Die Öl-Aktie des Jahres 2008?
Kritische Einschätzung zu Energulf Resources
Vorgestern gab es bei Energulf Resources News. Für mich sind diese Neuigkeiten alles andere als positiv, aber die Lemminge haben sie gefeiert. Dass dies eine Lemming-Aktie ist, sieht man an den Internetforen, in denen utopische Kursziele ausgerufen werden und man sogar noch darauf stolz ist, dass das Depot mehr oder weniger nur aus Energulf-Aktien besteht.
Relevant an den News ist vor allem folgendes, aber soweit denken die meisten Investierten ja gar nicht: “The 5 year minimum work commitment provided for in the PSC is US$33,500,000″. Diese 33,5 Millionen USD hat Energulf allerdings nicht, denn der aktuelle Cash reicht lediglich für die grundlegenden Bohrungen im Block 1711, bei dem das Bohrschiff demnächst auslaufen soll - falls es dazu überhaupt kommt, man liegt wohl schon wieder hinter dem Zeitplan.
Folgeinvestitionen für diesen Block 1711 kann Energulf ebensowenig bezahlen wie die eben genannten 33,5 Millionen USD. Was heißt das? Kapitalerhöhungen müssen her, mal wieder. Ich bin mal gespannt, wann das nächste Private Placement angekündigt wird und vor allem zu welchem Kurs.
Das Letzte fand zu umgerechnet 0,75 EUR statt und fundamental hat sich seit diesem Zeitpunkt nicht viel bei der Aktie geändert. Ob den Lemmingen ein Private Placement zu z.B. 1,00 EUR gefallen würde? Mir schon, denn wenn der Kurs nicht von selbst bis dahin fällt, würde ich meinen Short einfach über Stücke aus dem Private Placement decken.
Wieso die News also gefeiert wird, ist mir schleierhaft, denn die Meldung zeigt mal wieder, dass bisher alles auf Phantasie beruht und zur Umsetzung dieser Phantasie besteht ein immenser Kapitalbedarf, den Energulf bisher nicht decken kann. Private Placements zum aktuellen Kurs würden sich meiner Ansicht nach nicht platzieren lassen und eine Kapitalerhöhung zu 1,00 EUR würde den Investierten wohl übel aufstoßen.
Viel erschreckender finde ich es, dass die Firma ständig Projekte vorantreibt, die mit immensen Ausgaben verbunden sind, und es dem Energulf Management offenbar völlig egal ist, wenn die Aktienbasis ständig verwässert wird. Wenn im Block 1711 doch angeblich soviel Öl schlummert (Wer glaubt daran? Ich nicht), warum dann ein zusätzliches Projekt mit einem großen ungedeckten Kapitalbedarf, der erneut zu einer Verwässerung der Aktien führen wird?
Hier ist meiner Ansicht nach etwas oberfaul! Ich bin jedenfalls froh, den Short zu einem hohen Kurs nochmals vergrößert zu haben, denn das aktuelle Kursniveau kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Lediglich diese auf den ersten Blick gute (und auf den zweiten Blick nicht mehr so gute) News konnte die Aktie wieder kurz über 2 EUR schieben - zuvor befand sich Energulf im Sturzflug, und ich schätze, sie wird auch wieder in die Abwärtsbewegung zurückkehren und sehr bald wieder unter 2 EUR notieren.
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Investment 24 AG aus dem Börsenbrief “Investment24” vom 19. März 2008 übernommen.
Energulf Resources, Investment 24, News










Sehr geehrter Damen und Herren,
beeindruckend das sich Herr Otto nun schon über diese Wege mehr Öffentlichkeit einholen will.
Shorter sollten verboten werden, es widert mich an.
mfg
Stefan Mudlk
Kommentar von Stefan Mudlk — 20. März 2008 @ 12:05
Den Text habe ausschließlich ich für Aktien-Blog ausgesucht.
Shorter gehören für mich einfach dazu. Genau so, wie viele Anleger eine Aktie kaufen, weil sie denken, der Markt bewerte sie zu niedrig, kann man auch Aktien verkaufen, wenn man denkt, der Markt bewertet diese zu hoch.
Am Ende setzt sich Qualität durch - oder eben nicht. Der Einwand mit der Finanzierung ist in meinen Augen gerechtfertigt. In diesen Tagen haben selbst Projekte, die auf den ersten Blick vielversprechender erscheinen, Probleme damit, sich Mittel zu beschaffen. Dass man als Unternehmen in einem solchen Umfeld Kompromisse eingehen muss, die die Verwässerung erhöhen, liegt auf der Hand und sollte ausgesprochen werden!
Kommentar von Nico Popp — 20. März 2008 @ 12:15
Schade, daß sich der Aktien-Blog dazu hergibt, die Schmierereien von Bernd M. Otto alias Investment 24 zu veröffentlichen. Weder er, noch seine Anhänger haben sich anscheinend näher mit dem Investment “Energulf” beschäftigt, ansonsten könnte man nicht so einen, mit Verlaub, Blödsinn verfassen.
Sorry für diese Wortwahl, aber in dem Artikel entsprechen gleich mehrere Dinge nicht der Wahrheit, was die Finanzierung und die Ausrichtung der Projekte betrifft. Aber dafür ist Herr Otto ja bekannt und seine, wie er treffend formuliert, “Lemminge” glauben ihm auch noch !
Energulf wird seinen Weg gehen, da kann auch ein drittklassiger Börsenbrief wie Investment 24 nichts dagegen ausrichten.
Gruß, Börsenguru
Kommentar von Börsenguru — 20. März 2008 @ 12:17
p.s:
Herr Otto, Ihre Rechtfertigungen gegenüber Explorern kotzen mich mittlerweile an. Derselbe Ton, derselbe Stil:
“Was heißt das? Kapitalerhöhungen müssen her, mal wieder. Ich bin mal gespannt, wann das nächste Private Placement angekündigt wird und vor allem zu welchem Kurs.”
Die einzige Begründung in Ihren ewigen Diskursen warum ein Explorer schlecht ist.
Wenn diese Energulf auf Öl stoßen sollte, dieses Öl rein ist, werter Herr Otto, denken Sie nicht auch das dann ganz andere Financies einspringen? Kredite und Darlehen? Oh ja, sowas gibt es auch noch in heutigen Krisenzeiten.
Aber das verschweigen Sie, klar, short ist mord.
Es widert mich an!
Stefan Mudlk
Kommentar von Stefan Mudlk — 20. März 2008 @ 12:18
Werter Herr Popp,
dann soll Herr Otto auch mal die andere Seite beleuchten. Es sind immer und wirklich immer wieder dieselben Begründungen wieso Explorer (auf welchem Gebiet auch immer tätig) schlecht oder besser noch ABZOCKE sind.
