Griechenland-Rettung: Warum das Wiener Modell kein fauler Kompromiss ist


Rettung nach dem Wiener Modell? Merkel und Sarkozy geben Verantwortung an die EZB abBundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy haben heute in Berlin einen Meilenstein auf dem beschwerlichen Weg der Euro-Rettung erreicht. Die Streitfrage, ob private Gläubiger denn nun am Hilfspaket für Griechenland beteiligt werden sollen oder nicht, trennte die beiden bis heute Mittag. Während Deutschland Banken und Versicherungen in die Pflicht nehmen wollte und damit versuchte, der öffentlichen Meinung möglichst gerecht zu werden, sorgten sich die Franzosen um ihre Banken, die noch immer tief im griechischen Anleihe-Sumpf stecken. Nun haben beide Parteien scheinbar eine Lösung gefunden: Private Gläubiger Griechenlands werden an der Rettungsaktion beteiligt – sofern sie denn wollen.

Das entscheidende Wort nach der Einigung zwischen Merkel und Sarkozy lautet „Freiwilligkeit“. Nur Banken, die scheinbar entgegen ihres Prinzips der möglichst risikoarmen Geldvermehrung ihre alten Staatsanleihen in neue Schuldscheine mit längerer Laufzeit tauschen wollen, machen mit. Findet sich ein solcher Club der Freiwilligen ein, muss die Europäische Zentralbank (EZB) die ganze Prozedur zusätzlich absegnen. Ohne das Okay der EZB werden Private nicht beteiligt. Mit diesen Bedingungen – von Experten wissend „Wiener Modell“ genannt – wollen die Entscheider innerhalb der Währungsunion eine mögliche finanzielle Kettenreaktion nach einer Beteiligung privater Gläubiger an der zweiten Griechenland-Rettung verhindern.

Allein der Zeitgewinn ist ein Erfolg

Tatsächlich betonte die Ratingagentur Fitch erst gestern, dass die Rettung des Mittelmeerstaats nach dem Wiener Modell bei betroffenen Anleihen nicht zu einer Herabstufung der Bonitätsnote führen werde. Glaubiger könnten Hellas-Anleihen also auch weiterhin gegen Bares bei der EZB als Sicherheit hinterlegen. Bleibt nur die Frage: Welchen Nutzen hat eine freiwillige Beteiligung von Banken und Versicherungen überhaupt? Bleiben die Renditen der neuen Papiere wie angekündigt auf dem bisherigen Niveau, werden wohl nur wenige Banken ihre persönliche griechische Tragödie verlängern wollen. Finden sich trotzdem Freiwillige, kann die EZB das Wiener Modell immer noch begraben – je nachdem wie die Märkte die konkreten Pläne für die Hellas-Rettung à la Vienne bis dahin aufgenommen haben.

Unterm Strich bleibt nach dem Kompromiss von Berlin ein Zeitgewinn. Wie Griechenland finanziell überlebt – ob mit Hilfe privater Gläubiger oder ohne – ist auch nach dem Treffen zwischen Merkel und Sarkozy nicht entschieden. Dass die Eurozone in ihrer jetzigen Form bestehen bleibt, ist dagegen klar: Mit der Einigkeit zwischen Deutschland und Frankreich ist eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen. Das ist die eigentlich gute Nachricht.


Juni 17, 2011

3 Gedanken zu „Griechenland-Rettung: Warum das Wiener Modell kein fauler Kompromiss ist

  1. M. Bittrich

    Abgesehen von der allseits beweisbaren (nicht nur gefühlten) Preissteigerung von 50-100% seit Einführung des Euros ist dieser jedoch inflationsstabiler als es die D-Mark ein Großteil ihrer Zeit war.

    Der Euro selber wird zusammen mit dem Dollar und dem chinesischen Renminbi einen Großteil der Welt in den nächsten Jahrzehnten dominieren, daran besteht für mich kein Zweifel. Der Euro muss also nicht gerettet werden, wir haben lediglich einige jämmerlich schwache Volkswirtschaften in der EU, deren Haushalt indiskutabel war, ist und sein wird, solange dort keine Technologieparks/-städte nach chinesischem Vorbild etabliert werden, was ich allerdings mangels Fachkräften zu bezweifeln wage.

    Die Lebenserwartung eines Griechen liegt 10-15 Jahre unter unserer. Nur zu verständlich, dass die Personen dort nicht bis 60 oder 65 arbeiten wollen, weil sie dann schon statistisch tot sind. Wir allerdings, ebenso wie die jetzt randalierenden Tschechen & Co, denken gar nicht daran, bis 70 zu arbeiten und denen noch ihre Frührente ab 50 oder 55 zu finanzieren.

    Also gibt es nur EIN Fazit: Raus mit ihnen! Eigene Währung, diese abwerten, bis man z.B. touristisch konkurrenzfähig zur Türkei ist und dann haben alle ihre Ruhe. Aber nein, unser Volksvermögen wird vom Kleptokratenpack im fortgesetzten schweren Betrug und in Rekordgeschwindigkeit verjubelt. Glauben die ernsthaft, die nachfolgenden Generationen bauen ihnen noch Denkmäler für ihr Versagen?

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  2. pater tenebrarum

    Das mit Fitch is so nicht ganz richtig – ich zitiere von einem Reuters artikel von heute morgen:

    Those concerns were reflected in comments from credit agency Fitch, which said on Wednesday it would likely view a Vienna-type Greek debt plan as a distressed debt exchange, leading to a ratings cut.
    „Assuming there is an announcement of the Vienna Initiative ahead of the pre-commitment formalities being completed, Fitch would likely downgrade (Greece) … to ‚C‘ at this time, reflecting an imminent default event,“ it said in a statement.

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  3. Nico Popp Beitragsautor

    Das Zitat stimmt, meine Ausführung oben aber auch da Sie sich auf die Anleihen beziehen. Dazu das Zitat aus der FTD: „…Gläubigerbeteiligung nach Vorbild der „Wiener Initiative“ die Kreditwürdigkeit Griechenlands zwar auf die Zahlungsausfallstufe „RD“ („Restricted Default“) senken würden. Allerdings wären die Anleihen selbst davon nicht betroffen, sie würden wohl mit „CCC“ bewertet.“

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:euro-krise-fitch-zeigt-weg-zu-griechen-hilfen/60065652.html

    Die Formulierung „keine Herabstufung auf ein Niveau, das einer Pleite gleichkommt“, wäre aber wohl noch treffender gewesen.

    Danke fürs genaue Lesen!

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