Der Trend geht zum Zweitkonto: Die Zukunft der CFD Branche in Deutschland


Seit der Handel mit Differenzkontrakten (CFDs) Mitte der 2000er seinen Siegeszug in Deutschland begann, ist der Markt stetig gewachsen – zwischen April 2011 und April 2012 allein um 34 Prozent. Gemessen an der Zahl der aktiven Trader gehört der deutsche CFD-Markt zu den größten weltweit, und der Trend geht zum Zweitkonto. Auf etwa 43 000 Trader kommen Schätzungen zufolge inzwischen knapp 80 000 existierende Konten, und allein im letzten Jahr erreichte das CFD-Handelsvolumen bereits 82 Prozent des gesamten Volumens an den Aktienmärkten.

Ein Großteil der CFD-Händler hat vorher bereits Index- oder Hebelzertifikate getradet. Den Hauptgrund für einen Wechsel sieht Michael Lippa, Geschäftsführer bei Online Broker IG Deutschland, in der „Simplizität und Transparenz des Produktes CFD“ und der „wesentlich kürzeren Reaktionszeit auf unerwartete Marktbewegungen“. CFD-Trader zahlen keine Volatilitätsaufschläge und der Gewinn oder Verlust einer Position lässt sich sehr leicht errechnen. Auch das „Shorten“, also das Spekulieren auf fallende Werte, ist mit CFDs deutlich unkomplizierter als mit vergleichbaren Produkten.

Bisher richtet sich der CFD-Markt hauptsächlich an kurzfristig orientierte Anleger, da bei Wahl eines hohen Hebels über einen längeren Zeitraum die Haltungskosten deutlich steigen. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern, denn bei Wahl eines geringeren Hebels lassen sich mit CFDs durchaus auch längerfristige Strategien realisieren und sogar reale Marktpositionen hedgen. Derzeit sind deutsche Langzeitanleger noch sehr konservativ orientiert, verlassen sich gern auf ihre örtlichen Sparkassenberater und zahlen infolgedessen hohe Gebühren für komplizierte Produkte, die sie oftmals kaum durchschauen. Doch das „Doktor Google“-Phänomen ist nicht auf das Gesundheitswesen beschränkt: Mit der zunehmenden Bedeutung des Internets als Informationsquelle steigt auch der Wunsch nach Selbstbestimmung auf allen Gebieten, und Finanzen stellen keine Ausnahme mehr dar. „Investment ist das große CFD-Thema der Zukunft“, so Brylewski, Deutschland-Chefin bei Gekko Global Markets im Interview mit Broker-Test.de.

Mobiles Trading gewinnt an Bedeutung

Auch wenn Branchenbeobachter das Wachstum für noch lange nicht erschöpft halten, ist man sich jedoch einig, dass es über kurz oder lang zu einer gewissen Konsolidierung kommen muss. Derzeit gibt es in Deutschland etwa dreißig CFD-Broker; der Markt ist hart umkämpft. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige Broker, die aktuell am Markt sind, von anderen CFD-Brokern übernommen werden“, so Brylewski. Michael Lippa ist ähnlicher Ansicht. „Per Saldo werden sich die besten Provider am Markt behaupten, da gibt es gar keinen Zweifel.“ Die Qualitätskriterien für CFD-Broker haben sich indes nicht geändert. Um schwarze Schafe zu vermeiden, sollten Anleger weiterhin darauf achten, wie lange der Broker schon am Markt ist, von welcher Behörde er reguliert wird und ob Kundengelder auf segregierten Konten aufbewahrt werden.

Eine Entwicklung, die sich in den internationalen Märkten bereits etwas länger abzeichnet als in Deutschland, ist die wachsende Bedeutung des mobilen Tradings via Smartphone- und Tablet-App. Schon heute werden knapp zehn Prozent aller Trades von mobilen Geräten ausgeführt, Tendenz steigend. Während der klassische Desktop-PC immer mehr zum Dinosaurier wird, müssen CFD-Provider ihr Angebot entsprechend mobilfreundlich gestalten, um sich weiterhin auf dem Markt behaupten zu können. Ohne eine kompetente Lösung für mobiles Trading, so Brylewski, brauche man einen Markteintritt gar nicht erst zu wagen.


Januar 29, 2013

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