Öl kratzt trotz US-Rezession an 110 USD-Marke: Was will uns der Ölpreis sagen?


RohstoffraketenFür diejenigen, die sich nie mit dem Öl- und Rohstoffmarkt befasst haben, bricht seit Wochen eine Welt zusammen. Warum steigt der Ölpreis immer weiter? Bei einer US-Rezession und Wachstumsabschwächung müsste er doch eigentlich fallen. Schließlich wurden im vorherigen Boom der Wirtschaft die Kapazitäten erweitert und bei einer dann geringeren Nachfrage muss der Preis ja fallen. So ist die Denkweise, wie man sie (theoretisch) an der Uni gelehrt bekommt und die natürlich in der „Praxis 2008″ völlig versagt! Man achtet lieber auf kurzfristiges Angebots-/Nachfrage-Verhalten, verliert dabei aber den eigentlichen Grund der Ölhausse aus den Augen!

Lieber hätten die Analysten, die seit 60 USD nicht müde wurden zu schreiben, dass Öl auf 30 USD fällt (um dann bei 80 USD zu schreiben, dass es auf 50 fällt usw), sich einmal die Mühe machen sollen, das große Bild zu betrachten. Wir zitieren aus unserer Rohstoffstudie 1 (Dezember 2005; Ölpreis damals 59 USD)

Die Erschöpfung der Ölfelder und das globale Höchstfördermaximum

Wir finden heute für vier verbrauchte Barrel nur ein neues Barrel Öl. Bereits in den 50er Jahren erreichten die weltweiten Ölfunde ihren Höhepunkt. Mehrere Jahrzehnte danach wird auch die globale Ölproduktion noch in dieser Dekade ihr Maximum überschreiten. Dieser Ölpeak ist ein unglaublicher Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Wir erreichen jetzt die Halbzeit des Ölzeitalters. Während Öl in der ersten Hälfte billig und ausreichend vorhanden war, wird es in Zukunft knapp und teuer. Die weltweiten Förderraten werden ab jetzt nur noch zurückgehen.

Die Folge: Sowohl die Ölproduktion als auch die Erschließung von Ölfeldern werden immer teurer. Der Ölpreis dürfte nach einer Korrektur im Jahr 2006 noch in dieser Dekade die Marke von 100 Dollar überspringen. Unser komplett auf fossile Brennstoffe und auf Öl aufgebautes Wirtschaftssystem steht vor einem Umbruch. Auch auf die Gesellschaft als Ganzes kommen tief greifende Umwälzungen zu.“

In der Folge dieser Basisstudie, die hoffentlich jeder Abonnent als Basiswissen gelesen hat, haben wir erklärt, warum man den Angaben der Ölkonzerne und den Konsensschätzungen der Reichweiten der Ölreserven nicht vertrauen kann. Wir berichteten über die Ölfunde der letzten Jahrzehnte und gingen auf die großen Ölfelder und den typischen Produktionsverlauf während der Ausbeutung ein. Hier ein weiterer Auszug:

Der drohende Produktionsverfall in den „Elefantenfeldern“

Weltweit gibt es eine Vielzahl von Ölfeldern; ihre Zahl geht in die Zigtausende. Besonders brisant ist allerdings, dass die 120 größten Ölfelder der Welt mehr als 50 Prozent des weltweiten Ölbedarfs liefern. Die Gefahr besteht allerdings nicht nur darin, dass die ganze Welt hauptsächlich von einigen wenigen großen Ölfeldern abhängig ist. Diese Riesenfelder – die im Branchenjargon „Elefantenfelder“ genannt werden – sind auch noch sehr alt. Da sie ein Alter von mehreren Jahrzehnten aufweisen, haben sie ihr Höchstfördermaximum schon erreicht oder stehen jetzt ganz kurz davor. So geht die Förderrate des einstigen norwegischen Elefantenfeldes Statjford – welches mit einer Förderkapazität von ehemals 4,6 Milliarden Barrel das größte aller norwegischen Ölfelder ist – seit mehreren Jahren spürbar zurück. Dieses Ölfeld markierte bereits im Jahr 1991 sein Höchstfördermaximum; bereits im Jahr 1998 produzierte Statjford schon 58 Prozent weniger als zu seiner 7
Jahre früher erreichten Hochzeit! Statjford ist ein besonders gutes Beispiel, um klarzumachen, mit welch rapider Geschwindigkeit die Produktionsraten zurückgehen, wenn ein Ölfeld erst einmal sein Höchstfördermaximum erreicht hat.“

Das Öl aus den OPEC-Staaten bietet keine Rettung!

