Kunstfonds oder Liebhaberstück? Worauf man bei Investitionen in Kunst achten sollte


Amedeo Modigliani: Bildnis Pablo PicassoOb es in Zukunft so bleibt, ist ungewiss. Im Mai fanden ausgerechnet ein Picasso und Giacometti bei einer Sotheby’s Auktion keinen Käufer. Doch zumindest in den vergangenen Jahren wurde für Kunst mehr Geld denn je ausgegeben. Von Wertzuwächsen bis zu 44 Prozent, wie sie schon beispielsweise der Markt für die Kunst der klassischen Moderne verzeichnete, wo Künstler von Pablo Picasso bis Joseph Beuys gehandelt werden, konnten manche börsennotierten Unternehmen nur träumen. Und bei Auktionen wechselten Kunstwerke zu bisweilen schwindelerregenden Preisen die Besitzer. So Anfang dieses Jahres bei der Versteigerung der Privatsammlung von Yves Saint Laurent: Eine Holzskulptur von Constantin Brancusi (Portrait de Madame L.R.) kam für 26 Millionen Euro unter den Hammer, ein Piet Mondrian (Composition avec bleu, rouge, jaune et noir) für 19,2 Millionen Euro. Doch solche spektakulären Fälle sind nicht die Regel. Ungefähr 80 Prozent werden mit Werken gehandelt, deren Wert bei 10.000 Euro liegt, bei etwa 16 Prozent der gehandelten Werke liegt er zwischen 10.000 und 99.000 Euro und bei nur 0,4 Prozent über einer Million Euro.

Es sollte also möglich sein, auch ohne einen Lottogewinn in Kunst zu investieren. Wohl so mancher hat vermutlich schon davon geträumt, Kunstwerke eines noch unbekannten Künstlers zu kaufen, der sich einige Jahre später zu einem Star der Kunstszene mausert, sodass man sich sein frühes Interesse für den ehemals Unbekannten dann in barer Münze auszahlen lassen kann. Natürlich. Solche Geschichten gibt es. Schließlich hat jeder Künstler einmal klein angefangen, ein Pablo Picasso ebenso wie ein Salvador Dalí, die heute so wertvollen Alten Meister ebenso wie die ebenfalls regelmäßig hoch bewerteten Impressionisten. Aber: In Kunst zu investieren, ist eine Kunst für sich. Denn eindeutige Aussagen über die Wertentwicklung von Kunstwerken zu treffen, ist ungefähr so realistisch, wie heute zu sagen, wie das Wetter am 15. April in fünf oder zehn Jahren sein wird. Hundertprozentige Sicherheit gibt es auch bei allen anderen Anlageformen nicht, wie die derzeitige Finanzkrise wieder vor Augen führt. Aber über Wertpapiere, Immobilien oder Beteiligungen kann man einiges an Informationen zusammentragen, auch Währungs- oder Zinsbewegungen können relativ gut nachvollzogen werden. Der Kunstmarkt dagegen ist sehr viel intransparenter.

Lagerungs- und Versicherungskosten müssen berücksichtigt werden

Und auf dem Kunstmarkt herrschen sehr eigene Regeln: Psychologie, Emotionen und Spekulation spielen auch bei den anderen Anlageformen eine Rolle, der Kunstmarkt jedoch ist besonders stark von solchen wenig berechenbaren Größen geprägt. Darauf weist auch Astrid Kießling, Kuratorin bei der Commerzbank und Dresdner Bank, hin: „Der Kunstmarkt ist nach wie vor ein sehr emotionaler Markt. Neben Daten und Fakten, die man inzwischen durchaus zusammentragen kann, spielen hier persönliches Gefallen und Vorlieben bei Kaufentscheidungen oft keine zu unterschätzende Rolle. Das empfundene Glück, der empfundene Stolz, ein Werk XY eines großen anerkannten Meisters zu besitzen, kann die Ratio leicht außer Kraft setzen.“ Nicht zu vergessen, dass dieser Markt Trends und Moden ebenso unterworfen ist, wie der subjektiven Wertschätzung, die ein Künstler oder Kunstwerke erfahren, und somit eine ebenso große wie schwer zu kalkulierende Rolle spielen. Daher sieht Kießling im Kunstmarkt keine Alternative zu konventionellen Wertanlagen. „Eine Ergänzung“ aber durchaus: „Allerdings sollte man das nötige ‚Kleingeld‘ tatsächlich, salopp gesagt, übrig haben. Das Investment in Kunst ist ein attraktiver Spielball, unabhängig von den klassischen Wertanlagen.“

