Gold ist in aller Munde: Interview mit dem Edelmetall-Experten Hannes Huster


Hannes Huster

Hannes Huster betreibt den Börsenbrief „Der Goldreport“ und hat sich ausschließlich auf Edelmetallaktien spezialisiert. Durch seine Gastbeiträge über australische Explorer und Juniorproduzenten schätzen auch viele Aktien-Blog-Leser seine Expertise. Über Investments in Edelmetalle, Besonderheiten bei Explorationsunternehmen und die jüngste Entwicklung bei Gold befragte Nico Popp den Edelmetall-Experten.

Aktien-Blog: Sie betreiben mit dem „Goldreport“ einen Börsenbrief, der sich in erster Linie an Edelmetall-Investoren richtet. Wie würden Sie Edelmetalle in einem ausgewogenen Depot derzeit gewichten?

Hannes Huster: Hier kommt es natürlich in erster Linie auf die persönliche Risikoaversion des Investors an. Die Regel besagt einen Anteil von zehn bis zwanzig Prozent, allerdings halte ich im aktuellen Marktumfeld einen Anteil von bis zu 50 Prozent im Edelmetallsektor für durchaus vertretbar. Dies mag zwar für viele Leser etwas hoch angesetzt klingen, doch aufgrund der derzeitigen Rahmendaten halte ich dies für gerechtfertigt. Innerhalb dieser 50 Prozent kann dann je nach Risikoneigung eine Aufteilung zwischen physischen Edelmetallen und Aktien aus dem Bergbausektor vorgenommen werden.

Aktien-Blog: Wieso sind Edelmetalle in Ihren Augen so lukrativ und welche Argumente sprechen dafür, dass auch Kleinsparer, die einen niedrigen 5-stelligen Betrag verwalten, sich mit dem Thema Edelmetalle befassen sollten?

Hannes Huster: Das Hauptargument für Investitionen im Edelmetallsektor sind unsere Inflationserwartungen für die kommenden Jahre. Die weltweite Niedrigzinspolitik, die massive Flutung der Märkte mit neuem Papiergeld und die aufgelegten (nicht mehr rückzahlbaren) Konjunkturprogramme müssen über kurz oder lang zu einer Inflation führen; was letztendlich nichts anderes als Kaufkraftverlust und Entwertung von Geldvermögen bedeutet.

Hier ist es dann egal, ob der Anleger einen Betrag von 10.000 Euro oder 1 Milliarde Euro verwaltet. Wenn die Inflation einsetzt, wird falsch positioniertes Kapital welches zum Beispiel in Anleihen, Sparkonten, Festgeldern usw. angelegt ist, deutlich an Kaufkraft verlieren. Der Schutz vor dieser Geldentwertung trifft jeden und deshalb sehen wir den Sektor der Edelmetalle als so substanziell an.

Aktien-Blog: Welche Rohstoffe sind außer Gold, Silber und anderen Edelmetallen interessant?

Hannes Huster: Da wir in den kommenden Jahren von einer starken Inflation ausgehen, werden Sachwerte grundsätzlich ein besseres Investment als Geldwerte darstellen. Die Entwicklung einzelner Rohstoffklassen wird stark von den auftretenden Zyklen abhängen und hier sollte von Fall zu Fall ein Investment überdacht werden. Grundsätzlich sehe ich aber Investoren im Gold- und Silbersektor als die Gewinner der kommenden Jahre an.

Aktien-Blog: Den Lesern von Aktien-Blog haben Sie in den vergangenen Monaten mit Matsa Resources, Focus Minerals oder Bass Metals ausschließlich in Australien tätige Gesellschaften vorgestellt. Was macht dieses Land für Gold- und Silberinvestoren so interessant?

