Rezension: „Genial einfach investieren“ von Martin Weber



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für 24,90 Euro Versandkostenfrei. Zum Bestellen Bild anklicken!„Genial einfach investieren. Mehr müssen Sie nicht wissen – das aber unbedingt!“

Sind Sie schon lange mit Ihrer Geldanlage unzufrieden und möchten gern erfolgreicher investieren? Probieren Sie gewöhnlich brandheiß empfohlene Strategien aus den Fachmedien aus? Alles nichtig: Auf Dauer schaffe es keine noch so mühevoll erarbeitete Anlagestrategie eines Hobbybörsianers, den Markt zu schlagen, schreibt Professor Martin Weber in „Genial einfach investieren„. Schade eigentlich. Ich war so voller Hoffnung. Etablierte Glaubenssätze zerpflückt Weber mittels wissenschaftlicher Methoden und führt sie ad absurdum. Dabei werden eine Vielzahl Studien internationaler Wissenschaftler herangezogen.

Chartanalyse ist in diesem Buch kein Thema. Sie wird sogar in die Ecke „unseriös“ gestellt, was ganz bestimmt bei einigen Lesern Widerspruch hervorrufen wird. In seinem Buch stellt Weber die drei Hauptmethoden der Finanzwirtschaft vor, indem er jede für sich und in ihrem Zusammenwirken betrachtet.

Die mathematisch fundierte Finanzmarkttheorie forscht anhand von Modellen nach der optimalen Anlage. Studien versuchen hier mittels Wahrscheinlichkeitsrechnungen und -schätzungen der Teilnehmer, Fehlentscheidungen hinsichtlich des Risikos einer Anlageentscheidung zu ermitteln.

Die zweite Hauptmethode ist die Behavioral Finance. Diese untersucht das oft irrationale Handeln des Anlegers und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Portfolio, denn kognitive Verzerrungen schmälern den Anlageerfolg. Anleger überschätzen sich häufig. Innerlich lächeln musste ich über eine Studie, die belegen soll, dass Finanzprofis sogar häufiger falsche Prognosen abgeben als Laien. Die „Wissensillusion“, wie die Wissenschaft das Phänomen nennt, führt bei Experten häufig zu schlechteren Einschätzungen, da der Blick fürs Wesentliche fehlt.

Ein großes Thema der Behavioral Finance ist die Altersvorsorge. Nach der Lebenszyklustheorie der Neoklassiker werde zum Zwecke der Konsumglättung gespart. Die Psychologen erweitern die Theorie um die Verhaltenskomponente. Verhaltensmodelle kämpfen jedoch mit der Schwierigkeit, nie hundertprozentig praxisnah sein zu können. Zukunftsunsicherheiten, wie die Entwicklung von Einkommen und Lebensdauer, sind aber modellhaft eingebaut. Es entstand daraus das Behavioral-Life-Cycle-Modell. Hochinteressant zu lesen. Frei nach „zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“ gebe es stets den Interessenkonflikt zwischen „So viel wie möglich jetzt konsumieren“ und „für den Konsum im Rentenalter vorsorgen“. Der Autor empfiehlt, im Rentenalter einen automatischen Auszahlungsplan zu verwenden, damit die Sparer auch selbst in den Genuss des Vermögens kommen, und nicht erst die Erben.

Die dritte vorgestellte Methode ist die Empirische Forschung. Diese deckt schließlich anhand von Marktdaten signifikante oder geringe Zusammenhänge bei Entwicklungen auf. Bemerkenswert sind die angeführten Studien, die eine Korrelation zwischen der Entwicklung von Arbeitseinkommen und Aktienrenditen untersuchen.

Grundsätzlich soll der Anleger eine Aufstellung seiner gesamten Vermögenspositionen und der künftigen Ein- und Auszahlungen fertigen, die Korrelationen ermitteln, diversifizieren und dann seine Anlageentscheidungen treffen ohne häufig hin und her zu springen. Denn ständige Verkäufe und erneute Anlagen führen zu hohen Transaktionskosten und verbrauchen viel Zeit für die Recherche, so dass letztlich der erhöhte Aufwand doch keine Zusatzgewinne bringe, so der Autor. Neben den Hauptmethoden der Finanzwirtschaft erläutert das Buch das theoretisch optimale Portfolio und den so genannten effizienten Rand anhand der Portfoliotheorie.

Fazit: Insgesamt ein herausragendes Buch. Es ist ein Grundsatzbuch, enthält also keine konkreten Anweisung. Es vermittelt Theorie. Der Autor beansprucht mit diesem Buch, einen Beitrag zur finanziellen Allgemeinbildung des Lesers zu leisten. „Genial einfach investieren“ hat mein Anlageverhalten auf der Metaebene tiefgreifend verändert. Es rückt Aspekte in den Fokus, die ich bisher bei der Risikowahrnehmung und Streuung außer Acht gelassen habe und macht mich in meinen Entscheidungen sicherer. Ich differenziere Informationen mehr und setze nicht gutgläubig so genannte Expertenempfehlungen um. Der Preis von 24,90 Euro für 228 Seiten anspruchsvolle (!) Fachliteratur ist nicht zu viel bezahlt. Sehr zu empfehlen.


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