Fotokunst darf nicht hell gelagert werden: Portrait des Künstlers Edward Steichen von Fred Holland DayDer Frankfurter Galerist Thomas Poller, der auch schon für Victoria & Albert Museum in London in Restaurierungsarbeiten involviert war, sieht auch aus technischen Gründen im Kunstmarkt keine Alternative zu konventionellen und auf Rendite zielenden Wertanlagen: „Dagegen sprechen schon alleine Faktoren, wie Transport-, Lagerungs- und Versicherungskosten die man einkalkulieren muss, wenn das Kunstwerk keinerlei Beschädigung und Wertverlust erleiden soll. So muss man aufpassen, dass Kunstwerke nicht beim Transport beschädigt werden, dass sie sachgemäß gelagert oder präsentiert werden, damit sie keinen Schaden nehmen, abgesehen von der Patina, die auf jeden Fall entsteht. Das Raumklima muss stimmen, Fotokunst beispielsweise sollte man nicht in lichtdurchfluteten Räumen lagern. Ferner sollte man Kunstwerke versichern, wodurch auch Kosten entstehen.“

Kunstfonds als Alternative zum Kunstwerk

Doch es gibt auch Gründe, die für Kunst als Anlageform sprechen. Zum einen reagiert der Kunstmarkt praktisch kaum auf die üblichen Indikatoren, die normalerweise dafür sorgen, dass Aktien in den Keller rauschen. Ob der Ölpreis oder die Arbeitslosenquote steigen, war dem Kunstmarkt bisher relativ egal. Zum anderen änderten auch globale Schocks wie 9/11 bisher zumindest nichts an den langfristigen Werten bedeutender Künstler, wie beispielsweise Picasso oder Kandinsky, van Gogh oder Chagall.

Man kann Kunst kaufen, aber auch in sogenannte Kunstfonds investieren. Was sollte man beachten, wenn man ein Kunstwerk oder mehrere kaufen möchte? Will man Kunst kaufen, so sollte einem die Kunst wichtiger sein, als die Möglichkeit, ein heute gekauftes Kunstwerk in einer nahen oder auch ferneren Zukunft für ein Vielfaches des ehemaligen Kaufpreises zu verscherbeln. Und man sollte das unbedingte Interesse mitbringen, sich wirklich mit der Kunst auseinandersetzen und sich nicht einfach einen Namen aufschwatzen lassen. Denn sollte es mit der Spekulation auf zukünftige Wertsteigerung nicht klappen, bleibt immer noch etwas, was einem nur ein Diebstahl oder die Einwirkung höherer Gewalt nehmen kann: der emotionale oder geistige Wert des real vorhandenen Kunstwerks. Allerdings macht Poller auf den Aspekt aufmerksam, dass man gerade, wenn man Kunst als Wertanlage sieht, keinen „Zeitdruck haben dürfe, wenn man die Kunst weiterverkaufen möchte.“ Denn Kunstwerke können in der Regel nicht so leicht weiterverkauft werden wie Aktien, man sollte also grundsätzlich in längeren Zeitspannen – vielleicht sogar über die eigene Generation hinaus – rechnen.

Information ist alles

Gerald R.Wimmer, Bereichsleiter 1822 Private Banking der Frankfurter Sparkasse, hat Kunden, die auch Kunstliebhaber sind und bereits beachtliche Sammlungen aufweisen und rät: „Wer Kunst kaufen möchte, sollte sich wirklich gut auskennen. Auf diesem diffizilen Markt muss man ein Grundinteresse für die Kunst als solche haben und sollte Renditevorstellungen nicht a priori in den Vordergrund stellen. Daher sollte diese im Rahmen einer gesunden Asset-Allocation auch nur einen kleinen Prozentanteil erhalten; der sich aber durchaus auch ‚rechnen‘ kann.“

