Selbst wenn Sie mit einem verspäteten Einstieg richtig gelegen hätten – die nächste Trading-Chance kommt bestimmt.

„Nur dieses eine Mal!“

Bleiben bei mehreren Trades in Folge die Gewinne aus, wächst mit dem Frust schnell auch die Versuchung, alles auf eine Karte zu setzen und die Verluste mit einem einzigen guten Trade wieder auszugleichen. Vergessen wird dabei oft, dass die Wahrscheinlichkeit eines Treffer jedoch meistens in etwa gleich bleibt, beziehungsweise bei hochriskanten Trades oft noch niedriger liegt. Das Ergebnis ist in den seltensten Fällen ein Plus auf dem Konto. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Verluste einfahren, kann es eventuell von Vorteil sein, Ihre Gesamtstrategie zu überdenken – die Grundfesten Ihres Money Managements sollten Sie jedoch niemals antasten – auch nicht „nur dieses eine Mal“.

Weniger ist mehr

Generell gilt: Weniger ist oft mehr. Es gibt Zeiten, zu denen es sinnvoll ist, den Markt zu beobachten, zum Beispiel morgens zur Eröffnung in Europa, wenn Unternehmensmeldungen eintrudeln oder nachmittags, wenn die Wall Street öffnet. Zu diesen Zeiten kommt es gewöhnlich zu Bewegung in den Märkten, und intensive Chartbeobachtung kann sich lohnen. Das heißt nicht, dass es außerhalb dieser Zeiten keine Chancen gibt, wohl aber, dass Sie außerhalb dieser Zeiten dann und wann Trading-Pausen einlegen sollten. Setzen Sie sich Tages-, Wochen- und Monatsziele, sowohl für Gewinne als auch für Verluste. Machen Sie Schluss, auch wenn Sie ihr Ziel nur „fast“ erreicht haben – auch ein geringer Gewinn ist besser als ein Verlust.


August 9, 2012

2 Gedanken zu „Börsenpsychologie: Häufige Trading-Fehler

  1. Pingback: DAX – wir stehen abseits und warten auf den nächsten Trade – daxtradingsignals

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