Optionsscheine, Psychologie und eine Prise Hollywood: Interview mit Michael Jansen


Herausgeber von Stockstreet-Premium: Michael JansenMichael Jansen ist Chefredakteur und Herausgeber des Premium-Börsenbriefes von Stockstreet.de. Unter Anlegern ist Stockstreet für treffsichere Prognosen sowie eine überdurchschnittliche Depotperformance bekannt. Heute stellt sich Jansen kritischen Fragen zu Charttechnik, Optionsscheinen oder Anlegerforen im Internet und erklärt zudem, warum das letzte Quartal des Jahres 2006 „sehr gut“ wird.

Aktien-Blog: Für viele Menschen sind Aktien und die Börse wenig interessant und schon gar nicht spannend. Börsianer dagegen verfolgen manchen Chart wie einen Hollywood-Film. Wann haben Sie zur Börse gefunden und welches vergangene Ereignis hat für Sie am meisten Potential, in Hollywood verfilmt zu werden?

Michael Jansen: Ich war 13 Jahre alt. Zwar weiß ich nicht mehr genau, wie ich auf die Börse aufmerksam geworden bin, jedoch hat mich die Entwicklung an den Finanzmärkten fasziniert. Schnell entwickelte sich hieraus eine unglaubliche Leidenschaft, welche ungebremst bis heute besteht. Ein Hollywood-Film zum Thema Börse ist natürlich klasse! Ich würde mir hier wahrscheinlich jeden Film ansehen. Es gibt unzählige spannende Ereignisse. Besonders interessant ist vielleicht die Verfilmung des Buchs „Jesse Livermore – Das Spiel der Spiele“. In einem Film kann man sehr schön die Emotionen eines Traders verpacken – beispielsweise während des Crashs 1929.

Aktien-Blog: Sie sind Herausgeber des Stockstreet-Börsenbriefs. Was unterscheidet Ihr Produkt von zahlreichen anderen Börsenbriefen?
Michael Jansen: Wir betrachten die Märkte ständig unter technischen, fundamentalen sowie psychologischen Gesichtspunkten. Viele Börsenbriefe beschränken sich zu sehr auf eine Methode der Analyse. Wir sind der Meinung, dass man mit der Kombination verschiedener Ansätze die besten Ergebnisse erzielen kann. Beispielsweise lassen sich viele Fehlsignale bei der Charttechnik umgehen, wenn man das Sentiment zu Hilfe nimmt. Unsere Prognosen sowie unsere Performance geben uns ja auch Recht. Nur wenige Börsenbriefe erkannten bereits im Jahr 2003 die bevorstehende Rallye an den Märkten. Mit einer konsequenten Strategie erzielten wir beispielsweise im Derivate–Depot in nur 18 Monaten eine Performance von 150% und das bei einer Trefferquote von über 80%. Durch die Kombination aller Analysemethoden setzen wir uns also mit treffsicheren Prognosen, einer sehr guten Depotperformance sowie einer hohen Trefferquote von den meisten Börsenbriefen ab.

Aktien-Blog: Kunden halten Ihre Empfehlungen für treffsicher, zuverlässig und gut recherchiert. Doch wie gehen Sie mit Fehlern um? Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Sie sich einmal getäuscht haben?

Michael Jansen: Wir legen großen Wert auf ein striktes Money Management. Liegen wir einmal falsch, so gibt natürlich auch unser Depot sekundär nach. Jedoch achten wir ständig auf unsere Investitionsquote. Steigt das Risiko an den Märkten, so bauen wir unseren Cash-Bestand auf. Gerade beim Handel mit Hebelprodukten ist eine gute Gesamtstruktur des Depots unausweichlich. Bei Derivaten kann man ruhig einen höheren Cash-Bestand halten, da man aufgrund des Hebels dennoch überproportional von Kursbewegungen profitiert. Angenommen Sie fahren Ihren Cash-Bestand aufgrund eines gestiegenen Risikos auf 80% herauf. In diesem Fall ist selbst beim Totalverlust aller einzelnen Positionen der Verlust auf 20% des Depotwertes begrenzt. Aus diesem Grund passen wir ständig die Gewichtung des Gesamtdepots an, um das Risiko zu mindern. Auch bei Einzelpositionen verfahren wir nach einem ähnlichen Prinzip. Die Gewichtung eines Optionsscheins übersteigt beispielsweise selten 3-4% des Wertes vom Gesamtdepot. Läuft hier eine Position gegen uns, trifft uns das nicht sonderlich. Jeder liegt mal falsch, egal ob Profi oder blutiger Anfänger. Wichtig ist in unseren Augen, dass man für alle Szenarien eine passende Strategie hat.