Wenn wir hören oder lesen, dass die OPEC „jederzeit“ die Förderung erhöhen könnte, dann müssen wir darüber lachen (obwohl es eher zum Weinen wäre), für wie dumm die Masse verkauft wird!

Wir zitieren erneut aus unserer Rohstoffstudie 1:

„Das weltweite Höchstfördermaximum der Nicht-OPEC-Länder wurde bereits im Jahr 2000 erreicht. Daher werden die Energiebehörden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die OPEC jederzeit auf Knopfdruck die Förderung hochfahren kann. In Wahrheit produziert die OPEC jedoch schon heute hart an der Kapazitätsgrenze. Insbesondere das Königreich Saudi-Arabien soll noch über Ölreserven verfügen, die angeblich noch Jahrzehnte lang reichen. Nimmt man das Ganze allerdings erst einmal akribisch unter die Lupe, so stellt man fest, dass in Saudi-Arabien seit 1970 nur ein einziges nennenswertes Ölfeld gefunden wurde (Hawtah Trend; derzeitige Tagesproduktion: jämmerliche 190.000 Barrel). Die Elefantenfelder Ghawar, Abqaiq, Safaniya, Marjan & Co. wurden alle im Zeitraum von 1940 bis 1967 entdeckt. Diese Riesenfelder sind somit im Durchschnitt bereits 50 Jahre und mehr alt. Damit aber nicht genug: In diesen Feldern sind – von der Öffentlichkeit bisher noch unbemerkt—irreparable Schäden entstanden. Um den Förderdruck auch nur ansatzweise aufrechterhalten zu können, sieht man sich gezwungen, gigantische Mengen an Wasser in die Felder zu pressen. In Saudi-Arabien wird also derzeit kein reines Öl mehr gefördert, sondern vielmehr ein Wasser-Ölgemisch. Der Wasseranteil an dem Öl aus den saudi-arabischen Elefantenfeldern soll derzeit bereits 40 Prozent ausmachen. Was das bedeutet, kann sich wohl jeder selbst ausrechnen: Ist der Förderer erst einmal gezwungen, Wasser einzusetzen, so ist dies ein untrügliches Anzeichen dafür, dass bereits die Hälfte des Ölfeldes ausgebeutet wurde. Dies aber wiederum bedeutet, dass das Höchstfördermaximum des Feldes erreicht wurde. Die zweite Hälfte wird man nur unter sehr hohen Kosten herausholen können.

Noch einmal: Ist erst einmal die Hälfte des Öls in einem Ölfeld gefördert worden, so steht das verbleibende Öl wenig unter Druck. Da es dann nicht mehr von alleine durch das Bohrrohr in die Höhe schießen kann, muss Wasser unter das restliche Öl gepumpt werden. Dadurch wird das schwarze Gold in die Höhe gedrückt. All dies verursacht jedoch einen immensen Aufwand und führt zu drastisch erhöhten Kosten.“

Fazit: Der Ölpreis wird unserer Meinung schon lange nicht mehr von klassischen Angebots-/Nachfrage-Verhältnissen bestimmt, sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass es kein billiges Öl mehr gibt. Die Zeit des billigen Öls ist vorbei!
Je höher der Ölpreis steigt, desto eher besteht die Wahrscheinlichkeit, das Erdölzeitalter zu verlängern, da dann neue, ökonomisch bislang wenig lukrative Lagerstätten nutzbar werden.

Dafür muss der Ölpreis jedoch dauerhaft hoch bleiben. Wir sehen die Untergrenze inzwischen bei 70 USD. Darunter dürfte der Preis kaum noch einmal fallen. Da unser Ziel von 100 USD für diese Dekade, (aus der Studie vom Dezember 2005) früher erreicht wurde, als gedacht, könnte sich die Lage als wesentlich schlimmer darstellen, als damals vermutet. Langfristig (ab 2010) halten wir auch Ölpreise jenseits von 200 USD für möglich! Darauf sollte man zumindest vorbereitet sein!

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von Orsus Consult GmbH aus dem Börsenbrief Rohstoffraketen vom 12. März 2008 übernommen.


März 14, 2008

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