Verdammt, bei einem Börsengang, egal ob Entry Standart, Prime Standart etc. verdienen IMMER diejenigen die die Aktien auflegen. Das ist MARKTWIRTSCHAFT.
Ich HOFFE dieses Unternehmen trifft auf Öl, erhält anschließen eine riesen Finanzierung in Rahmen eines Kredites, DANN HAT DIESE SCHREIBEREI VOM OTTO endlich ein Ende
mfg
Stefan Mudlk
(jemand der sich wirklich sehr über die Ausführungen aufregt!)
Kommentar von Stefan Mudlk — 20. März 2008 @ 12:22
Herr Otto hat momentan ein Problem, sein Gewinn im Depot schwindet zusehends ! Sollte jetzt sein short in Energulf auch noch schief gehen (wovon ich ausgehe), würde das die Performance endgültig zunichte machen. Aus diesem Grunde schreckt er auch nicht zurück, Unwahrheiten zu verbreiten, siehe obigen Artikel.
Ich halte normalerweise viel vom Aktien-Blog und seinen Publikationen, aber hat man es denn hier wirklich nötig, solche Artikel zu veröffentlichen ?
Kommentar von Michael Grötzner — 20. März 2008 @ 12:38
Ich würde die ganze Diskussion nicht so emotional führen. Fakt ist, dass Energulf derzeit keine Finanzierung hat und das Marktumfeld schwierig ist. Da es für Altaktionäre im Gegensatz zu Deutschland keine Bezugsrechte für neue Aktien, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden, geben wird, kann man auch von einer deutlichen Verwässerung ausgehen. Ob Energulf deswegen “Schrott” ist oder nicht, weiß niemand zu hundert Prozent. Aber selbst Optimisten sollten ein Interesse daran haben, auch die Argumente der Pessimisten zu kennen. Ich persönlich finde es immer gut, jemanden zu finden, der gegen meine Anlageentscheidungen argumentieren kann. Solche Gespräche sind meist sehr konstruktiv. Sollte Energulf tatsächlich große Entdeckungen machen (worüber man geteilter Meinung sein kann, weil es eben niemand weiß) sieht die Situation sicher positiver aus.
Kommentar von Nico Popp — 20. März 2008 @ 12:39
Herr Popp,
das hat nichts mit Emotionen zu tun. Es gibt doch nur 2 Faktoren:
Trifft Energulf auf ÖL wird diese Firma mit Geld überschüttet. Wer Gegenteiliges behauptet hat wirklich sehr wenig Ahnung von der Materie.
Trifft Energulf auf kein Öl bricht die Aktie ein.
Was um Himmelswillen hat das mit der Finanzierung zu tun. Das die Placies die ein PLacement damals zu 0,75 Euro gemacht haben eventuell Kasse machen ist doch normal? Damals haben die dem Unternehmen doch auch das Geld gegeben.
Kommentar von Stefan Mudlk — 20. März 2008 @ 12:44
@Stefan Mudlk: Dass diese Firma im Falle eine Öl-Fundes mit Geld überschüttet wird, war vielleicht vor einem Jahr so. Heute haben selbst Projekte, die sämtliche Investitionskosten in 3-4 Jahren amortisiert haben Probleme, eine Finanzierung zu bekommen. In einem solchen Umfeld muss die Gesellschaft Kompromisse eingehen: Je niedriger der Ausgabepreis der neuen Aktien, um so größer die Anzahl der neuen Aktien, die den Kurs verwässern. Um das Öl zu fördern muss schließlich auch investiert werden.
Natürlich trägt eine Kapitalerhöhung in der Regel zum Fortschritt eines Projektes bei und ist nicht grundsätzlich negativ. Da der Kurs bei Energulf in den letzten Monaten allerdings enorm zugelegt hat, könnte die Verwässerung insbesondere Investoren, die heute zu Kursen über zwei Euro einsteigen, überdurchschnittlich hart treffen. Institutionelle Investoren, die zudem an Haltefristen gebunden sind, werden sicherlich nicht auf einen 3-Monats-Hype aufspringen.
Kommentar von Nico Popp — 20. März 2008 @ 13:10
70 % der Kosten der Exploration (somit auch 70 % des Risikos) trägt die im Ölgeschäft nicht gerade unbekannte Firma Sintez (die übrigens jetzt auch mit RWE kooperiert). Auch die staatliche Ölfirma Namcor ist mit an Bord. Sollte Öl gefunden werden, wovon man laut Sintez mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit (90% laut Aussage Sintez) ausgehen kann (man rechnet mit der Exploration eines Giant Fields, eine NI-konforme Resourcenschätzung liegt vor), ist hier die Möglichkeit eines Tenbaggers gegeben. Noch dazu, weil Energulf das einzige börsennotierte Unternehmen in dem gesamten Projekt ist. (Den 2% Anteil einer anderen börsennotierten und beteiligten Firma lasse ich jetzt mal weg.) Sprott hat sich mit über 10% an Energulf beteiligt, Canaccord hat Energulf auf der Watchliste.
Dies sind nur einige Punkte, die man bei der Beurteiling nicht außer Acht lassen sollte. Oben genannte Firmen und Companies haben sicherlich nicht die dümmsten Berater und wissen, was sie tun. Wie man sieht, sind hier auch große Adressen mit an Bord, und die liegen meist nicht ganz so verkehrt mit ihren Anlageentscheidungen.
Aber ein Herr Otto möchte es besser wissen. In meinen Augen lächerlich, was er hier zum Besten gibt.
Kommentar von Michael Grötzner — 20. März 2008 @ 13:31
schade das jeder Spinner etwas über Aktien schreiben darf !
Es darf ja auch nicht jeder Autofahren,oder ?
Kommentar von kei BMO FAN — 20. März 2008 @ 13:44
Otto, muss ENG nun auch gedrückt werden??
Bei Gulfside klappt es doch auch nicht! Im Gegenteil, da steigen sogar die Lang und Schwarz Taxen an.
Entschuldigen wir uns, wenn wir bei GMG falsch liegen?
Kommentar von Fluchtfahrer — 20. März 2008 @ 13:45
Egal!
Man schreibt irgendein Wischi Waschi! Das sich Sintez zu 90% sicher ist Öl zuz finden wird wohlweislich verschwiegen!
Ras
Kommentar von Ras — 20. März 2008 @ 14:14
Die Beteiligung von Sprott an energulf ist auf alle positiv zu sehen, daher dürfte die entscheidung eng zu shorten nicht besonders glücklich sein.
ob die kapitalerhöhung sich negativ auf den kurs auswirkt, kann man erst nach ablauf des lockups sagen, bis jetzt hat jedenfalls kein altaktionär
verkauft, sonst hätte es den kurs schon zerlegt.
