Gordon Grundler: „Immobilienmarkt wird für Privatanleger zunehmend unübersichtlich“


Marktkenner Gordon Grundler: Die richtige Immobilie zu finden, wird zunehmend schwer (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

Marktkenner Gordon Grundler: Die richtige Immobilie zu finden, wird zunehmend schwer (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

2015 sind in deutsche Immobilien 219,4 Milliarden Euro investiert worden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung durch den Immobilienverband IVD im Jahr 1988. Jürgen Michael Schick, Präsident des Verbandes, führt die Attraktivität deutscher Immobilien auf die solide ökonomische Entwicklung Deutschlands und die Krisen in der Welt zurück. Immobilien nähmen daher die Funktion sicherer Häfen ein. Obwohl die jüngsten Zahlen des IVD in der Branche für Freude sorgen, sehen Immobilienexperten auch eine Schattenseite. „Nachdem nun schon über Jahre Kapital in deutsche Immobilien geflossen ist, wird es für Privatanleger zunehmend schwer, die schwindende Zahl attraktiver Immobilien zu identifizieren“, sagt Gordon Grundler, Vorstandsmitglied des Mannheimer Immobilieninvestors Primus Valor.

Grundler hat sich mit seinem Team bereits 2007 auf eine Nische am deutschen Immobilienmarkt spezialisiert. Statt in Berlin oder Hamburg, investieren die Mannheimer Immobilienentwickler lieber in Städten wie Fulda oder Jena. „Gerade in Deutschland gibt es eine ganze Reihe interessanter Immobilienstandorte in der zweiten Reihe. Universitätsstädte oder Städte, in denen Industrie angesiedelt ist, verfügen oftmals über eine gute Infrastruktur und bieten darüber hinaus eine gute Wohnqualität. Da die Menschen zu den Jobs ziehen, können Investoren von einer konstanten Nachfrage nach Wohnraum in Mittelzentren profitieren“, erklärt Gordon Grundler von Primus Valor.

Gordon Grundler: „Profi-Investoren machen den Markt unter sich aus“

Ob eine Lage attraktiv ist oder nicht, könnten Laien oftmals nicht erkennen. „Potenzielle Mieter achten heute neben einer soliden Ausstattung eines Objekts auch auf die Infrastruktur. Die Nähe zu Schulen oder Kindergärten kann für junge Familien ausschlaggebend sein. Die Alterung der Gesellschaft wirft zudem Fragen nach leicht erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten oder dem Fahrstuhl im Treppenhaus auf“, berichtet Grundler. Wer eine Immobilie kaufen wolle, solle darüber hinaus darauf achten, dass das Gemeinschaftseigentum – also Dach, Fassade und Fenster – in einem guten Zustand ist. Insbesondere die Ökobilanz spiele im Zuge langfristig steigender Energiekosten eine immer bedeutendere Rolle. „Potenzielle Mieter achten zunehmend darauf, dass eine Immobilie wirtschaftlich betrieben werden kann. Eine ordentliche Isolierung ist dafür Voraussetzung“, so das Vorstandsmitglied des Emissionshauses Primus Valor.

Der Immobilieninvestor berichtet weiterhin, dass viele attraktive Immobilien für Privatanleger heute überhaupt nicht mehr verfügbar seien. „Qualität wird heute in der Regel von professionellen Investoren in Paketen aus mehreren Wohneinheiten veräußert. Es ist als Privater zunehmend schwer, eine Wohnung zu finden, die wirklich lukrativ ist“, findet Gordon Grundler. Weiterhin stünden Privatanlegern nicht die Informationen zur Verfügung, wie sie viele professionelle Anleger haben. Spezielle Datenbanken lassen Rückschlüsse über die Qualität der Lage zu und der geschulte Blick von Fachleuten offenbart manch einen Mangel an der Bausubstanz.

Beim Preis nicht unter Druck setzen lassen

Dennoch sollten Anleger der Anlageklasse der Immobilien nicht den Rücken zukehren. Wer gezielt in Objekte in Städten mit einer geringen Arbeitslosenquote und einer hohen Lebensqualität investiere, sei schon fast auf der sicheren Seite. Ist eine Immobilie aufgrund von Substanz und Lage interessant, müsse nur noch der Preis stimmen. „Beim Preis sollten Anleger Querverbindungen zu ähnlichen Objekten herstellen und sich nicht unter Druck setzen lassen. Der Kauf einer Immobilie will wohl überlegt sein. Insbesondere in einem zunehmend gesättigten Markt“, mahnt Gordon Grundler.


Februar 20, 2016

3 Gedanken zu „Gordon Grundler: „Immobilienmarkt wird für Privatanleger zunehmend unübersichtlich“

  1. Dieter

    Der Immobilienmarkt ist eng. Wenn das schon ein Experte wie der Herr Grundler zugibt, wird etwas dran sein. Profi-Investoren profitieren ja davon, wenn ein Markt eng ist. Um so besser, dass es hier noch ein paar Tipps gibt. Ob diese Tipps in München oder anderen Großstädten aber was bringen? Dort findet man eigentlich kein gescheites Haus mehr. Bis 500.000 ist alles vom schlechter Qualität oder aber man konkurriert mit 10 anderen…

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  2. Pingback: Imobilieninvestor Gordon Grundler im Interview bei derbwler.de | derbwler.de |

  3. nick

    Gordon Grundler hat recht! Wer beim Einkauf Fehler macht, schleppt diese Fehler werden der gesamten Investitionszeit mit sich herum! Gerade bei Einfamilienhäusern und Wohnungen ist der Markt sehr eng. Wer jetzt zu viel zahlt, kommt auch auf Jahre nicht auf die erhoffte Rendite. Dann lieber Experten ins Boot holen. Ich selbst habe den Fall in der Verwandtschaft: Wohnung teuer gekauft und jetzt Probleme, das Objekt an geeignete Mieter zu vermieten. Jeder Monat Leerstand kostet Rendite!

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