Aktien-Blog: Sie haben sich auf Chartanalysen und Börsenpsychologie spezialisiert. Inwiefern verknüpfen Sie diese beiden Methoden und für welchen Zeitraum gewinnen Sie Erkenntnisse aus Ihrem Research?

Michael Jansen: Die Charttechnik ist eine der besten Techniken um die weitere Entwicklung eines Basiswertes zu bestimmen. Das Schöne ist: Sie lässt sich praktisch auf allen Zeitebenen anwenden. Jedoch gibt es auch hier – wie bei anderen Analysemethoden – Schwächen. Das möchte ich an einem kurzen Beispiel verdeutlichen: Im vergangenen Jahr bildete der DAX eine Top-Formation in Form einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation. In vielen Fällen ist die Chartanalyse sehr zuverlässig. Aus meinen Beobachtungen ging jedoch hervor, dass diese „SKS-Formation“ unter vielen Anlegern ein beliebtes Diskussionsthema war. In diesem Fall kommt die Börsenpsychologie ins Spiel. Wenn jeder Anleger diese Top-Formation sieht und seinen Stop unter die entsprechende Nackenlinie setzt, so ist dessen Relevanz ernsthaft anzuzweifeln. Nachdem die Nackenlinie unterschritten wurde, kam es zu einem kurzen Kursrutsch. Statt zu verkaufen gingen wir in den Markt. Der Bruch der Nackenlinie stellte sich schließlich als Fehlsignal heraus und die Rallye wurde fortgesetzt. Hätte man sich in diesem Fall allein auf die Charttechnik verlassen, so wäre man in eine böse Falle getappt.

Aktien-Blog: Mit Optionsscheinen haben Sie im vergangenen Jahr mehr als einhundert Prozent Performance erreicht. Welche Kriterien sind bei der Auswahl von Optionsscheinen oder Zertifikaten am wichtigsten? Wie groß sollte der Abstand zur Knock-out-Schwelle bei einer kurzfristigen Spekulation auf den DAX erfahrungsgemäß mindestens sein? Gibt es eine goldene Regel zur Platzierung des Stop-Loss-Limits?

Michael Jansen: Bei der Auswahl von Optionsscheinen achten wir insbesondere auf eine lange Laufzeit. Sollte sich der Basiswert nicht so schnell in die gewünschte Richtung bewegen, so hat man einen gewissen zeitlichen Spielraum. Viele unserer Optionsscheine verfallen erst Mitte des nächsten Jahres. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Turbo-Zertifikaten haben Optionsscheine keine Knock-out-Schwelle. Bei Zertifikaten läuft man Gefahr, dass seine Position während der Laufzeit wertlos verfällt, wenn der Basiswert eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Bei Optionsscheinen ist es hingegen nur wichtig, dass der Basiswert am Ende der Laufzeit den Basispreis erreicht hat. Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Volatilität, da diese den Wert eines Optionsscheins mit beeinflusst. Sofern die implizite Volatilität (erwartete Volatilität des Emittenten) beispielsweise niedriger als die Volatilität des Basiswertes ist, so wird der Optionsschein theoretisch zu günstig getaxt. In der Regel passen sich die Volatilitäten mit dem Zeitverlauf an, was man ausnutzen kann. Wir suchen nach Möglichkeit immer Optionsscheine mit einer niedrigen impliziten Volatilität heraus. Passt sich diese wieder dem ‚Normalzustand’ an, so können Sie allein mit der Volatilität einen Gewinn erzielen. Die Optionsscheine auf den EuroStoxx50 sind meistens attraktiver bewertet als Scheine auf den DAX. Noch kurz zum Thema Stop-Loss: Im Derivate-Depot sehen wir hiervon größtenteils ab. Wenn Sie beispielsweise bei einer Einzelposition mit einem Hebel von 20 agieren, so reicht bereits ein schwacher Tag an den Börsen aus, dass das Derivat zunächst einmal 20% ins Minus rutscht. Da stellt sich die Frage nach einem sinnvollen Stop-Niveau. Setzt man es zu hoch, so wird man bei 80% der Trades ausgestoppt. Setzt man es zu tief, so stellt sich die Frage nach dem Sinn eines Stops. Es kommt vor, dass eine Position zunächst 30% im Minus notiert und wir sie am Schluss mit einem Gewinn von 200% verkaufen. Das Risiko lässt sich auch ohne Stop begrenzen, indem wir wie oben beschrieben die Größe der Positionen gemessen am Gesamtdepot klein halten und einen ordentlichen Cashbestand im Rücken haben.