Kommentar von kfe1000 — 20. März 2008 @ 14:53
Ich hoffe der Otto liegt falsch, dann hat die Schreiberei endlich ein Ende. Sein BB ist eh nur ein Trend….
Kommentar von Stefan Mudlk — 20. März 2008 @ 17:42
Dass sich hier am Freitag nachbörslich der CEO aus dem Staub gemacht hat und das obwohl Energulf ja eine so tolle Aktie sein soll, irritiert mich schon! Die skepsis die der Autor dem WErt entgegenbringt ist wohl gerechtfertig! Oder wie sollte der Rücktritt sonst zu erklären sein?
Kommentar von A. Leib — 31. März 2008 @ 11:24
Das Kursziel unter zwei Euro hat sich ja mittlerweile eindrucksvoll bestätigt. Mittlerweile ist wohl jeder, der BV-Aktien nicht grundsätzlich links liegen lässt, eingestiegen. Dementsprechend ist die Nachfrage nicht besonders hoch. Aktuell notiert Energulf sogar unter 1,50 Euro.
Kommentar von Nico Popp — 15. April 2008 @ 14:44
Investment24 - Energulf Analyse
zu Energulf erreichen uns immer noch häufig Anfragen, ob es nicht doch sein könnte, dass die Aktie etwas taugt.
Meiner Ansicht nach nein, und das begründe ich Ihnen nun ausführlich und sende diese Analyse an alle registrierten Investment24 User.
Die nachfolgend aufgeführten Infos dürften übrigens nur dem geringsten Teil der Energulf Aktionäre bekannt sein.
Verbreitung dieses Textes in Börsenforen usw. gestatte und befürworte ich daher und nehme diesen Text somit vom Copyright-Recht aus.
Ich beginne mit der Historie von Energulf.
Dabei werde ich nicht weiter auf der unrühmlichen Vergangenheit der Aktie herumreiten (Energulf war einer der übelsten Pushs 2005, bei dem sich einige wenige die Taschen voll gemacht haben und tausende Anleger bis zu 90% des Einsatzes verloren haben), sondern beschränke mich auf die aktuellen Projekte dieser Aktie, auch wenn es zu 2005 viele Parallelen gibt und das Ende meiner Ansicht nach genauso miserabel sein wird.
Das, was Energulf angeblich wertvoll machen soll, ist ein anteiliges Explorationsrecht am sogenannten Block 1711, offshore vor der Küste Namibias. Dort wird angeblich ein grosses Ölfeld vermutet. Die unabhängige Gutachterfirma Netherland Sewells and Associates, Inc. (NSAI) beziffert die Chance eines Ölfundes auf max. 16%, aber in den Promotiontexten zu dieser Aktie ist plötzlich von angeblichen 50% oder 90% die Rede.
Damit man die ganzen Unstimmigkeiten erfassen kann, muss man sich erst einmal den chronologischen Verlauf bezüglich Block 1711 ansehen:
Im März 2005 verkündet Energulf in einer Absichtserklärung, dass die halbstaatliche Gesellschaft NAMCOR eine Option auf einen 25%igen Anteil am Block 1711 anbietet. Zu diesem Zeitpunkt liegt bereits eine Ressourceneinschätzung vor, die von Netherland Sewells and Associates, Inc. (NSAI) im Auftrag von Vanco Energy angefertigt wurde. Dieses Gutachten wird insgesamt von Energulf angezweifelt, weil es angeblich nicht klar sei, ob es den kanadischen Standards entspricht. Daher weist Energulf seine Anleger darauf hin, dass man sich auf dieses Gutachten nicht verlassen könne.
http://www.energulf.com/news/03_09_05.pdf
Das ist schon bemerkenswert, denn an den Referenzen von NSAI erkennt man relativ schnell, dass NSAI alles andere als eine unverlässliche Quelle ist. Deshalb sind die sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Ölfundes auch als authentisch anzusehen, auch wenn in den Promotiontexten zu dieser Aktie regelmässig etwas anderes behauptet wird.
http://www.netherlandsewell.com/references.html
8 Monate später bietet das namibische Energieministerium Energulf einen Explorationsanteil an, der aber plötzlich nur noch 17% beträgt. Die anderen Anteile werden dem Operator PetroSA (70%), NAMCOR (10%) und einer kleineren namibischen Gruppe (3%) angeboten.
http://www.energulf.com/news/110705.pdf
Im März 2006 wird Energulf dann ein Working Interest zugesprochen, der nun nur noch 10% (!) beträgt. Damit einher geht die Verpflichtung zur Übernahme von 10% der Entwicklungs- und Explorationskosten, sowie ein Anspruch auf 9,5% der Erlöse (10% minus 0,5% Lizenzgebühren an Namibia). Operator ist nun nicht mehr PetroSA, sondern Sintezneftegaz Namibia Ltd., mit einem 70%-Anteil. PetroSA hält nun nur noch 10% Anteil, NAMCOR nur noch 7%. Die Explorationslizenz gilt für mindestens 4 Jahre, maximal 6 Jahre.
http://www.energulf.com/news/033106.pdf
Im Juni 2006 beauftragt Energulf NSAI (deren Urteil man gut ein Jahr zuvor anzweifelte) mit einem neuen Gutachten für den Block 1711, und zwar angeblich deshalb, weil dies die Prospektpflicht für weitere geplante Kapitalmaßnahmen vorsehe.
http://www.energulf.com/news/06_08_06.pdf
Das Gutachten wird drei Monate später von Energulf veröffentlicht, es entspricht nun auch aus Sicht von Energulf den kanadischen Standards. Die Resourcenschätzung wird für drei Szenarien erstellt: konservativ, realistisch, optimistisch sowie unterteilt nach zwei möglichen Funden/Rohstoffen: Gas (gas case) und Öl (oil case). Der Block 1711 besteht aus den Gebieten “Kunene” und “Hartmann”.
Für die Bewertung von Energulf ist es hier nicht entscheidend, wieviel Öl oder Gas gefunden werden könnte, sondern zunächst wie hoch die Wahrscheinlichkeit (”Probability of Success”) ist, überhaupt etwas zu finden. Diese schätzt NSAI für Kunene auf 10-16%, und für Hartmann auf 7-13%, oder umgekehrt, man hat eine Mindestwahrscheinlichkeit von 84% bzw. 87%, nichts zu finden. Das ist objektiv gesehen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass nichts gefunden wird.
