Niedrige Bewertung und hohe Cashreserven: Rechtsstreit hemmt Aktie von Norton Gold Fields


Hier wird Gold produziert: Paddington-Mine von Norton Gold Fields (Foto: Norton Gold Fields)Ein Unternehmen, das wir schon seit Monaten auf der engeren Beobachtungsliste haben, ist der australische Goldproduzent Norton Gold Fields. Diese Aktie beobachten wir schon lange und waren oft schon kurz davor, einzusteigen. Im Nachhinein war unsere abwartende Haltung gut, da die Aktie gerade in den letzten Wochen noch einmal deutlich zurückgekommen ist. Nun denken wir aber, dass es an der Zeit ist, eine erste kleinere Position für unser Wachstumsdepot zu kaufen. Norton Gold Fields zählt zu den mittelgroßen Goldproduzenten in Australien. Das Hauptprojekt, die Paddington-Goldmine, liegt dreißig Kilometer nördlich von Kalgoorlie und damit inmitten eines Gebiets mit vielen erfolgreich produzierenden Goldminen.

Norton Gold Fields dürfte aktuell zu den günstigsten Goldproduzenten weltweit gehören. Warum die Aktie derzeit so niedrig bewertet wird, werden wir Ihnen später noch erklären. Fakt ist, dass Norton aktuell eine Gesamtressource von 6,129 Millionen Unzen Gold auf seinen Projekten nachgewiesen hat und zusätzlich in der höchsten Kategorie der Reserven weitere 1,239 Millionen Unzen Gold besitzt. Insgesamt also 7,36 Millionen Unzen Gold! Dies entspricht einem aktuellen Marktwert im Boden von 8,8 Milliarden AUD.

Norton Gold Fields ist mit nur 15,55 AUD je Unze Gold bewertet

Jetzt kommt das wirklich spannende und eigentlich unfassbare bei Norton Gold Fields. Das Unternehmen hat aktuell 545 Millionen Aktien ausstehend, was bei einem aktuellen Kurs von 0,21 AUD einer Marktkapitalisierung von 114,50 Millionen AUD entspricht. Herunter gebrochen auf die vorhandenen Goldvorkommen von 7,36 Millionen Unzen entspricht dies einer Bewertung je Unze von 15,55 AUD. Wir dürfen daran erinnern, dass das Unternehmen bereits produziert!

Alleine die extrem niedrige Bewertung von 15,55 AUD je Unze (unterer Marktdurchschnitt liegt bei 50 AUD) spricht für einen Kauf von Norton Gold Fields. Doch das Unternehmen hat auch noch eine prall gefüllte Unternehmenskasse: Per 31.12.2009 hatte das Unternehmen 62,8 Millionen AUD Cash und zusätzlich knapp 20 Millionen in Anleihen. Insgesamt also eine Liquiditätsposition von 82,8 Millionen AUD – wir erinnern uns an die Marktkapitalisierung von nur 114,50 Millionen AUD!

Norton verfügt über eine große Cashposition

Erst vor kurzem, genauer gesagt im Dezember 2009, wurden 40,5 Millionen AUD an neuem Kapital mittels Aktienausgabe eingesammelt. Diese überzeichnete Platzierung ging bei einem Aktienkurs von 0,3283 AUD (aktuell 0,21 AUD) über die Bühne. Die Namen der Teilnehmer liest sich wie das „Who is Who“ der Branche: Unter anderem stiegen Sprott Asset Management aus Kanada, Libra aus den USA und Baker Steel aus Großbritannien ein. Aktuell notiert der Kurs über 35 Prozent niedriger.

Die Bewertung von Norton lässt sich kurz und knapp auf den Punkt bringen: Marktkapitalisierung 115 Millionen AUD, Cash 82 Millionen AUD. Nettowert rund 33 Millionen AUD und hierfür bekommen Aktionäre eine bereits produzierende Goldmine mit über 7 Millionen Unzen Gold. Das entspricht 4,50 AUD je Unze. Doch hat diese niedrige Bewertung auch ihre Gründe:

  • Am 14.01.2010 ist der Managing Direktor und der Finanzvorstand zurückgetreten: Unsicherheit macht sich breit
  • Am 25.01.2010 gab Norton bekannt, dass die anvisierten 175.000 Unzen Gold Jahresproduktion wahrscheinlich nicht erreicht werden und nur 140.000 Unzen Gold produziert werden.
  • Anstehender Gerichtstermin mit Lehman Brothers am 17.03.2010