Aktien-Blog: Value-Investoren betonen immer wieder, dass langfristige Geldanlagen vielversprechender seien, als mittelfristige Positionen. Gleichzeitig betreiben diese Anleger fast ausschließlich fundamentale Analyse. Unter welchen Gesichtspunkten lassen sich fundamentale Erkenntnisse in Zeiten schnelllebiger Börsen und erwartungsvoller Kunden in einem Börsenbrief verarbeiten? Bis der Markt seine Irrationalität abgelegt hat, sind Kleinanleger ja möglicherweise bereits entnervt abgesprungen.

Michael Jansen: Die Fundamentalanalyse dient bei uns zur übergeordneten Standortbestimmung. Anhand unserer längerfristigen Prognose richten wir unsere mittelfristigen Trades aus. Einige Positionen halten wir in unseren Depots auch langfristig. Mit anderen nutzen wir die mittelfristigen Schwankungen an den Börsen gezielt aus. Die Fundamentalanalyse ist ein wichtiges Instrument, dennoch sollte man auch die mittelfristigen Schwankungen an den Börsen nutzen. Wir sind hiermit bisher immer gut gefahren und unsere Kunden auch.

Aktien-Blog: Einige Rohstoff-Investoren prophezeien schwere Zeiten für den Aktienmarkt. Im Zuge des Niedergangs der amerikanischen Volkswirtschaft sollen weltweit die Aktienmärkte einbrechen. Was halten Sie von diesen Theorien, die in regelmäßigen Abständen von „Crash-Propheten“ vertreten werden? Ist die Lage in der heutigen Zeit etwa wirklich so dramatisch?

Michael Jansen: Nein. Viele Investoren klammern sich immer noch an die Horrorszenarien des vergangenen Bärenmarktes. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich den Niedergang der amerikanischen Volkswirtschaft finden soll. Solche Crash-Propheten gab es auch schon in den achtziger und neunziger Jahren – und heute gibt es sie immer noch. Irgendwann werden sie vielleicht einmal Recht behalten, aber bisher haben die meisten Crash-Propheten die wohl besten Rallys aller Zeiten verpasst und werden nach meiner Einschätzung auch den nächsten großen Upmove verpassen. Die steigenden Gewinne der Unternehmen haben im Vergleich zum Rentenmarkt zu historisch günstigen Bewertungen an den Aktienmärkten geführt. Selbst wenn die Gewinne auf dem aktuellen Niveau stagnieren würden, so wäre die aktuelle Bewertung nicht gerechtfertigt. Ich erwarte auf Sicht von 12 bis 18 Monaten neue Allzeithochs beim Dow Jones.

Aktien-Blog: „Lesen ist für den Geist das, was Gymnastik für den Körper ist“, sagte einmal der englische Schriftsteller Joseph Addison. Bei Finanzliteratur kann sich Gehirn-Jogging sogar monetär lohnen. Welche drei Bücher rund um das Thema Finanzen und Börse können Sie Lesern von Aktien-Blog empfehlen?

Michael Jansen:

Aktien-Blog: Durch Bücher erlangt der interessierte Anleger wertvolles Wissen. Viele Privatanleger suchen ihre Informationen jedoch auch in Foren im Internet. Wie beurteilen Sie diese Internet-Foren unter börsenpsychologischen Gesichtspunkten? Viele Anleger scheinen in diesen Foren nur Bestätigung zu suchen und gehen abweichenden Meinungen bewusst aus dem Weg. Sind solche Diskussionen wirklich ein Zugewinn für den Anleger?