Zunächst soll in Kunene eine Testbohrung durchgeführt werden, da dies Rückschlüsse auf mögliche Chancen/Risiken bezüglich der Beschaffenheit in Hartmann zulassen würde. Die erforderliche Bohrtiefe beginnt wird auf 3.625 m geschätzt. Die gesamten Kosten für diese eine Testbohrung betragen laut NSAI 21,2 Mio. USD, das ergäbe für Energulf zu diesem Zeitpunkt eine Kostenanteil von 2,12 Mio. USD (10%).
http://www.energulf.com/news/09_08_06.pdf
Interessant ist auch, was der Oil Commissioner von Sintezneftegaz, Immanuel Mulunga, zu den erwarteten Vorkommen sagt. Er wird zitiert: “We have 90 percent expectation to find oil or gas. No one can be 100 percent sure of what is under the surface of the earth,” Wie Mulunga zu dieser Einschätzung kommt, die fast genau das Gegenteil des unabhängigen Reports von NSAI ist, bleibt ungeklärt. Er wird sich später damit rausreden können, dass er dies nur sein Dolmetscher gesagt hat… “(…) he said through an interpreter.”
http://allafrica.com/stories/200711130215.html
Im Oktober 2006 stimmen die fünf Lizenznehmer der Vereinbarung endgültig zu.
http://www.energulf.com/news/10_02_06.pdf
Erst im November 2007 wird die erste Testbohrung (Kunene #1) genauer definiert. Für die Bohrung soll das Bohrschiff “Deep Venture” (DV) angemietet werden. Mögliche Bohrwassertiefe der DV: 1.372 m, Bohrtiefe maximal 6.096 m. Die Verfügbarkeit der DV hängt vom Ende der Bohrungen für Exxon mobil vor Angola ab. Die Bohrtiefe wird insgesamt auf 4.400 m festgelegt, dies entspricht in etwa den Vorgaben des NSAI Gutachtens. Die Kosten hierfür werden nun auf 50 Mio. USD geschätzt, die Bohrzeit auf 50-60 Tage. Sollten tiefere Bohrungen bis in 5.500 m erforderlich sein, werden ca. 9 Mio. USD zusätzlich anfallen.
Der Kostenanteil für Energulf beträgt demnach 5 Mio. USD (10% von 50 Mio. USD), evtl. plus 0,9 Mio.USD (falls Bohrtiefe höher). Die Kosten für die erste Testbohrung haben sich gegenüber dem NSAI Report bei gleicher Bohrtiefe um über 135% (!) von 21,2 Mio. USD auf 50 Mio. USD verteuert. Die Gründe dafür sind aus meiner Sicht überhaupt nicht nachvollziehbar. Wer hier auf eine Kommentierung seitens Energulf hofft, der wird wohl ewig warten. Energulf kündigt weitere Kapitalmaßnahmen an.
http://www.energulf.com/news/11_30_07.pdf
Grund der notwendigen Kapitalerhöhung: Energulf verfügt zu diesem Zeitpunkt (Q3-Abschluss 2007/2008 zum 31.11.2007) über ein Umlaufvermögen von ca. 3,9 Mio. CAD, 3,75 Mio. CAD davon Cash.
http://www.sedar.com/GetFile.do?lang=EN&docClass=5&issuerNo=00017005&fileName=/csfsprod/data86/filings/01212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdf
Im Dezember 2007 wird daher ein Private Placement (PP) über 8 Mio. Aktien zu 1,10 CAD (= 8,8 Mio. CAD) bekannt gegeben, platziert wird dieses am 31.1.2008. Die gleiche Menge an Warrants gibt es als Bonus zur weiteren Verwässerung on top, zum Nachteil der anderen Aktionäre. Die Einnahmen aus der Maßnahme sollen nicht ausschliesslich für Kunene #1 verwendet werden, sondern auch für die ersten Explorationsaktivitäten am Lothsi Block sowie weitere allgemeine Ausgaben.
http://www.energulf.com/news/12_12_07.pdf
http://www.energulf.com/news/01_31_08.pdf
Zum Lothsi Block: Energulf hat sich die Rechte am Lothsi Block im Kongo bereits 2006 durch einen Einmalbetrag von 0,5 Mio. USD gesichert.
http://www.energulf.com/news/01_30_06.pdf
Die Kosten für das Programm werden für den geplanten Mindestzeitraum von fünf Jahren auf 33,5 Mio. USD geschätzt, das macht für Energulf mit seinem 90%-Anteil 30,15 Mio., jährlich 6,03 Mio. USD.
http://www.energulf.com/news/03_17_2008.pdf
In der Meldung, dass man nun nach mehrmaligem Verschieben kurz vor dem Eintreffen des Bohrschiffes stehe, erwähnt Energulf fast beiläufig, dass Jim Askew seine Posten als President und Director niederlegt: “Also, Jeff Greenblum has assumed the additional titles of President and CEO of EnerGulf, with Jim Askew resigning as President and a Director (…)”.
http://www.energulf.com/news/03_28_2008.pdf
Askew ist seit dem 02.09.2002 dabei, er ist eine wichtige Führungsperson bei Energulf, und so kurz vor der angeblich größten Chance für Energulf verlässt er das Unternehmen? Nun, als Berater bleibt er an Bord, offiziell jedenfalls. Am 30. Juli 2007 nannte er noch 1.894.520 (!) Aktien sein Eigen, wie viele heute wohl noch übrig sind, darüber kann nur spekuliert werden. http://www.sedar.com/GetFile.do?lang=EN&docClass=10&issuerNo=00017005&fileName=/csfsprod/data83/filings/01137015/00000002/z%3A%5CE%5CENG%5C0803eng2.pdf
Am 09.04.2008 wird schließlich der Bohrbeginn für Kunene #1 verkündet. Die geschätzten Kosten für die ersten 50-60 Tage haben sich gegenüber der Meldung vom November 2007 allerdings noch einmal erhöht, mal eben so um schlappe 58% auf 79 Mio USD, gegenüber den zuverlässigen Schätzungen des NSAI Reports sogar fast ver-4-facht (!), bei gleichen Rahmenbedingungen wohlgemerkt. Tiefere Bohrungen in bis zu 5.500 m Tiefe würden weitere 10 Tage dauern, ca. 9 Mio. USD Kosten würden dann zusätzlich anfallen.
Der aktualisierte Kostenanteil für Energulf beträgt demnach 7,9 Mio. USD, evtl. plus 0,9 Mio. USD. http://www.energulf.com/news/04_09_2008.pdf
Wieviel Geld hat Energulf nach Bezahlung dieser Kosten eigentlich noch? Dazu später mehr.