Die ersten beiden Punkte sind kurzfristig zwar negativ, verändern aber an der Bewertung und den hervorragenden langfristigen Aussichten des Unternehmens nichts. Ein neuer Vorstand wird sich finden und vielleicht kommt ja ein bekannter Name der Minenbranche der seine Anhänger mitbringt zu dem aufstrebenden Goldproduzenten. Selbst dieser Punkt muss also langfristig nicht negativ für Norton sein. Das Verfehlen des Produktionsziels ist auf die Entwicklung der Homestead-Untertagemine zurückzuführen. Hier sind weitere Bohrungen notwendig, um die Beschaffenheit des Erzkörpers genauer zu definieren. Damit ist die Produktionssteigerung zwar aufgeschoben aber nicht aufgehoben: Zuletzt lagen die Cash-Kosten bei knapp 900 AUD je Unze und der durchschnittliche Verkaufspreis bei 1.216 AUD. Mit einer Marge von rund 300 AUD und 140.000 Unzen Goldproduktion könnte das Unternehmen also einen Gewinn aus der Produktion von 42 Millionen AUD erzielen.

Damoklesschwert über Norton: Gerichtsprozess wegen Lehman-Pleite

Wirren um Lehman-Pleite: Wie wird das US-Gericht entscheiden?Spannend wird es dann aber beim dritten Punkt, dem Gerichtstermin in den USA mit Lehman Brothers der zunächst für den 10. Februar terminiert war, dann allerdings verschoben wurde. Um die Geschichte kurz zu fassen: Beim Kauf der Paddington-Mine hat Lehman Brothers eine Anleihe zur Kaufpreisfinanzierung für Norton Gold Fields bereitgestellt. Zur Absicherung dieser Anleihe hat sich Norton verpflichtet, Gold zu einem fest vereinbarten Preis (875 AUD) vorwärts zu verkaufen.

Dann kam die Pleite von Lehman. Seit diesem Zeitpunkt hat Norton die Vorwärtsverkäufe nicht mehr bedient und das Gold nicht zu dem fest vereinbarten Preis von 875 AUD je Unze verkauft, sondern zum deutlich höheren Marktpreis. Dies war auch das gute Recht von Norton, da Lehman in die Insolvenz schlitterte. Das Geld hat Norton aber nicht ausgegeben, sondern ordentlich zur Seite gelegt für den „Fall der Fälle“. Zuletzt waren noch etwa 175.000 Unzen an Vorwärtsverkäufen offen und Lehman hat eine Anleihe im Wert von 28 Millionen AUD an Norton. Nun kommt es wahrscheinlich in den nächsten Wochen zum „Showdown“ vor Gericht. Nachdem der Termin bereits zwei Mal verschoben wurde, ist die Anhörung nun auf den 17. März festgesetzt. Diese ständigen Verschiebungen von Lehman sind grundsätzlich nicht schlimm, allerdings bleibt natürlich bis zu diesem Termin die Unsicherheit im Markt. Welche Taktik Lehman damit verfolgt, ist unklar.

Unsicherheit um Lehman-Prozess deckelt Aktienkurs

Die große Frage ist nun natürlich, was im schlimmsten Fall auf Norton Gold Fields zukommen könnte. Wir gehen davon aus, dass das Gericht eine vollständige Rückzahlung der Anleihe von Norton verlangen kann, was einer Zahlung von 28 Millionen AUD entsprechen würde. Sollte es für Norton ganz hart kommen, so wäre auch ein Ausgleich des entgangenen Gewinns für Lehman aus den Vorwärtsverkäufen möglich. Denn Lehman hätte das Gold ja für 875 AUD kaufen und dann zum jeweiligen Marktpreis, der natürlich höher war, verkaufen können. Bei 90.000 Unzen, die von Norton am Markt verkauft wurden und einer entgangenen Gewinnspanne von rund 300 AUD, wären dies weitere 27 Millionen AUD. Der „Worst Case“ liegt also unserer Meinung nach bei 55 Millionen AUD. Dies würde die Cashposition auf 27 Millionen AUD abschmelzen lassen. Kritisch wäre nur, wenn das Gericht beschließen würde, dass Norton auch die noch offenen Goldverkäufe bedienen müsste.