Möglichkeiten, um sich zu informieren und zu kaufen gibt es viele für Kunstinteressierte. Wenn es um zeitgenössische Kunst geht, rät Astrid Kießling: „Wenn ich mich für zeitgenössische junge Kunst interessiere, sollte ich auch diese kaufen. Natürlich sind die Galerien die ersten Anlaufstellen. Interessant sind aber auch Hochschulrundgänge. Grundsätzlich muss man sich die Vita der Künstler, Ausstellungen, gegebenenfalls Ankäufe ansehen. Gerade als Einsteiger sollte man nur kaufen, was einem auch wirklich gefällt. Gut ist, wenn man Meinungen von Fachleuten wie Galeristen oder Kuratoren in die eigene Entscheidung einbeziehen kann.“ Neben Galerien und Kunsthochschulen können auch Kunstvereine, Museen, Bücher, Fachzeitschriften, Auktionen, Messen, als wichtigste Anlaufstellen und Informationsquellen genannt werden. Und inzwischen gibt es auch schon Kunst-Indizes und Art-Rankings, die zumindest versuchen, Indikatoren für den künstlerischen Erfolg festzulegen, wie beispielsweise die Aufmerksamkeit, die ein Künstler erzielt. Dann ist noch zu beachten, dass in den Galerien die Preise in der Regel höher sind als die bei Auktionen erzielten. Und wenn man gute Informationen und Kontakte in der Kunstszene hat, könnte man beispielsweise das Werk eines Künstlers kaufen, bevor dieser seine ersten bedeutenderen Weihen durch eine Ausstellung in einem Museum bekommt. Außerdem sollte man bedenken, dass in den Topgalerien natürlich nicht nur die Stars der Kunstszene verkauft werden. Sondern Sammler werden von diesen In-Galerien ebenso angezogen wie Nachwuchskünstler. Und bei dem künstlerischen Nachwuchs ist der mögliche Wertzuwachs tendenziell höher als bei den bereits bekannten und arrivierten Künstlern, zumal die Preise der Kunstwerke meist mit dem Alter ihres Schöpfers steigen.

Kunstfonds auf keinen Fall „blind“ kaufen

Wer es lediglich „sexy“ findet, in Kunst zu investieren, aber lieber nicht so viel Zeit darauf verwenden möchte oder bei wem das Geld nicht dafür reicht, sich einen Polke, Rauschenberg oder Warhol in die eigenen vier Wände zu hängen, der kann auch in Kunstfonds investieren und von der angestrebten Wertsteigerung der Kunst solcher Stars profitieren. Für Mindestanlagesummen von 2.500 bis 200.000 Euro können sich Anleger da schon an einem Pool von Kunstwerken beteiligen, der meist nach zehn oder zwanzig Jahren mit einem möglichst hohen Gewinn verkauft werden soll.

Doch bei derartigen Fonds ist Vorsicht geboten: Da locken beispielsweise schillernde Namen wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, Sigmar Polke oder Andy Warhol. Doch auch wenn sich die Namen der in einem Fonds versammelten Künstler wie das Who is who der wichtigsten Kunststars lesen, sollte überprüft werden, ob der Fonds nicht vielleicht lediglich mittelmäßige Werke solcher Stars versammelt.

Wie auch bei Kunstwerken rät Gerald R. Wimmer hier: „Auch bei Kunstfonds muss man immer genau aufpassen, in was man investiert. Man sollte sich die Historie des Fonds aufzeigen lassen und sich erkundigen, ob das erst der erste oder bereits der zehnte Kunstfonds ist, der aufgelegt wurde. Ich persönlich hätte da immer mehr Vertrauen in langjährige Erfahrungen und würde auch beachten, welche Expertisen das Haus beziehungsweise der jeweilige Emittent in diesem Nischenmarkt hat.“ Und er mahnt genau hinzuschauen: „Viele ‚junge‘ Fonds – übrigens nicht nur im Kunstbereich – spiegeln oft in der Anfangszeit eine Art ‚Black Box‘. Da wird in Broschüren unheimlich viel prospektiert, also. zwar geschrieben, was angekauft werden soll. Viel wichtiger ist aber: Was ist am Ende wirklich genau drin? Da sollte man sich über die kurzen Broschüren hinaus sehr gut informieren und das Kleingedruckte in den Verträgen genau lesen.“