Hannes Huster: Das ist richtig. Wir konzentrieren uns mit unserem Börsendienst seit Anfang 2009 mehr und mehr auf Unternehmen aus Australien. Hierfür sind auch einige Gründe zu nennen. Zum einen ist Australien natürlich für seine Historie im Bergbau bekannt, das Know-How der Unternehmen ist sehr hoch und die minenfreundliche Regierung sollte ebenfalls nicht vergessen werden. Gleiches gilt natürlich auch meist für Unternehmen aus Nordamerika, doch der entscheidende Unterschied sind meiner Meinung nach die Bewertungsabschläge bei den australischen Unternehmen.

Wären einige der erwähnten Firmen in Nordamerika gelistet, so würden sie wahrscheinlich mit dem doppelten und dreifachen Firmenwert gehandelt wie aktuell.

Ich sehe also einen deutlichen Nachholbedarf bei vielen Minenunternehmen im Vergleich zu den nordamerikanischen Mitbewerbern und gleichzeitig weniger Risiko für die Investoren.

Aktien-Blog: Viele Explorer standen in Zeiten der Kreditklemme vor der Pleite. Worauf sollten Anleger achten, um bei Investments in Explorer das Risiko einer Insolvenz oder einer Verwässerung des Aktienbestandes durch eine Kapitalerhöhung zu minimieren?

Hannes Huster: Glücklicherweise hat sich die Situation in den vergangenen Monaten wieder entspannt und auch kleine Explorationsunternehmen sind aktuell wieder in der Lage, Kapital mittels Privatplatzierungen zu vernünftigen Kursen einzusammeln. Es gibt viele entscheidende Faktoren die geprüft werden müssen und dennoch bleibt immer ein gewisses Restrisiko. Ein gutes Explorationsunternehmen wird aber nie bis zur letzten Sekunde warten, um Kapital aufzunehmen, sondern es dann einsammeln, wenn es die Möglichkeit dazu hat!

Aktien-Blog: Was raten Sie Anlegern, die kategorisch nicht in Goldexplorer investieren wollen? Sind Aktien einzelner großer Goldproduzenten, Fonds oder ETFs die bessere Wahl?

Hannes Huster: Um sich vor der kommenden Inflation zu schützen muss der Anleger nicht zwangsläufig in Explorationsunternehmen investieren. Diese bieten zwar grundsätzlich den besten Hebel in einer Edelmetallhausse aber natürlich auch das höchste Risiko. Wir sehen aktuell bei vielen mittelgroßen Goldproduzenten die größten Kurschancen. Diese sind werden teilweise noch weit unter den fairen Bewertungsniveaus gehandelt und zudem rechnen wir verstärkt mit Übernahmen der mittelgroßen Produzenten durch größere Minenunternehmen.

Auch mit großen Goldproduzenten wird in den nächsten Jahren Geld verdienen zu sein. Allerdings sollte sich der Investor das Unternehmen genau ansehen und Produzenten mit hohen Leerverkaufspositionen unbedingt meiden! Fonds die in Minenunternehmen investieren sind hier sicherlich eine gute Alternative, besonders aus dem Gesichtspunkt der Risikostreuung. Eine weitere Möglichkeit sind Zertifikate auf die bekannten Minenindizes.

Aktien-Blog: Aus gegebenem Anlass die wichtigste Fragen zum Schluss: Wohin wird der jüngste Ausbruch des Goldpreises führen? Haben die viel zitierten Goldpreisdrücker den Kampf verloren oder ist das nur eine Verschwörungstheorie?

Hannes Huster: Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.045 USD je Unze und damit über den letzten Höchstständen. Technisch betrachtet konnte der Goldpreis aus einer lange ausgebildeten umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter Formation nach oben ausbrechen und ein Anstieg auf 1.100 USD bis 1.150 USD scheint kurzfristig möglich.

Wir vom Goldreport halten nicht viel von all den Verschwörungstheorien die am Markt regelmäßig die Runde machen. Ein steigender Goldpreis drückt aber klar aus, dass Investoren verstärkt auf die Werterhaltung des Vermögens setzen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass das Vertrauen in die Papiergeldmärkte verloren geht. Diese Tatsache wird selbstverständlich von keiner Regierung oder Notenbank gerne gesehen.

