Investment-Check: Bei Praktiker droht der Ausverkauf


Bei Praktiker läuft's nicht rund (Foto: Praktiker)Die Aktie von Praktiker ist seit Jahren ein Zocker-Wert. Zeitweise sah es sogar danach aus, als könne der gebeutelte Baumarkt-Konzern wieder in die Spur kommen. Seit einigen Tagen schwindet allerdings die Hoffnung.

Fundamentale Aussichten

Im vergangenen Jahr stand die Baumarkt-Kette Praktiker, zu der auch die Marke Max Bahr gehört, vor der Pleite. Doch das Ruder wurde vorerst herum gerissen: Kürzlich vermeldete das Unternehmen für 2012 einen mit 189 Millionen Euro um zwei Drittel geringeren Verlust als noch im Vorjahr. Das negative Detail: Der Aufschwung ist weitgehend auf Sondereffekte zurückzuführen. Von der Hoffnung, welche die Zahlen zum vierten Quartal 2012 noch geweckt hatten, ist am Markt nichts mehr zu spüren. Der Weggang von Finanzvorstand Markus Schürholz im Mai lässt viele Anleger mit mulmigen Gefühlen zurück. Schließlich war Schürholz auf der größten Baustelle des Unternehmens tätig: Praktiker ist hoch verschuldet – fast alles, was von Wert ist, ist verpfändet. Bis Januar 2016 muss das Unternehmen Kredite zurückzahlen, die jährlich etwa 13 Prozent Zinsen kosten.

Ein pikantes Detail besagt, dass die lebensnotwendigen Kredite sogar vorzeitig gekündigt werden können, sollte Praktiker gewisse Liquitätskennzahlen unterschreiten. Auch die teilweise Trennung der Geldverwaltung zwischen Max-Bahr-Märkten und dem Rest des Unternehmens spricht dafür, dass das Unternehmen im Notfall handlungsfähig sein will. Ein Verkauf der relativ gesunden Sparte Max Bahr ist daher möglich.

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Sektor-Einschätzung

Während der vergangenen dreißig Jahre hat sich die Zahl der Baumärkte in Deutschland mehr als verdreifacht. Die Verkaufsfläche je Baumarkt wuchs in dieser Zeit ähnlich stark. Doch inzwischen sind die Zeiten des großen Wachstums vorbei. Die Umsätze von Baumärkten kletterten zuletzt nur noch langsam, der Markt ist gesättigt. Zwar gibt es nachwievor einen Trend zu Gartenarbeit und Heimwerken, doch sorgt das große Angebot für Konkurrenzdruck und schwindende Margen. Vor allem Praktiker hat dieser Verdrängungswettbewerb („20 Prozent auf alles, außer…“) nicht gut getan.

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Charttechnik

Hoffnung verflogen - bei Praktiker ging es zuletzt deutlich abwärts (Chart: Godmode-Trader.de)Die Aktie von Praktiker war trotz ihrer schwierigen Vergangenheit nie ein Pennystock. Dass das Papier inzwischen nicht mehr wie noch vor einigen Handelstagen bei 1,50 Euro notiert, sondern um 1,20 Euro, spricht Bände und könnte ein Indiz für die Verschärfung der Lage bei Praktiker sein. Die Aktie befand sich nach einem Zwischenspurt um den Jahreswechsel in einer Konsolidierungsbewegung. Seit dem Kurssturz vom vergangenen Montag kann von einer Konsolidierung keine Rede mehr sein. Steigt die Aktie nicht binnen kürzester Zeit wieder in den Bereich von 1,40 Euro, ist von weiter sinkenden Kursen auszugehen.

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Gesamtmarkt

An den Börsen ist die Verunsicherung zuletzt wieder etwas größer geworden. Auch wenn sich dies bislang nicht in deutlichen Kursverlusten nieder geschlagen hat, dürften Anleger von spekulativen Investments erst einmal die Finger lassen.

Fazit

Die Lage bei Praktiker ist desolat. Kündigen Gläubiger Kredite, kann es jederzeit zum Äußersten kommen. Derzeit eignet sich die Aktie nur für Zocker, die sich mit dieser Art von Werten auskennen. Es empfiehlt sich derzeit nicht, die Aktie von Praktiker über Nacht im Depot zu halten.

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März 26, 2013

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