„Die Rettungsmaßnahmen zeigen Wirkung“: Interview mit Bernd Raschkowski


Bernd Raschkowski ist unabhängiger Investmentmanager und Anlagecoach. Seit 1996 handelt er aktiv an der Börse und analysiert die Finanzmärkte mit einem ganzheitlichen Ansatz aus volkswirtschaftlichen Daten, Charttechnik und Verhaltensökonomie.

Aktien-Blog: Sie sind selbstständiger Investmentmanager und bieten neben Depot-Beratung auch Depot-Coaching an. An wen richtet sich Ihr Angebot?

Raschkowksi: Das Depot-Coaching stellt eine Weiterentwicklung der klassischen Beratung dar und richtet sich an alle, die ihr Geld erfolgreich anlegen möchten und gleichzeitig ihre wohlverdiente Freizeit genießen wollen. Ziel ist es, dass sich unsere Kunden um so wenig wie möglich kümmern müssen. Bei Veränderungen des Kapitalmarktumfelds sowie bei Änderungen in unserem Anlagemix gehen wir aktiv auf unsere Kunden zu. Man könnte das Depot-Coaching auch als „Rundum-sorglos-Paket“ bezeichnen.

Aktien-Blog: Was raten Sie Anlegern, die nur einen niedrigen fünfstelligen Betrag angespart haben?

Raschkowksi: Ich selbst habe vor 13 Jahren mit einem niedrigen vierstelligen D-Mark-Betrag angefangen zu investieren und kann nur jedem Börseninteressierten raten, sich regelmäßig mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. Sicherlich ist es nicht immer einfach, an der Börse Geld zu verdienen. Aber mit viel Fleiß, Ausdauer und vor allem einem kritischen Hinterfragen der allgemeinen Marktmeinungen kommt man irgendwann zum Erfolg. Es lohnt sich.

Aktien-Blog: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Kostolanys Weisheit „Wer Geld hat kann spekulieren, wer kein Geld hat, muss spekulieren“?

Raschkowksi: Kostolany sagte damals „Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer wenig hat, darf nicht spekulieren, und wer überhaupt kein Geld hat, der muss spekulieren“ (Vgl. Andrè Kostolany, Die Kunst über Geld nachzudenken, Seite 33). Mit „kein Geld“ meinte er diejenigen, die sich beispielsweise kein Eigenheim leisten können oder nichts für die Altersvorsorge zurücklegen können. Sein weiser Spruch zielt darauf ab, dass man mit der richtigen Idee auch mit relativ kleinen Beträgen beträchtliche Gewinne machen kann und stellt genau meine Meinung dar.

Aktien-Blog: An Diversifikation ist dann aber kaum zu denken, oder?

Raschkowksi: Diversifikation ist natürlich ein sehr wichtiger Bestandteil des Risikomanagements. Tatsächlich ist die Streuung auf verschiedene Werte schwieriger umzusetzten, je kleiner das Kapital ist. Dennoch empfehle ich jedem Anleger, nicht alles auf eine Karte zu setzten. Der Anfang ist leider auch an der Börse am härtesten. Darüber hinaus sollten als weiterer Aspekt des Risikomanagements – gerade auch bei niedrigen Depotvolumina – unbedingt Stop-Loss-Kurse zur Kapitalerhaltung gesetzt und konsequent eingehalten werden. Das Erfolgsrezept heißt immer noch: Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen.

Aktien-Blog: Sie sind auch als Wertpapierhändler/Trader tätig. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation an den Aktienmärkten ein und was raten Sie Anlegern mit einem mittelfristigen Zeithorizont? Beispielsweise bis Jahresende?

Raschkowksi: In den vergangenen Tagen ist der Deutsche Aktienindex um mehr als 600 Punkte geklettert und hat darüber hinaus sogar ein neues Jahreshoch markiert. Diese Stärke stimmt mich optimistisch. Natürlich wird der DAX nicht im gleichen Tempo weiter gen Norden marschieren, eine Korrektur unter die 5000-Punkte-Marke ist dringend notwendig. Nach einem Rücksetzter sollten sich allerdings einige gute Chancen anbieten – gegen den allgemeinen Pessimismus rechne ich mittelfristig wieder mit steigenden Kursen. Die Maßnahmen der Staaten und vor allem der Notenbanken zeigen ihre Wirkung, die Banken sind nach über zweijähriger Krise wieder auf dem Weg der Genesung. Mit den extrem niedrigen Zinsen und dem anhaltenden Wachstum in Asien im Rücken, könnte die depressive Stimmung bald der Vergangenheit angehören. Immer dran denken: An der Börse wird die Zukunft gehandelt!

Aktien-Blog: Welche Rolle spielt die Inflationsgefahr in Ihren Überlegungen? Sollten Privatanleger bereits heute gegen die Inflation vorsorgen oder kann man sich noch Zeit lassen?

Raschkowksi: Die Inflationsdiskussion ist momentan in aller Munde und wird uns auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Wenn man von einer Währungsreform absieht, können die exorbitanten Staatsschulden real nur durch eine steigende Inflation abgebaut werden. Wir sollten uns also tatsächlich schon mal auf Preissteigerungen in den nächsten Jahren einstellen. Dies allein ist allerdings noch nicht tragisch, mit Sachwerten wie Rohstoffen, Immobilien und vor allem auch Aktien kann man sich sinnvoll gegen inflationäre Tendenzen absichern bzw. sogar davon profitieren. Problematisch wird es erst bei einer trabenden oder sogar galoppierenden Inflation (über 10%). Aber das werden unsere Notenbanken zu verhindern wissen, denn sie haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Aktien-Blog: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von einem Investment in Öl? Für wen und in welcher Form kommt das schwarze Gold als Kapitalanlage in Frage?

Raschkowksi: Für das Öl bin ich langfristig leicht positiv gestimmt, nach einem Rücksetzer halte ich auch diese Anlageform für aussichtsreich. Sollte sich die Lage der Weltwirtschaft wieder stabilisieren oder sogar erholen, sind steigende Notierungen des schwarzen Rohstoffs vorprogrammiert. Auch in Hinblick auf die Erwartung einer anziehenden Inflation bietet sich ein Investment in Öl an. Mittelfristig halte ich Kurse von 75 Dollar je Barrel Rohöl für wahrscheinlich.


Juli 25, 2009

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