Während beispielsweise die Hamburger Art Estate und ihr Fonds schnell in Verruf kamen, konnte der Sharpe-Kunstfonds für das Jahr 2008 hingegen eine Performance von mehr als 12 Prozent verbuchen. Wer 2007 in den Kunstfonds Sharpe Art investiert hatte, konnte seitdem auf eine Wertsteigerung von 44,45 Prozent blicken. Ein Kunstfonds gewinnt nämlich dadurch an Wert, dass die von der Fondsgesellschaft gehaltenen Kunstobjekte während der Laufzeit einen Wertzuwachs erfahren – ganz ähnlich also wie bei einem Immobilienfonds oder einer Schiffsbeteiligung. Die Rendite eines solchen Fonds verläuft in der Regel linear zu dem Wertzuwachs der im Fonds gehaltenen Kunstgegenstände. Selbstverständlich besteht dabei die Gefahr, dass die gehaltenen Kunstobjekte nach Ablauf des Fonds nur unter Wert verkauft werden können. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass sich die Kunstfonds bisher noch nicht so richtig etabliert haben, obwohl es inzwischen zahlreiche und sehr unterschiedliche Kunstfonds gibt. Während der Sharpe Art das Risiko so gering wie möglich halten möchte, indem er in verschiedene Kunstformen wie Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen, Zeichnungen, Grafiken oder Multimediakunst streut, gibt es auch zahlreiche Spezialfonds, die sich an bestimmten Trends orientieren: Ein Fonds für zeitgenössische Fotografie ist da auf dem Markt ebenso zu finden wie einer für zeitgenössische chinesische Kunst.

Auch der Kunstmarkt bleibt nicht von Crashs verschont

Doch die bereits genannten Kosten, die im Zusammenhang mit dem Sammeln von Kunst anfallen, sorgen laut Galerist Thomas Poller aus Frankfurt unter anderem auch dafür, dass Kunstfonds eine schwer berechenbare Größe bleiben: „Gemessen an den Imponderabilien des Marktes ist so ein Kunstfonds keine wirklich gute Idee. Es gab, oder gibt noch in Großbritannien den Railway Pension Fund. Der hatte mit Sotheby’s als Berater den größeren Teil seines Vermögens in Kunst angelegt. Als man dann irgendwann auf die Idee kam, die Anlagestrategie zu ändern und die Kunst – gesammelt übrigens vollkommen quer durch alle Genres – zu verkaufen, kam unterm Strich keinerlei Rendite heraus.“

1990 gab es den letzten großen Crash am Kunstmarkt. Sammler verbuchten Verluste, Galerien verschwanden und Künstlerkarrieren endeten. Auf dem Kunstmarkt hat sich wieder eine Blase entwickelt. Nicht wenige spotten daher, dass die Qualität von Kunst inzwischen an ihrem Preis gemessen werde. Das Risiko, dass der Markt gesättigt ist, schwebt also auch über jedem Investment in einen Kunstfonds. Denn können die Fondsmanager keine günstigen Werke einkaufen oder haben sie zu überteuerten Preisen eingekauft, dann verliert der Anleger einen Teil seines Geldes.

Bei Investitionen in Kunst in welcher Form auch immer gilt also wie bei anderen Finanzprodukten: Man sollte wissen und verstehen, was man kauft, denn so der Frankfurter Galerist Poller: „In der derzeitigen Rezession überlebt sicher eines, und das ist Qualität. Vieles, was auf die Schnelle produziert und oder verkauft wurde, wird es so nicht mehr geben.“ Ohne Beschäftigung mit der Materie, ohne eine Ahnung davon, warum man in dieses oder jenes Kunstwerk oder vielleicht doch einen Fonds investiert, sollte man es vermutlich besser lassen. Auf die Frage, ob jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um in Kunst zu investieren, verweist Poller auf Analogien zum Aktienmarkt und somit auf den spekulativen Faktor: „Das mit dem jetzt kaufen ist natürlich wie mit den Aktien: wann sind die Tiefstpreise erreicht, wann werden sie wieder steigen? Um wie viel über welchen Zeitraum?“ Garantien sind also auf dem Kunstmarkt gewiss nicht zu haben, denn auch hier gilt der in der aktuellen Krise schon so oft zitierte Satz: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“


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August 11, 2009

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