7. Februar 2007

Erinnerungen an LTCM:
Hedge-Fonds spielen mit dem Yen

Währungsgeschäfte werden zunehmend auch für Kleinanleger interessant: Neben Zertifikaten auf das Verhältnis zwischen Euro und Dollar haben Banken nun eine neue Anlageform für Privatanleger entdeckt: Carry-Trade-Zertifikate. Die Überlegungen hinter einem Carry-Trade sind denkbar einfach. Der Anleger leiht sich Geld in einem Währungsraum mit niedrigen Zinsen und legt dieses dort an, wo höhere Zinsen gezahlt werden. Das kürzlich emittierte UBS G10 Carry Trade Total Return Index-Zertifikat (WKN: UB0G10) setzt auf die zehn bedeutendsten Währungsräume und wendet die Carry-Trade-Strategie auf die drei schwächsten und die drei stärksten Währungen an. Mit Einführung dieses Zertifikats hat die Bank schnell auf aktuelle Marktgegebenheiten reagiert. Seit Monaten leihen sich Hedge-Fonds und institutionelle Spekulanten verstärkt japanische Yen zu Niedrigzinsen von 0,5 Prozent und legen dieses Geld in den USA oder in Neuseeland zu Zinsen über fünf Prozent an. Da die geliehenen Devisen in die Zielwährung umgetauscht werden müssen, stützt dieses Vorgehen den Kurs von Währungen mit hohen Leitzinsen und führt zu einer Abwertung der Währungen aus Gebieten mit einem niedrigen Leitzins.

Beim Yen führen Carry-Trades derzeit zu einer Art Abwärtsspirale - je tiefer die Währung sinkt, um so attraktiver wird sie für Spekulanten. Bundesfinanzminister Steinbrück hat aufgrund dieser Vorgänge bereits vor Schlimmerem gewarnt: Ende der 1990er Jahre führten mißglückte Carry-Trades zum Zusammenbruch des Hedge-Fonds Long-Term-Capital-Hedgefonds-Management (LTCM). Wie Zentralbanken und internationale Spekulanten reagieren, wenn sich ein solcher Kollaps wiederholen sollte, bleibt abzuwarten. Ende der 1990er Jahre sorgte die Schieflage bei LTCM für weltweite Verunsicherung an den Aktienmärkten. Nur das Eingreifen der US-Notenbank Fed verhinderte damals Schlimmeres. Privatanleger sollten sich bei Währungsgeschäften darüber im Klaren sein, dass es sich bei den anderen Marktteilnehmern meist um finanzstarke Hedge-Fonds oder sonstige Profis handelt. Die Gefahr ist somit groß, im Spiel der ganz Großen den Kürzeren zu ziehen.

von Nico Popp am 7. Februar 2007 um 18:22 Uhr Konjunktur, USA, Währungen

2 Kommentare »

  1. [...] oder nicht? Wie groß die Macht der Hedgefonds tatsächlich ist, zeigt der Beitrag „Hedge-Fonds spielen mit dem Yen“ auf aktien-blog.com recht anschaulich. Wenn nicht einmal mehr Währungen vor diesen [...]

    Pingback von Gedanken zum Thema Geld und Finanzen » Die zunehmende Macht der Hedgefonds — 11. Juni 2007 @ 18:21

  2. [...] entwickeln können. Wie ein solcher Carry-Trade funktioniert, erklärt der aktien-blog.com auf „Hedge-Fonds spielen mit dem Yen“ sehr anschaulich und auch der boersenweblog.de beschäftigt sich auf „Liquidität und [...]

    Pingback von Hedgefonds und Yen-Kredite » Beitrag » Investments und Geldanlagen - Blog — 6. Februar 2008 @ 10:48

Einen Kommentar hinterlassen

RSS-Feed für KommentareTrackBack URI

Aktien-Info

Open-End Zertifikat auf UBS G10 Carry TR [UBS Investment Bank]
WKN:UB0G10
ISIN:CH0028352638
Artikel-Übersicht:Open-End Zertifikat auf UBS G10 Carry TR [UBS Investment Bank]

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.


Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die Autoren dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten oder halten können und somit ein möglicher Interessenskonflikt besteht. Das Angebot stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung dar und dient lediglich der Information.
Page protected by Copyscape. Do not copy!

Copyright © 2006-2009 Nico Popp