Rezension: „Das Lemmingprinzip“ von Gary Belsky/ Thomas Gilovich


Das Lemmingprinzip
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für 29,90 Euro Versandkostenfrei. Zum Bestellen Bild anklicken!„Das Lemmingprinzip. Oder: Wieso auch clevere Leute im Umgang mit Geld schwere Fehler machen, und wie man diese korrigiert“

Ich liebe es, menschliches Verhalten zu beobachten – besonders im Umgang mit Geld. So entdeckte ich das Buch „Das Lemmingprinzip„. Ein ungewöhnlich ausgedehnter Start – rund 16 Seiten Einleitung – ließ meine Spannung steigen. Und ich wurde nicht enttäuscht. In sieben Kapiteln analysiert der Autor, wie Menschen finanzielle Entscheidungen treffen: Sie gehen dabei nicht unbedingt rational vor. Es lauern emotionale Fallen. Mithilfe des Behavioural-Economics-Ansatzes werden problematische Situationen aus dem Alltag beleuchtet und Vorschläge zur Vermeidung von Fehlern angeboten.

Es werden die psychologischen Mechanismen beim Kauf von Alltagsprodukten erklärt und wie die Werbewirtschaft diese berücksichtigt. So besagt beispielsweise der Endowmenteffekt, dass uns drohende Verluste mehr motivieren als mögliche gleichwertige Gewinne. Anders gesagt, Menschen bewerten ihren Besitz höher, als er wahrscheinlich ist.

Ein weiteres Phänomen: mental accounting. Die geistige Buchführung bewirkt, dass Menschen ihre Ausgaben gedanklich in Kategorien beziehungsweise Konten einteilen. Dies kann zu Verzerrungen und somit fehlerhaften Entscheidungen führen oder bewusst genutzt werden. Wer das geerbte Geld der geliebten Großmutter ehrfurchtsvoll konservativ anlegt und auf Kreditkäufe hohe Zinsen löhnt, zahlt drauf. Beim Thema der so genannten Entscheidungslähmung konnte ich eigenes Verhalten wiedererkennen. Eindrucksvoll wies man in zahlreichen Studien nach: je mehr Auswahlmöglichkeiten den Menschen zur Verfügung stehen, desto schwerer fällt es überhaupt, eine Entscheidung zu treffen. Auch der hohe Bestand auf Sparbüchern wird zum Teil darauf zurückgeführt.

Diese und weitere Erkenntnisse über das teilweise irrationale Entscheidungsverhalten bringen mich schon zum Nachdenken, nein zum Umdenken. Menschen, die dieses Buch gelesen haben, werden mit Sicherheit im Umgang mit Geld erfolgreicher sein. Etwas irritiert haben mich einige offensichtlich typisch amerikanischen Beispiele des Sparens. In deutsche Verhältnisse übersetzt muss es sich um etwas ähnliches wie die Riesterrente handeln.

Es ist bereits das zweite Buch, das mir sagt, ich leide an Selbstüberschätzung, wenn ich glaube, renditeorientierte Käufe und Verkäufe am Finanzmarkt durch eigene Entscheidungen tätigen zu können. Außerdem erinnern mich manche Empfehlungen der Autoren an den Ratschlag eines Börsengurus: „…investieren und sich dann schlafen legen“. Insgesamt ein sehr wertvolles Buch. Es ist eine gute Kaufentscheidung – vorausgesetzt Ihr mentales „Buchkonto“ weist diesen Monat noch etwas Kapazität auf.


Februar 28, 2008

2 Gedanken zu „Rezension: „Das Lemmingprinzip“ von Gary Belsky/ Thomas Gilovich

  1. marc

    jaaaa lemminge sind überrall in forsys, sabina, globex, freegold, mustang…alles schrott und die lemminge heben den schrott hoch 🙂

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  2. Christian Müller Beitragsautor

    Eine sehr schön geschriebe Rezension!

    Richtig ist auch man soll nicht an Selbstüberschätzung leiden, sondern lieber Demut gegenüber den Markt üben! Allerdings ist es durchaus möglich Rediteorientierte Käufe und Verkäufe durchzuführen, es ist ein Kampf gegen die eigene Psyche den es zu gewinnen gilt. Aussderm sollte man nach meiner Meinung nicht wie ein Lemming jede Nachricht glauben die man in der Presse oder in Newslettern liest. Nur das Erarbeiten eigener Analysen/Systeme, und das ist Arbeit(!), kann zu erfolg führen und zu einigen Überraschungen. Interessant ist auch das Anleger nicht in Fonds gehen und denken mit Kaufempfehlungen besser zu arbeiten als ein Fondverwalter der sich den ganzen Tag damit beschäftigt.

    Fazit: Wer nicht Arbeit investiert, wird langfristig auch keine guten Renditen erzielen!

    Gruss
    Christian

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