Von weitem winkt das Inflationsgespenst: Niedrige Leitzinsen setzen Dollar unter Druck


Der Euro legt gegenüber dem Dollar kräftig zuDie Reaktion der Aktienmärkte auf die US-Leitzinssenkung könnte unterschiedlicher kaum sein: Nachdem die US-Investoren den Zinsschritt gestern noch feierten, machte sich in Japan leichte Skepsis breit. In Deutschland sackte der Dax nach anfänglichen Gewinnen rund 1,6 Prozent ins Minus und notiert aktuell um 4650 Punkte. Unter Anlegern steigt zunehmend die Sorge über das riskante Spiel der US-Notenbank Fed: Einerseits haben die Währungshüter mit einem Zinsniveau zwischen 0 und 0,25 Prozent faktisch ihr Pulver verschossen, andererseits zeigen die drastischen Maßnahmen das ganze Ausmaß der Finanzkrise.

Neben der Leitzinssenkung hat die Fed angekündigt, die zusammengebrochenen Kreditmärkte durch eigene Käufe stützen zu wollen. Die damit verbundene Geldmengenausweitung sorgt nach Ansicht von Experten langfristig für steigende Inflationsraten, was wiederum für eine Entwertung des US-Dollars und somit der stark angestiegenen Staatsschulden der USA sorgen würde.

Aus Sicht der politischen Entscheidungsträger passt also alles zusammen. Die Zeche für die US-Geldpolitik zahlen dagegen sämtliche Anleger, die ihr Geld in US-Dollar geparkt haben. Nicht umsonst hat der Dollar gegenüber dem Euro binnen eines Monats fast zwölf Prozent an Wert eingebüßt, nachdem er zuvor in Folge der Flucht der Investoren aus Aktien und Rohstoffen deutlich zulegen konnte.


Aktien-Info

CROSS RATE EUR/USD
WKN: 965275
ISIN: EU0009652759

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.
Dezember 17, 2008

3 Gedanken zu „Von weitem winkt das Inflationsgespenst: Niedrige Leitzinsen setzen Dollar unter Druck

  1. M. Bittrich

    „Leichte Skepsis“ … es mutet schon seltsam an, diese Zinssenkung mit Kursaufschlägen zu quittieren. Man steuert freudestrahlend auf ein neues Japan zu, also hat der Dow sofort 1-2000 Punkte nachzugeben. Die mittlerweile Billionen an Luftgeld fliegen uns eher früher als später um die Ohren, denn wie gewohnt gibt es keinen realen Gegenwert. Die Realwirtschaft kann über Steuern nicht annährend genug erwirtschaften und der Staat mit seinen paar Leistungen erst recht nichts bewegen.
    Bedeutet: Die Banken leihen Luftgeld aus, prima. Zusätzlich leihen sie Geld aus, für das sie keine Reserven haben, noch besser, also Luftgeld + Luftkredite. Mehr verleihen als zu haben, ruft bei Schneeball-Modellen immer den Staatsanwalt auf den Plan, nicht so bei Banken und bei der Rentenversicherung. Und: Fast alle Banken werden wegen Abschreibungen auf Massen an faulen Krediten auf lange Zeit hin kaum Eigenkapital haben, was den Kollaps vieler auf Kredite (schlimm genug!) angewiesener Mittelständler bedeuten muss.

    Und: Diese Lufgelder verwässern die Kaufkraft von uns allen und erhöhen die Preise. Es wird seit Jahrzehnten als nett und hübsch akzeptiert, dass D-Mark und Euro – der in Rekordzeit rund 50% (!) seiner Kaufkraft eingebüßt hat – vor sich hin schwächeln und die breite Masse der Bürger systematisch verarmen. Will ich heute sorgenfrei leben, brauche ich drei Millionen Euro. Wenn dieses Sümmchen aber in 25 Jahren seine Funktion noch erfüllen soll, brauche ich also bis dahin rund 6 Millionen, das sind die Fakten der tollen Inflation. Ganz zu schweigen vom betrügerischen Inflationskorb der Regierung. Die Börsen-Zeitung hatte zu diesem Thema ein lange Serie im Programm, in der Experten viele Systemfehler und fehlenden Messgrößen beschrieben, was höchst aufschlussreich war. So kann jeder Bundesbürger davon ausgehen, dass die wirkliche Inflation seit 10 Jahren eher 10-12 als 1-3% beträgt.

    Lustig wird das ganze aber erst durch die jetzige Krise: Die Auslöser der Krise ist NICHT die Marktwirtschaft, sondern der Staat samt seinen Gelddruckern. Diese bieten sich jetzt jedoch als Retter an, der Leser mag seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Fraglich bleibt also, wie lange man durch Ausdehnen der Geldmenge (ohne dass man die Steuen aktuell erhöhen kann) eine überschuldete Wirtschaft lenken will.

    Vor diesem Hintergrund wird auch die kluge Aussage von Ackermann klar, der den Staat, der nichts ohne Auflagen verschenkt, aus dem Kreditsystem raushalten will, da dieses nicht unbedingt dem Staat dienen möchte und sollte. Wer Trabis und Wartburgs kennt, der kann sich denken, was für tolle Autos der Staat so bauen kann! Verstanden??

    Da sich ohne Papiergeld aber keine Kriege und auch keine Forschung und Innovationen finanzieren lassen, braucht kein Mensch darauf zu hoffen, dass wir eine goldgedeckte Währung bekommen, die außerdem die Verfehlungen des Staates viel schneller durch die Bürger und Kontrolleure erkennen lassen würden.
    Ferner würden durch dieses verlässliche Messinstrument die Menschen mehr bauen oder Kinder bekommen. Folge: Preisverwässerung und Überbevölkerung. Das Drama weltweit ist ja das, dass sich die Welt NIEMALS in ein Gleichgewicht bringen lässt. Wohlstand=Überbevölkerung=Planet am Ende. Back to the roots=Technologien zur Erhaltung der Rassen fehlen, Aufgeben aller Bequemlichkeiten, Kriege. Es gibt keinen Supercomputer und kein Szenario, welches die Welt ausbalancieren kann, nichts geht ohne gravierende Nachteile.

    Fazit: Momentan steuern wir also auf einen Bankrott hin, bei dem erst das Wirtschaftssystem – ungerechtfertigterweise – als Buhmann dastehen wird, bevor sich neue Währungen breitmachen. Ob es ein Ecu-Pendant wie der Amero sein wird oder eine andere Nation das Ruder in der Hand halten wird, ist für uns noch nicht erkennbar, aber es erscheint systembedingt notwendig.

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  2. Eric Amarelo

    Kompliment Herr Bittrich, Sie nennen das Kind beim Namen. Aber wir haben unsere Regierenden ja gewählt und werden sie so schnell nicht wieder los. Am Ende haben sie ja doch wieder alle „große Verdienste“. Ich wandere aus und hoffe auf ein angenehmeres Leben.

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  3. M. Bittrich

    Vorbildlich, das ist die richtige Reaktion.
    Und: Anderen kann man oft nur dann helfen und sie vielfältig unterstützen, wenn es einem selber gut geht, finanziell und emotional. Die Gesellschaft krangt also nicht an einem zu viel an Egoismus, sondern an zu wenig Egoismus und Eigenverantwortung als auch Fähigkeit zur Selbsthilfe.

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