Der bisherige Projektverlauf Block 1711 lässt sich wie folgt zusammenfassen:
- Der Anteil von Energulf an Block 1711 schrumpft nacheinander von 25% auf 17% auf 10%
- Die Kosten nur für Kunene #1 steigen von 21,2 auf 50,0 auf 79,0 Mio. USD
- Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt nichts zu finden, liegt bei mindestens 84%-87%
- Eine wichtige Führungsperson scheidet 10 Tage vor Bohrbeginn aus
Nun zur Analyse des Firmenvermögens, bzw. was davon noch übrig bleibt:
Unmittelbar nach dem PP verfügt Energulf Ende Januar 2008 über ein geschätztes Umlaufvermögen von 12 Mio CAD, wobei die laufenden Kosten anhand der vergangenen Werte vorsichtig geschätzt wurden. Aktuellere Zahlen gibt es leider nicht, auch wenn das Geschäftsjahr eigentlich seit dem 28.02.2008 beendet ist und der Jahresabschluss längst vorliegen müsste. Mehr hat Energulf nicht, eher weniger.
Firmenvermögen 30.11.2007: 3.865.067 CAD
minus laufende Kosten (geschätzt): 386.507 CAD
plus Private Placement: 8.800.000 CAD
minus Finders Fees aus dem PP: 110.140 CAD
= CASH (geschätzt) 31.1.2008: 12.168.420 CAD
http://www.sedar.com/GetFile.do?lang=EN&docClass=5&issuerNo=00017005&fileName=/csfsprod/data86/filings/01212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdf
http://www.energulf.com/news/01_31_08.pdf
Seit Ende Januar sind allerdings schon wieder fast 3 Monate vergangen, so dass man eher von einem deutlich geringeren Umlaufvermögen bzw. deutlich weniger Cash ausgehen kann. Aber ich berücksichtige bei dieser Einschätzung lediglich Informationen, die mit Quellen belegt werden können, was wirklich ausreicht, um die Brisanz der Finanzlage von Energulf zu zeigen. Die tatsächlichen Zahlen dürften also noch negativer sein.
Am 29.05.2008 werden die 60 Tage nach Bohrbeginn mit Ausgaben von mind. 7,9 Mio. USD vorbei sein, dann hat Energulf noch ca. 4 Mio. CAD Cash. Jeff Greenblum kommentiert das PP vom Januar 2008 bezogen auf die zu finanzierenden Projekte Block 1711 und Lothsi Block wie folgt: “Our capital structure allows us the flexibility to drill the Kunene #1, as we initiate our exploration program for the Lotshi Block in the Democratic Republic of Congo”. Zu deutsch: wir können gleichzeitig die Bohrkosten für Kunene #1 zahlen und die Explorationskosten für den Lothsi Block finanzieren.
Das ist meiner Ansicht nach gelogen.
Die Kosten für die Exploration des Lotshi Block betragen ca. 6 Mio. USD jährlich (siehe oben) über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren. Energulf hat nach Abschluss der aktuellen Block 1711 Bohrung nur noch ca. 4 Mio. CAD Cash, wenn tiefer gebohrt wird (0,9 Mio. USD Mehrkosten für Energulf), dann sogar nur knapp 3 Mio. CAD Cash. Wie sollen 6 Mio. USD jährliche Kosten (noch dazu über 5 Jahre) mit einer derart dünnen Kapitaldecke finanziert werden bitteschön? Kapitalerhöhungen sind hier absolut unausweichlich.
Sollten die Bohrungen in Block 1711 nicht erfolgreich sein (und die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt mind. 84%), dann hat Energulf kaum noch Cash und ob eine Firma mit jahrelangem cash-burning und keinerlei abgeschlossenen Erfolgen dann nochmal Kapital per Private Placement aufnehmen kann, bleibt sehr fraglich, bzw. wenn, dann vielleicht zu 0,10 CAD.
Zwischenfazit: Wenn die Bohrung in Block 1711 schief geht (Chance dafür mind. 84%), dann ist die Energulf Aktie mehr oder weniger wertlos.
Weitere Kapitalerhöhungen sind übrigens sowieso unumgänglich:
Die ersten Einnahmen aus einem “operativen” Geschäft (ausser der Ausgabe neuer Aktien, Optionen und Warrants), also einer Ölförderung, falls man was findet, würden laut NSAI Report erst 2014 generiert (!).
Soviel also zu den Aussagen des Energulf Firmenchefs Jeff Greenblum zur finanziellen Stärke von Energulf. Mutig war er ja schon immer, als er zum Beispiel 2005 vollmundig von einem realistischen Kursziel von 100 USD sprach. Den letzten Funken Glaubwürdigkeit hat er seitdem verloren. Richtigerweise hätte er darauf hinweisen müssen, dass man bereits in Kürze frisches Kapital benötigt, weil die Kassen bald leer sind. Hat er das getan? Nein, natürlich nicht. Wer der Firmenchef von Energulf also für seriös hält, hat zumindest eine sehr optimistische Wahrnehmung.
Nur zur Aktienanzahl / aktuellen Bewertung:
Bestand Aktien 30.11.2007: 31.781.410
+ Private Placements: 8.000.000
= Anzahl ausgegebener Aktien: 39.781.410
Aktueller Energulf Kurs in Kanada: 2,61 CAD.
Marktkapitalisierung mindestens: 39.781.410 x 2,61 CAD = 103 Mio. CAD
Die tatsächliche Aktienzahl liegt wohl deutlich höher, und zwar infolge bereits stattgefundener bzw. noch stattfindender Ausübungen von Optionen und Warrants. Dass diese nicht ausgeübt werden, ist äusserst unwahrscheinlich, denn es gibt haufenweise Optionen und Warrants im Centbereich, was für die Optionsinhaber Gewinne von teilweise 500% und mehr bedeutet, warum sollten diejenigen also darauf verzichten? Ich schätze hier wird bereits fleissig abverkauft, und während Energulf daraus nur kleine Betrag zufliessen (aufgrund teilsweise sehr niedriger Optionspreise), erhöht sich die Aktienzahl immer weiter und der Firmenwert verwässert sich.
Zu den nachvollziehbar bereits ausgegebenen Aktien kommen also noch folgende potentiellen zusätzlichen Aktien hinzu:
+ Optionen: 5,022,686
+ Warrants: 7.576.144
+ Warrants aus dem PP: 8.000.000
+ Finders Fees Units: 186.900
+ Finders Fees Warrants: 186.900
= Verwässerte Anzahl Aktien: 60.754.040
Marktkapitalisierung verwässert: 60.754.040 x 2,61 CAD = 158 Mio. CAD
http://www.sedar.com/GetFile.do?lang=EN&docClass=5&issuerNo=00017005&fileName=/csfsprod/data86/filings/01212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdf
http://www.energulf.com/news/01_31_08.pdf
Dass die Börsenbewertung von Energulf bereits sehr amibitioniert ist, liegt auf der Hand. Noch deutlicher wird das allerdings, wenn man sich ansieht, wie andere Firmen den Wert von Block 1711 sehen, und zwar exklatant niedriger:
Universal Power Corp. hat durch die Übernahme der Kunene Energy für einen 2,7%-Anteil Carried Interest am Block 1711 lediglich knapp 1,5 Mio. EUR gezahlt (!), siehe Auswertung der entsprechenden News von Universal Power in der Investment24 Börsenbrief-Ausgabe 2008/065.
