Rezension:
“Der Börsenschwindel” von Günter Ogger.
Wie bereits erwähnt, soll mein kleines Projekt Informationen bieten und auch dabei helfen, im Informationsdschungel, das Wichtige zu erkennen. Für meine erste Buchrezension habe ich mir ein sehr kritisches Buch ausgesucht. “Der Börsenschwindel” beschreibt das Zusammenspiel von Banken, Finanzjournalisten und Vorständen und steht eindeutig im Zeichen des zusammenbrechenden Neuen Marktes. Das Buch startet sehr schwach. Da werden Fachbegriffe falsch verwendet, die Börse pauschal als Glücksspiel bezeichnet und das gesamte Marktgeschehen negativ dargestellt. Bezeichnend, dass Günter Ogger selbst dem Begriff “Streubesitz” in kleinkarierter Weise etwas “Diskriminierendes” abgewinnen kann. Naiv wird zudem eine “Aktionärsdemokratie” gefordert und kritisiert, dass die Vorstände die Geschicke des börsennotierten Unternehmens leiten, anstatt dies die Aktionäre mittels demokratischer Verfahren “machen” zu lassen.Nach den Peinlichkeiten der ersten sechzig Seiten jedoch, wandelt sich das Buch zu einer netten Feierabendlektüre.
Namen wie Förtsch, Opel und Prior fallen, zahlreiche Insidergeschäfte ehemaliger Stars am Neuen Markt werden erwähnt und Geschäftsbeziehungen zwischen den Profiteuren des “Millionenspiels” aufgedeckt. In den zahlreichen Geschichten längst vergangener Zeiten, liegt eindeutig die Stärke dieses Buchs. Hatte ich mir auch bei der Auswahl des Titels eher Informationen über die Methoden der Kursmanipulation und tiefere Einblicke in das gesamte System erhofft, so muss ich dem Buch zwar einen geringen Informationsgehalt, wohl aber einen hohen Unterhaltungswert attestieren.Denn was soll der Kleinanleger mit dem Wissen über vergangene krumme Geschäfte schon anfangen? Viel interessanter wäre doch die Analyse und das Aufzeigen von Parallelen gewesen, sodass man aus der Vergangenheit lernen kann. “Der Börsenschwindel” aber bleibt an der Oberfläche. Abschließend stellt Ogger “10 goldene Regeln” auf, die zwar größtenteils in Phasen stark steigender Märkte ignoriert werden können, die man aber dennoch in die eigene Börsenstrategie einfließen lassen kann. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass der Anleger von Ogger als handlungsunfähiges Opfer dargestellt wird, das völlig fremdbestimmt vergisst, bei fallenden Kursen zu verkaufen. Sich kurzfristig von Analysten und Journalisten leiten zu lassen mag menschlich sein, sich nach der Trendwende auf Kommando in ein fallendes Messer zu stürzen, ist Selbstverschulden.










