9. März 2009

Das Militär meutert:
Gefährden die Unruhen auf Madagaskar Minenprojekte?

Hoffnung auf Kontinuität: Auf Madagaskar weigert sich das Militär auf die Bevölkerung zu schießenHoffnung auf Kontinuität: Auf Madagaskar weigert sich das Militär auf die Bevölkerung zu schießen
Hoffnung auf Kontinuität: Auf Madagaskar weigert sich das Militär auf die Bevölkerung zu schießen

Wie verschiedene Nachrichtenagenturen melden, wird der ostafrikanische Inselstaat Madagaskar in diesen Tagen von einer Meuterei des Militärs heimgesucht. Nachdem es in den vergangenen Wochen vermehrt Unruhen zwischen Anhängern des Präsidenten Marc Ravalomanana und Sympathisanten des ehemaligen Bürgermeisters der Hauptstadt Antananarivo, Andry Rajoelina, gegeben hatte, bei denen mehrere hundert Menschen ums Leben kamen, verweigert das Militär nun die Gefolgschaft für den Präsidenten. Die meuternden Soldaten erklärten, sie seien nicht dazu ausgebildet worden, um auf das eigene Volk zu schießen.

Das demokratisch verfasste Madagaskar gilt als viertgrößte Insel der Welt und ist seit 1960 von Frankreich unabhängig. Die 20 Millionen Einwohner leben weitgehend in Armut: Lediglich Kaffee, Vanille, Zucker, Gewürznelken und Fischereiprodukte werden aus Madagaskar exportiert. Innerhalb der vergangenen Jahre hat auch der Bergbau auf Madagaskar an Bedeutung gewonnen. Bis 2012 soll der Anteil der Minenindustrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Inselstaates von vier auf vierzehn Prozent steigen.

Internationale Gesellschaften wie Rio Tinto, Kumba Resources, Sherrit International, Sumitomo oder Korea Resources sind auf Madagaskar derzeit auf der Suche nach Mineralsand, Kupfer und Nickel. Herzstück der Minenpläne ist Ambatovy, ein Nickel-Kobalt-Projekt, das ab 2010 in Produktion gehen und zu einer der größten Nickelminen der Welt werden soll. Auch eine geplante Nickel-Kobalt-Raffinerie sowie der Ausbau eines Hafens zum Abtransport der Rohstoffe nach Fernost zeugen bereits von einer hoffnungsvollen Entwicklung Madagaskars.

Die jüngsten Unruhen auf der Insel zwischen Afrika und Indien könnten diese Pläne zumindest kurzfristig gefährden. Das Auswärtige Amt rät derzeit von Reisen nach Madagaskar ab und hält die Lage in diesen Tagen für “nicht kalkulierbar”. Die demokratische Struktur Madagaskars macht allerdings Hoffnung, dass die jüngsten Konflikte zwischen Regierung und Opposition letztendlich doch gelöst werden können. Der Gewaltverzicht des Militärs dürfte ein erster Schritt im Sinne einer friedlichen Lösung für Madagaskar sein.

von Nico Popp am 9. März 2009 um 10:21 Uhr Afrika, Industriemetalle, Rohstoffe
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