Energulf ist trotz des aktuellen Rückgangs (minus 35% seit dem Hoch 2008) immer noch grotesk überbewertet. Das ist keine Kursphantasie, sondern schlichtweg eine absolute Übertreibung jenseits sämtlicher Fundamentaldaten. Rechnet man das Firmenvermögen (ca. 4 Mio. CAD), die Phantasie der aktuellen Bohrung, die ersten zu erwartenden Erlöse im Erfolgsfalle (erst 2014) und weitere notwendige Kapitalerhöhungen (weitere Verwässerung durch Erhöhungen der Aktienzahl) mit ein, dann kommt man meiner Ansicht nach auf eine faire Bewertung von maximal 25-30 Mio. CAD für Energulf, was Kursen zwischen 0,63 und 0,75 CAD (0,39 bis 0,46 €) entspricht. Der verwässerte Kurs würde sogar nur zwischen 0,41 und 0,49 CAD (0,25 bis 0,30 €) liegen.
Diese Bewertung ergibt sich auf der Grundlage der bisher vorliegenden Informationen. Aufgrund mehrerer Fragwürdigkeiten stelle ich die Phantasie bei dieser Aktie sowieso in Frage.
Ungeklärte Fragen:
- Warum hat es fast eineinhalb Jahre bis zur Bohrung gedauert, obwohl das NSAI Gutachten zum Zeitpunkt der Vereinbarung im Oktober 2006 allen fünf Lizenznehmern bereits vorgelegen hat?
- Wie kommt Herr Mulunga (Sintezneftegaz) auf 90%, hat sein Dolmetscher etwas falsch wiedergegeben, oder hat er statt 90% Chance 90% Risiko auf Misserfolg gemeint?
- Was passiert, wenn man nichts findet? Ach ja, man hat ja noch den Kongo… (den man aber nicht mehr finanzieren kann ohne weitere Kapitalerhöhungen)
- Was passiert, wenn man wider allen Wahrscheinlichkeiten doch etwas findet? Eine einzige Bohrung reicht bei weitem nicht. Mit einer einzigen Testbohrung wird man wohl kaum zuverlässig nachweisen können, wie viel Öl oder Gas vorhanden ist, und ob es wirtschaftlich gefördert werden kann. Also sind weitere Bohrungen erforderlich, die aktuelle kostet ja alleine schon fast 80 Mio. CAD (!)
- Wie viele weitere Löcher sind notwendig, um die Resource verlässlich zu klassifizieren?
- Wann bekommt man für mögliche Folgebohrungen das nächste Mal ein Bohrschiff, wieder in eineinhalb Jahren?
- Wenn eine Testbohrung 60 Tage dauert, dauern dann 10 Folgebohrungen 600 Tage? In den 60 Tagen war die Anreise des Schiffs ja ausgeklammert, sondern das scheint die reine Bohrzeit zu sein, die sich bei Folgebohrungen dann ebenfalls ergeben würde.
- Eineinhalb Jahre Wartezeit auf ein Schiff, fast 2 Jahre Bohrzeit, bis die Ressource verlässlich klassifiziert wäre? Also nochmal dreieinhalb Jahres Wartezeit (Ende 2011), bis der eventuelle Wert von Energulf feststeht? Das sind ja tolle Aussichten.
- Wie viele dieser Bohrungen kann Energulf überhaupt finanzieren, mit maximal 4 Mio. Cash nach Abschluss der aktuellen Testbohrung?
- Wenn Energulf Block 1711 nicht mehr finanzieren kann, wer übernimmt die 10% und zu welchem Preis? Wie gesagt, Universal Power Corp. hat durch die Übernahme der Kunene Energy für einen 2,7%-Anteil Carried Interest am Block 1711 lediglich ca. 1,5 Mio. EUR gezahlt
- Wie will sich Energulf bis zum geplanten Produktionsbeginn 2014 ohne Kapitalmaßnahmen am Leben halten, da bis dahin keine Erlöse generiert werden können?
Das eine (!) Bohrloch, das aktuell gebohrt wird, kostet Energulf 7,9 Mio. USD (evtl. plus 0,9 Mio. USD).
Das ist ja wie Schiffe versenken, oder Aktionäre versenken ;-).
Als ob man mit einem Bohrloch eine Ressource bestimmen könnte. Selbst wenn da Öl ODER Gas dort vorhanden sein sollte (Wahrscheinlichkeit gemäss Gutachter max. 16%), bliebe die Frage, wieviel Öl oder Gas da ist, und ob es wirtschaftlich abbaubar wäre.
Um das zu bestimmen, braucht man meiner Ansicht nach 10 Bohrlöcher oder mehr. Dies auch deshalb, weil man sichergehen müsste, dass man nicht ein Mini-Ölfeld angebohrt hat (dafür würde sich eine Tiefseeförderung nicht lohnen), sondern ein Giant Oil Field, wie Energulf es behauptet.
10 Bohrlöcher, wieviel das wohl kosten wird? 10x 7,9 Mio. USD? Energulf hat noch nicht mal Geld für ein zweites Bohrloch.
Daher:
Worst Case (mind. 84% Wahrscheinlichkeit):
Bohrung verläuft negativ = Energulf wertlos
Best Case (max. 16% Wahrscheinlichkeit):
Bohrung verläuft erfolgreich = Energulf muss Folgekosten in Höhe von mind. 50 Mio. USD stemmen.
Wieviele Kapitalerhöhungen wären wohl nötig, und zu welchem Kurs würden diese durchgeführt werden? Die Optimisten behaupten ja immer, wenn das Bohrloch erfolgreich ist, würde Energulf problemlos Geld bekommen.
Falsch!
Das würde lediglich bedeuten, dass da Öl ist, genau an dieser Stelle, mehr auch nicht. Über die Grösse des Ölfeldes sagt das nichts aus! Vor diesem Hintergrund sehe ich Kapitalerhöhungen überhaupt nicht als so leicht an, wie das dargestellt wird.
Das heisst:
Der Worst Case ist beschissen für Energulf-Aktionäre, der Best Case ist aber auch nicht wirklich gut, da er Folgebohrungen und womöglich jahrelange Wartezeit sowie mehrere Kapitalerhöhungen bedeutet, bis man die Ressource klassifizieren könnte. All das wird in den Meldungen von Energulf komplett verschwiegen!