Die andere Seite ist aber, dass bei einer Entscheidung zugunsten von Norton Gold Fields die Aktie explodieren könnte. Der Gerichtstermin hängt wie ein Damoklesschwert über dem Aktienkurs von Norton und sollte es zu einer positiven Gerichtsentscheidung kommen und die Zahlungen deutlich niedriger ausfallen, so könnte die Aktie befreit aufsteigen.

„Norton ist der günstigsten Goldproduzent den wir kennen“

„Wo Licht ist, ist auch Schatten“! Doch bei Norton Gold Fields überwiegen für uns ganz klar die positiven Aspekte und die Chance auf eine milde Entscheidung vor Gericht. Selbst wenn der absolut schlimmste Fall eintreten sollte und Norton zur Zahlung von 55 Millionen AUD verpflichtet würde, wäre das Unternehmen immer noch kerngesund! Sollte das Gericht entscheiden, dass Norton die noch offenen Vorwärtsverkäufe ebenfalls bedienen muss, werden wir unsere Einschätzung überprüfen.

Den Blick auf das Wesentliche nicht verlieren: Norton ist einer der günstigsten Goldproduzenten weltweit (Foto: Norton Gold Fields)Die Aktie ist weltweit der günstigste Goldproduzent den wir kennen. Die Bewertung des sieben Millionen Unzen Goldvorkommens ist schon fast lächerlich und alles wird auf die anstehende Gerichtsverhandlung abgestellt. Wir möchten jedoch den Blick für das Wesentliche nicht verlieren und haben uns deshalb für einen Kauf von Norton entschieden. Den anstehenden Gerichtstermin in den nächsten Wochen sehen wir eher als Chance an, dass der Markt positiv überrascht werden könnte! Unser erster fairer Wert liegt trotz des Gerichtstermins bei 0,50 AUD je Aktie. Die entspricht zum einen einer Bewertung von 50 AUD je vorhandener Unze Gold (unterer Marktdurchschnitt bei produzierenden Goldunternehmen) und zum anderen einem KGV von 7.

Wir haben bewusst erst eine Anfangsposition gekauft, da wir nicht einschätzen können, wie der Gerichtstermin ausgeht, wie lange sich die Verhandlungen hinziehen und vor allem wie der Markt die Entscheidungen interpretieren wird. Allerdings ist Norton Gold Fields auch eine Chance, wie sie nicht alle Tage zu finden ist. Wenn das Unternehmen die Geschichte mit Lehman ausgestanden hat, die Produktion voll läuft und der Goldmarkt nur halbwegs das aktuelle Niveau hält, sind auch Kurse von 0,75 AUD bis 1,00 AUD nicht mehr als fair! Wir kauften daher in der vergangenen Woche für unser Wachstumsdepot 25.000 Aktien von Norton Gold Fields mit Limit 0,21 AUD (0,135 Euro) direkt in Sydney.


Aktien-Info

NORTON GOLD FIELDS LIMITED
WKN: A0ETNR
ISIN: AU000000NGF2
LEHMAN BROTHERS HOLDINGS INC
WKN: 891041
ISIN: US5249081002
Herkunft: USA
Branche: Finanzdienstleistungen
Nachrichten:  LEHMAN BROTHERS HOLDINGS INC

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.
Februar 9, 2010

3 Gedanken zu „Niedrige Bewertung und hohe Cashreserven: Rechtsstreit hemmt Aktie von Norton Gold Fields

  1. Thomas

    „Dann kam die Pleite von Lehman. Seit diesem Zeitpunkt hat Norton die Vorwärtsverkäufe nicht mehr bedient und das Gold nicht zu dem fest vereinbarten Preis von 875 AUD je Unze verkauft, sondern zum deutlich höheren Marktpreis. Dies war auch das gute Recht von Norton, da Lehman in die Insolvenz schlitterte.“

    Das stimmt so nicht. Nur weil Lehman insolvent ist, dürfen noch lange nicht die Verträge gebrochen werden, vor allem wenn Lehman damit Gewinn machen würde. Lehman muß ja die vielen Gläubiger bedienen, denen sie selbst noch Geld schulden. Insofern wird Norton diesen Prozess in jedem Fall verlieren und muß den kompletten Vertrag erfüllen, einschließlich die bisher nicht getätigten Vorwärtsverkäufe der 175.000 Unzen.

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