Fundamental betrachtet spricht vieles für einen weiter steigenden Goldpreis in den kommenden Jahren:

  1. Die weltweite Goldproduktion fällt seit Jahren deutlich

  2. Durch die Finanzkrise gibt es erhebliche Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Projekte

  3. Auf der Nachfrageseite sehen wir einen sich weiter beschleunigenden Trend bei der Investmentnachfrage bei Gold.

Kurzfristig sind nur noch die hohen Shortbestände der Commercials an der Terminbörse Comex ein Warnsignal. Diese haben sich mit dem Anstieg bei Gold in den letzten Wochen deutlich erhöht und traditionell bedeuten Rekordshortbestände der Commercials oft kurzfristige Wendepunkte. Allerdings muss man hierzu die neuesten Entwicklungen analysieren, da es mit dem letzten Ausbruch durchaus auch zu Eindeckungen gekommen sein könnte.

Aktien-Blog: Vielen Dank für das interessante Gespräch!


Oktober 7, 2009

3 Gedanken zu „Gold ist in aller Munde: Interview mit dem Edelmetall-Experten Hannes Huster

  1. Timfred

    Wirklich interessant. Mal kein hätte, wäre wenn sondern klare Worte eines Goldbullen. Werde mir auch die erwähnten Gesellschaften asus Australien mal angucken!

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  2. M. Bittrich

    Das muss er mir erklären „doch aufgrund der derzeitigen Rahmendaten halte ich dies für gerechtfertigt“
    (Hyper)Inflation bedeutet Liquidität bedeutet steigende Aktienmärkte, und das nachhaltig. Wo liegt die Motivation, da noch Gold zu halten? Ich fliege zweimal die Woche über Deutschland und dabei gewinnt man prächtige Einsichten: Es gibt unglaubliche Mengen Ackerland! Keine Petrodollars mehr, um die Trecker mit Benzin zu befüllen? Unsinn! Darüber hinaus haben wir die besten Ingenieure der Welt – was soll also passieren (außer der Islamisierung..)? Ich halte sämtliches Gewinsel mit Gold, Krise & Co für Selbstdarstellung von Antizyklikern, die sich wundern, warum Deutschland nicht endlich zusammenbricht.
    Dass außer einigen verwirrten Protestwählern keiner Zustände haben will, die weltweit in allen sozialistischen Ländern herrschen, ist eine Beibehaltung der Finanzmarkt-Mechanismen unabdingbar. Wir haben kein 1923, wir sind durchtechnisiert, können stabile Mehrheiten in der Politik bilden und mehr als komplett pleite sind wir auch nicht. Die Krise mag für Schwellenländer in Asien ohne Infrastruktur und voller Koruption ein Problem sein, für uns in Deutschland ist es nur eine Marktschwankung.

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  3. Helling

    was haltet Ihr davon ?

    Gold bei 2000 USD laut Jim Rogers
    Der Goldpreis könnte innerhalb der nächsten zehn Jahre die Marke von 2.000 USD je Unze übertreffen.
    Jim Rogers sprach auf einer Konferenz der ETF Securities in New York und sagte dort, dass der Goldpreis weiter steigen werde, getrieben von der Notwendigkeit der Absicherung gegenüber dem schwachen US Dollar.
    Der US Dollar sei eine “schrecklich brüchige” Währung, so Rogers. Er führte fort:
    “Die Auslandsverschuldung steigt jedes Jahr rapide an und ich glaube nicht, dass Washington dies interessiert.”
    Rogers rechnet auch mit einem weiteren Anstieg der Preise für Öl, Zucker und Kupfer, da die Nachfrage steige, das Angebot aber verknappe…

    weiter auch bei http://www.etf-indexfonds.de/2009/10/10/jim-rogers-gold-in-zehn-jahren-bei-2-000-usd/

    ETFtrader

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