Der Best Case ist also nicht so gut, wie er dargestellt wird, ein einziges Bohrloch ist bei weitem nicht genug, und für eventuelle Folgebohrungen muss Energulf entweder viele Kapitalerhöhungen machen, oder sich aus dem Projekt dann mangels Kapital verabschieden (!), an diese Variante denkt natürlich bisher keiner.
Übrigens: Wenn man statt Öl Gas findet, ist es auch Essig mit dem Best Case. Eine Förderung aus 4.500-5.000 m Tiefe auf die Beine zu stellen, dürfte äusserst kostspielig sein. Ob sich das für Gas lohnt, wage ich zu bezweifeln. Das NSAI Gutachten spricht von max. 16% Wahrscheinlichkeit für Öl ODER Gas. Meiner Ansicht nach spricht das für eine max. 8% Wahrscheinlichkeit (50-50), dass man Öl findet. Da kann ich auch gleich ins Casino gehen.
Falls jemand jetzt argumentiert, dass gleichzeitig doch aber auch überaus grosse Chancen bestehen:
Ach ja, ist das so? Anders als Sintez hat Energulf eine sehr niedrige Kapitaldecke, Kapitalerhöhungen sind daher unausweichlich. Die eventuellen Kurssteigerungen bei einem Ölfund werden durch die notwendigen Kapitalerhöhungen aufgrund der Verwässerung zu einem Teil entsprechend aufgefressen. Wenn sich die Aktienzahl z.B. verdoppelt (um per Kapitalerhöhungen Geld einzunehmen, das man für die Bohrungen braucht), verdoppelt sich die Marktkapitalisierung ebenfalls bereits. Wo da dann noch Platz für die angedachten Kurssteigerungen bleiben soll, ist mir schleierhaft.
Falls es zu einer Kursvervielfachung kommen sollte (mit der die Promoter dieser Aktie den Lemmingen den Mund wässrig machen), dann doch bitteschön erst dann, wenn feststeht,
1. dass es dort überhaupt etwas gibt
2. dass es Öl ist statt Gas
3. dass das Ölfeld eine entsprechende Grösse hat und somit überhaupt wirtschaftlich abbaubar ist.
Das sind 3 Wenns, und schon die Anfangshürde liegt bei einer lediglich ca. 8%igen Chance.
Bis Punkt 3 geklärt, werden schätzungsweise 3 Jahre vergehen, vorausgesetzt die Anfangshürde wird trotz niedriger Chance überhaupt übersprungen.
Was keiner, der Energulf schönredet, überhaupt erwähnt: Selbst wenn die Erstbohrung erfolgreich ist, sagt das wie dargelegt nichts über Grösse usw. aus. Wie soll sich dann also der Kurs vermehrfachen?
Bei einer erfolgreichen Erstbohrung findet vielleicht ein Anstieg um 50% statt, der durch die notwendigen Kapitalerhöhungen dann wahrscheinlich schon wieder aufgefressen wird. Wenn es eine Kursvervielfachung gibt, dann wenn alle 3 Punkte zutreffen (Wahrscheinlichkeit sehr niedrig) und vor allem nach 3 Jahren Wartezeit (!), bis das überhaupt feststeht. Infolge der bis dahin notwendigen Kapitalerhöhungen wird sich die Aktienzahl aber derart stark erhöht haben, dass für eine Kursvermehrfachung überhaupt kein Platz mehr ist, da sich die Marktkapitalisierung bereits durch die gestiegene Aktienzahl stark erhöht hat.
Diejenigen, die diese Aktie schönreden, unterlassen es natürlich, diese ganz Dinge zu erwähnen, was verständlich ist, denn kein klar denkender Mensch würde angesichts dieser Fakten noch in die Aktie investieren, zumal die Realität wie hier erläutert ein ganz anderes Bild von Chance und Risiko ergibt, wie das von den Energulf Pushern dargestellt wird. Die hier dargelegten Dinge sind aber Fakt und mit Quellenangaben belegbar.
Falls Sie investiert sind, Energulf also als Long-Position im Depot haben:
Totalverlust bei nicht erfolgreicher Bohrung (mind. 84% Wahrscheinlichkeit) und vermutliche 50% Kursanstieg bei erfolgreicher Bohrung, falls es Öl ist statt Gas (ca. 8% Wahrscheinlichkeit).
Ist solch ein Investment clever?
Wurden Sie von denjenigen, die Ihnen die Aktie aufgeschwatzt haben (Bullvestor bzw. die Pusher in den Börsenforen) denn über die ganzen hier erläuterten Aspekte auch nur ansatzweise informiert, oder hat man Ihnen das Märchen vom fast sicheren Energulf Ölfund erzählt, der dann sofort zu einer Kursvermehrfachung führen würde?
Fazit:
Der Best Case für Energulf ist erst nach ca. 3 Jahren und mehreren weiteren Hürden überhaupt ein Best Case.
Der wesentlich wahrscheinlichere Worst Case führt zu einer Wertlosigkeit der Aktie.
Die positiven Aussagen von Energulf Managers Jeff Goldblum zur finanziellen Lage Energulfs sind offenbar gelogen. Der bisherige Misserfolg aller von Energulf angegangenen Projekte schafft auch kein Vertrauen. Sieht so eine seriöse Firma aus, der man bei solch grottenschlechtem Chance-Risiko-Verhältnis sein Geld anvertrauen sollte?
Einzig und allein die Projektbeteiligung von Sintez / Sintezneftegaz ist positiv, und darauf wird seitens der Energulf Pusher natürlich ständig herumgeritten. Was allerdings nicht erwähnt wird: Bei einer erfolgreichen Bohrung könnte Sintez die Kosten für die Folgebohrungen aufbringen, Energulf jedoch nicht.
Falls also die Erstbohrung erfolgreich sein sollte, wird Energulf bis zu dem Stadium, bis die Ressource durch mehrere Folgebohrungen klassifiziert worden ist, durch mehrere Kapitalerhöhungen bereits so stark verwässert sein, dass selbst bei gleichbleibendem Kurs durch die stark erhöhte Aktienzahl die Marktkapitalisierung bereits total aufgebläht wäre, was weitere Kurssteigerungen schwierig macht.
Falls dem Best Case bei der Erstbohrung (diese verläuft erfolgreich) also ein Best Case bei den Folgebohrungen folgt (grosses Ölfeld und wirtschaftlich abbaubar), dann ist die MK von Energulf bereits so stark gestiegen durch die Kapitalerhöhungen, dass die von den Energulf-Pushern vorgerechnete Vervielfachung gar nicht stattfinden kann, weil Energulfs Anteil an dem Ölfeld ja nur 10% beträgt, Erträge sogar nur 9,5%.