Michael Jansen: Man sollte anderen Meinungen grundsätzlich kritisch gegenüberstehen. In meiner Anfangszeit habe ich häufig den Rat anderer Börsianer eingeholt. Heute schaue ich mich hingegen bewusst in Internetforen um, um die aktuelle Stimmung unter Privatanlegern beurteilen zu können. Wir platzieren unsere Meinung meist entgegen dem allgemeinen Konsens. Hierfür sind Internetforen neben anderen Sentimentdaten, Analystenkommentaren und der Börsenberichterstattung im Fernsehen sehr hilfreich. Natürlich haben Internetforen auch einen sehr nützlichen Zweck, wie beispielsweise das Austauschen von Informationen zwischen Tradern. Meine Trader-Kollegen und ich tauschen uns ebenfalls intern aus. Am Ende bildet sich natürlich jeder seine eigene Meinung. Fazit: Bei zuviel Zustimmung sollte man skeptisch werden. Meist sind jene Werte interessant, welche keiner haben möchte.

Aktien-Blog: Wie sieht Ihr persönlicher Ausblick auf das letzte Quartal des Jahres 2006 aus? Wie sehen Sie die Entwicklung deutscher Standardwerte?

Michael Jansen: Sehr gut! Wir sehen seit 2003 eine große Hausse-Bewegung an den Märkten. Trotz der Kursgewinne der letzten Monate ist der Aktienmarkt im Vergleich zum Rentenmarkt historisch günstig bewertet. Alle fundamentalen Gründe zu diskutieren würde hier wahrscheinlich den Rahmen sprengen, dennoch möchte ich noch darauf hinweisen, dass allein in diesem Jahr mehr Kapital den Aktienfonds entzogen wurde, als im letzten Jahr von Privatanlegern hineingeflossen ist. Deutlichere Zeichen gibt es kaum! Die Angst der großen Baisse ist bei vielen Anlegern noch tief verwurzelt. Dies wurde auch bei der jüngsten Korrektur deutlich. Trotz Hausse sollten sich Anleger nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Der Markt wird auch in einem Aufschwung nicht vor Fallen zurückschrecken. Wir werden bei einem Fortführen der Rallye immer wieder deutliche Korrekturen sehen, die dazu dienen die zittrigen Hände abzuschütteln. Auch die jüngste Korrektur war typisch für einen Bullenmarkt. Kurze und scharfe Einbrüche sind mir da am Liebsten. Wir begleiten unsere Premium-Kunden ständig auf dem steinernen Weg. Vielleicht unterscheidet uns auch das von vielen anderen Börsenbriefen. Der persönliche Kontakt zu unseren Kunden ist uns wichtig, sodass sich jeder Kunde für Fragen direkt an die Redaktion wenden kann.


4 Gedanken zu „Optionsscheine, Psychologie und eine Prise Hollywood: Interview mit Michael Jansen

  1. Pingback: Finanz News » Aktienmarkt Vorhersage für das vierte Quartal 2006

  2. timo

    Hallo mal wieder!
    Danke für das lange aber nicht uninteressante Interview. Ich werde mal bei Stockstreet vorbei schauen. Keine Angst, dem Aktien Blog bleibe ich schon noch treu. Ich finde es gut wenn man Börsenbriefe durch Interviews besser kennenlernen kann. Hinter jedem Brief steckt ja immer auch ein Mensch. Herr Jansen macht einen sehr sympathischen Eindruck. Viele Grüße!

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  3. Nala

    Auch wenn der Artikel bereits von 2006 ist, finde ich ihn sehr interessant. Ich bin der Meinung, dass andere Börsenbriefanbieter ebenfalls ihren Börsenbrief in einem Interview vorstellen sollten, so bekommt man einen besseren Überblick.
    LG

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  4. Thomas Krause

    Ein sehr interessantes Interview. Die Chartanalyse eines Marktes oder einzelner Basiswerte ist natürlich notwendig, aber die Zuverlässigkeit von der z.B. angesprochenen SKS-Formation ist häufig nicht gegeben, was selten erwähnt wird. Wird die SKS-Nackenlinie bei einem 4-stündigen Chart nur für 15 Minuten unterschritten, sollte das „false break“ Szenario gehandelt werden. Ein Händler muss das Marktgeschehen immer Live beobachten, um auf das „false break = falscher Ausbruch“ Szenario mit einer gegensätzlichen Positionierung zu reagieren.

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