Erklärungen für den Kursrutsch: Wall-Street-Schock lässt Gold steigen


Ein Kommentar von Hannes Huster.
Auf der Suche nach Ursachen: Die Wall Street nach dem deutlichsten Einbruch ihrer GeschichteWenn Sie gestern Abend die Kurse an der Wall Street beobachtet haben, so waren Sie sicherlich auch vom historischen Kursrutsch in New York geschockt. Zeitweise war der Dow-Jones knapp 10 Prozent im Minus und einige Aktien verloren 99 Prozent ihres Wertes und dies binnen Sekunden! Geradezu witzig waren Artikel, wonach die Griechenland-Krise für diesen Kursrutsch verantwortlich gewesen sein soll! Hallo?! Wer solche Berichte auf großen deutschen Finanzseiten veröffentlicht, hat seinen Beruf verfehlt und keine Ahnung vom Markt! Bei allen Ungereimtheiten steht lediglich fest, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

Die vermeintlich logische Erklärung, die nun auch in den Medien herumgereicht wird, ist, dass ein Händler der Citigroup statt einer Verkaufsorder über 16 Millionen USD eine Order über 16 Milliarden USD zum Verkauf gestellt haben soll. Leider wurde dies nicht offiziell bestätigt, diese Nachricht wäre aber dennoch eine logische Begründung für den Kursrutsch und würde zudem erklären, dass die in dieser Phase abgewickelt Trades angeblich rückgängig gemacht werden sollen. Gegen die These vom tollpatschigen Händler spricht allerdings, dass Gold mit dem Einbruch an der Wall-Street deutlich anzog. Auffällig ist, dass es im Gegensatz zum Rutsch des Dow Jones eigentlich ein „gesitteter“ Anstieg war. Unabhängig vom Auslöser des gestrigen Kursrutsches spricht dies zumindest dafür, dass in diesen Tagen viele Marktteilnehmer auf der Suche nach einem „sicheren Hafen“ sind.

Gold und Währungen außer Rand und Band

Heftigster Einbruch des Dow-Jones-Index aller Zeiten: Missgeschick oder Vorbote einer großen Pleite?Eine andere Erklärung für den Kurseinbruch wäre die Zwangsliquidierung eines riesigen Hedge-Fonds oder eines der führenden Bankhäuser. Nur ein Vehikel von enormer Größe könnte einen Kursrutsch dieser Art in dieser Schnelle auslösen. Ob es nun ein Fehltrade einer Bank war oder ob sich im Hintergrund einer der großen Spieler der Wall Street in Luft aufgelöst hat, werden wir bestimmt in den nächsten Tagen erfahren.

Fest steht, dass Gold als sicherer Hafen gefragt ist wie schon lange nicht mehr. Der weltgrößte Gold-ETF SPDR vermeldete Zuflüsse von sieben Tonnen Gold und hält damit einen neuen Rekordbestand von 1.166 Tonnen oder knapp 35 Millionen Unzen Gold. Die Nachfrage ist also sowohl nach „Papiergold“ als auch nach physischer Ware wieder deutlich ansteigend. Blicken wir heute Morgen auf die Seiten einiger Gold- und Silberhändler, so sind die Regale schlichtweg leer gefegt. Um die Kurskapriolen an der Wall Street interpretieren zu können, sollte man auch einen Blick auf andere Anlageklassen wie Gold oder Währungen werfen. Diese mahnen zur Vorsicht – unabhängig davon, ob sich gestern ein Händler in New York folgenschwer vertippt hat oder nicht.


Aktien-Info

SPDR GOLD TRUST
WKN: A0Q27V
ISIN: US78463V1070
Herkunft: USA
Branche: Finanzdienstleistungen
Nachrichten:  SPDR GOLD TRUST

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.
Mai 7, 2010

5 Gedanken zu „Erklärungen für den Kursrutsch: Wall-Street-Schock lässt Gold steigen

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  2. Steffen Strobel

    Ich glaube nicht einmal, dass es ein Tippfehler war. Ich habe gelesen, dass die Person anstatt ‚million‘ ‚billion‘ eingegeben hat. Ist es aber wirklich so, das in das Handelssystem der Betrag wörtlich und nicht als Zahl eingegeben wird? Wenn ja, ist dies ein sehr fehleranfälliges System und wir können froh sein, dass solche Kursrutsche nicht öfters ‚passieren‘. Abgesehen davon ist dies ein hochverfügbares Handelsystem, in dem es auch eine Dokumentationspflicht gibt. Es sollte also sehr leicht herausfindbar sein, wer die fehlerhafte Order ins System eingegeben hat. Da dies scheinbar nicht möglich ist, war es wohl eher ein Systemfehler, den man nun zu kaschieren versucht indem man uns die Mär vom ‚Fat Finger‘ auftischt…

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  3. Bernd

    Jedenfalls ist zu sehen wie empfindlich das gesamte System ist. Zur Zeit scheinen die Nerven eben relativ blank zu liegen und jeder hat Angst, dass es wieder mal wie Ende 2008 wirklich stark nach unten gehen könnte. Ob der nun aufgespannte „Rettungsschirm“ wirklich den EU Reum stabilisiert wird sich erst zeigen.

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  4. Bernecker1977

    Hallo Herr Strobel,

    das war bisher zumindest das hartnäckigste Gerücht. Ich hatte den Abend bereits unter wwww.bernecker1977.de/tippfehler-boerse geschildert, nun aber neue Erkenntnisse der Ermittlungen von der SEC gelesen, nachdem ein Hedging im S&P-Future den Crash ausgelöst haben soll.

    Viele Grüße
    Bernecker1977
    (Andreas Mueller)

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