Chancenbewertung:
a) Worst Case Erstbohrung: Aktie wertlos
b) Best Case Erstbohrung, Worst Case Folgebohrungen (kleines Ölfeld, nicht wirtschaftlich abbaubar): Aktie wertlos
c) Best Case Erstbohrung, Best Case Folgebohrungen: Aktie werthaltig
Wahrscheinlichkeit Variante a) = mind. 84%
Die restlichen 16% Wahrscheinlichkeit teilen sich auf auf Variante b) und c), vorausgesetzt man findet überhaupt etwas und dieses etwas ist dann tatsächlich Öl statt Gas.
Übrigens wurde Variante b) von keinem der Energulf-Schönredner jemals auch nur erwähnt, geschweige denn durchgerechnet.
Zum Verständnis: Wenn ich ein Bohrloch bohre und dort auf Öl stosse, was sagt das bitteschön über die Grösse des Ölfeldes und damit deren wirtschaftliche Abbaubarkeit aus? Für ein kleines Ölfeld wird man bestimmt keine Förderung aus 4.500 m Tiefe bauen, von Bauzeit und Baukosten mal ganz abgesehen. Das ganze Projekt lohnt sich nur bei einem grossen Ölfeld, und eine einzige Testbohrung ist wie eine Nadel im Heuhafen, zum Bestimmen einer Ressourcengrösse ist ein Bohrloch völlig irrelevant, sondern lediglich zur Feststellung, ob dort überhaupt etwas ist und ob Folgebohrungen daher überhaupt Sinn machen.
Also:
Bei der Erstbohrung, nach der die Energulf Pusher starke Kurssteigerungen versprechen, kann es überhaupt nicht um den Beweis für ein Giant Oil Field gehen, wie denn auch.
Für eine letztendliche Beurteilung, ob da ein grosses Ölfeld liegt, braucht man mehrere Bohrlöcher (vermutlich ca. 10, um die Grösse “abzustecken”).
Bis das feststeht, müsste man (Erfolg der einzelnen Bohrungen vorausgesetzt) vermutlich noch mehrere Jahre bohren.
Sintez hat Zeit und Geld, weil die Einnahmen aus anderen Projekten haben, Energulf aber nicht.
Falls es also zu der Kombination aus Best Case Erstbohrung und Best Case Folgebohrungen kommt, dann befinden wir uns vermutlich bereits im Jahre 2011, und die Energulf Aktienzahl hat sich vermehrfacht.
Wo da dann noch die Steigerung des Aktienkurses stattfinden soll, die man den bestehenden Aktionären weissmachen will, würde ich gerne mal wissen.
Die ganzen Argumentationen der Energulf Schönredner zielen auf eine Verdummung der Anleger, anders kann man es nicht ausdrücken.
Gesamtfazit:
Meiner Ansicht nach Abzocke, denn die Risiken werden vom Unternehmen und dessen Pushern komplett verschwiegen.
Der Zeitfaktor für den Best Case (vermutlich erst 2011) wird ebenfalls verschwiegen. Statt dessen will man den Aktionären weismachen, sie würden mit dieser Aktie sofort nach Abschluss der Erstbohrung von sage und schreibe einem Bohrloch bereits reich werden.
Insbesondere halte ich alle, die diese Aktie pushen, für höchst unseriös (vermutlich wollen sie nur ihre eigenen Aktien noch rechtzeitig loswerden), denn die hier genannten Negativ-Aspekte werden grundlegend verschwiegen.
Falls die Erstbohrung überhaupt erfolgreich ist (ansonsten wäre Energulf ohnehin wertlos), dann gibt es eine UNBEDINGTE Erfordernis von Folgebohrungen, um Grösse und Wirtschaftlichkeit festzustellen und damit eine UNBEDINGTE Erfordernis von Kapitalerhöhungen, da Energulf nach Abschluss der Erstbohrung kaum noch Kapital hat.
Trotz des Kursrückganges hat Energulf auch jetzt noch eine verwässerte Marktkapitalisierung von 158 Mio. CAD, also ca. 100 Mio. EUR.
Für eine 16%-Chance auf die unbedingte Erfordernis von Folgebohrungen und die unbedingte Erfordernis von Kapitalerhöhungen ist das absolut grotesk hoch und eine Überbewertung sondergleichen.
Hierzu passt auch die bereits erwähnte Tatsache, dass im Februar 2008 ein 2.7%-Anteil am Block 1711 für lediglich ca. 1,5 Mio. EUR. den Besitzer gewechselt hat.
Hochgerechnet auf 10% ergibt das 5.5 Mio. EUR Wert.
Wieso Energulf an der Börse also immer noch mit 100 Mio. EUR bewertet ist, ist mir schleierhaft.
Empfehlung an diejenigen, die bisher noch an das Energulf Märchen glauben:
Jedem Aktionär, der diese Aktie als Longposition in seinem Depot hat und bisher noch an das Märchen einer Kursvervielfachung glaubt, würde ich empfehlen, die Chancen und Risiken auf Basis dieser Infos hier mal objektiv durchzurechnen.
Dass die Aktie noch lange so hoch bewertet ist, wage ich zu bezweifeln, denn die Bohrungen dauern noch ca. 6 Wochen und in der Zeit werden viele Anleger sicherlich Kasse machen, was ich übrigens schon lange getan hätte, falls ich so ein Luftschloss als Longposition im Depot hätte.
Wer angesichts einer nur max. 16%igen Chance auf Überspringung der ersten Hürde (von den weiteren ganz zu schweigen) seine kompletten Aktien bis zum Ergebnis der Erstbohrung hält, der kann auch gleich im Casino beim Roulette alles auf die 16 setzen, bitte dann aber nicht beschweren, wenn es schief geht. Von “rein theoretisch hätte man ja auch reich werden können” kann man sich nichts kaufen, das gilt auch für diese Aktie!
Auch den grössten Optimisten empfehle ich daher, zumindest einen Teil (Hälfte oder mehr) der Energulf Aktien verkaufen, allein um das Risiko zu minimieren. Wer das nicht tut, riskiert mit mindestens 84%iger Wahrscheinlichkeit einen Totalverlust und darf sich dann aber auch wirklich nicht beschweren, denn Dummheit und Überoptimismus werden an der Börse nun mal bestraft.
Ich empfehle also einen Verkauf oder zumindest Teilverkauf, und zwar noch bevor in Kürze mal wieder Haltefristen auslaufen, zumal noch etliche Aktien und Optionen im Umlauf sind, die im Cent-Bereich erworben wurden.
Spätestens dann, wenn diese Stücke auf den Markt kommen, dürfte das Energulf Märchen anhand des Kursverlaufes ausgeträumt sein…
Grüsse,
Ihr
Bernd M. Otto
Investment24 AG
Kommentar von Nico Popp — 21. April 2008 @ 14:59