Steht uns ein Kursrutsch bevor?


Konsolidierung oder der Anfang eines Bärenmarktes? (Chart: Guidants.com)

Konsolidierung oder der Anfang eines Bärenmarktes? (Chart: Guidants.com)

Die Stimmung am Markt ist bärisch. Der Ölpreis fällt und fällt und kaum ein Anleger findet fundamentale Gründe dafür, dass Aktien auch 2016 ihren Höhenflug fortsetzen werden. Stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung. Wie bereits seit Jahren hoffen Anleger darauf, dass die Notenbanken auch 2016 ihre seit der Finanzkrise neu erworbene Rolle als Markthüter wahrnehmen und die Liquiditätsschleusen öffnen. Doch die Realität sieht bereits anders aus: In den USA gab es kürzlich eine Leitzinserhöhung. Auch in Europa zeigte sich die Zentralbank eher abwartend. Die Abkehr von der expansiven Geldpolitik ist heute wahrscheinlicher denn je. Und was machen die Kurse? Quittieren die Entscheidung der EZB nur in einer ersten Reaktion enttäuscht und zeigen sich ob des Zinsschritts der US-Notenbank mitsamt vorsichtig vorgetragener Einschätzung zur Wirtschaftslage gar erleichtert. Ist nun wieder alles gut?

Anleger halten noch die Füße still

Rund eintausend Punkte höher als noch vor einem Jahr notiert der DAX derzeit. Gerade dies könnte ein Argument dafür sein, dass der große Rutsch am Aktienmarkt noch bevor steht. Insbesondere vor dem Jahresende achten Profi-Anleger darauf, dass die Performance stimmt – mit den Zahlen von 2015 sollen im kommenden Jahr schließlich Kunden angelockt werden. Und so macht sich am Markt trotz der schlechten Rahmenbedingungen Gleichgültigkeit breit. Oberflächliche Betrachter nennen dies Feiertagshandel, kritische Stimmen die Ruhe vor dem Sturm.

Privatanleger sitzen schon auf Buchverlusten

Mit dem Jahreswechsel beginnt auch für Fonds eine neue Zeitrechnung. Die Performance steht plötzlich bei null. Angesichts des mauen Marktumfeldes könnten sich viele Investoren gezwungen sehen, das Risiko zu minimieren. Dies lohnt sich auf dem aktuellen Niveau natürlich mehr als nach einem Kursrutsch. Es könnte daher wahrscheinlich sein, dass der Markt bereits in den letzten Handelstagen unter Druck gerät.

Kürzlich beichtete mir ein Bekannter, die Aktien machten ihm Sorgen. Dieser Satz ist bezeichnend für die Situation, in der sich viele Privatanleger befinden. Nach den Krisen der vergangenen Jahre sind viele Kleinanleger erst 2015 an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Zwar weisen Aktien auf Jahressicht auch heute noch Gewinne auf, doch sind viele Privatanleger zu spät eingestiegen und sitzen bereits heute auf Buchverlusten. Die kleinste Verunsicherung am Markt ist daher dazu geeignet, weitere Verkäufe nach sich zu ziehen.

Stabile Kurse trotz Verunsicherung

Glücklicherweise ist dieses Negativ-Szenario nicht alternativlos. Die Konjunkturdaten der wichtigsten Volkswirtschaften haben sich zuletzt erholt und zu Aktien gibt es auch 2016 keine wirkliche Alternative. Dennoch ist diese Anlageklasse bereits ambitioniert bewertet und mit dem Ende der lockereren Geldpolitik könnte die wichtigste Triebfeder steigender Märkte 2016 endgültig wegfallen. Hinzu kommt das beunruhigende charttechnische Signal, dass Aktien seit ihrem Hoch im April 2015 konsolidieren. Ob dies bereits der Anfang eines Bärenmarktes ist oder nur eine Verschnaufpause auf dem Weg nach oben, kann aus heutiger Sicht niemand seriös beurteilen. In einer Marktphase, in der die Unsicherheit gewachsen und die Kurse zugleich weitestgehend stabil geblieben sind, bietet sich eine geringere Investitionsquote jedoch geradezu an.


Aktien-Info

DAX (Performance)
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.
Dezember 21, 2015

3 Gedanken zu „Steht uns ein Kursrutsch bevor?

  1. Dieter Stüttgen

    Irgend etwas scheint sich am Aktienmarkt zusammenzu brauen…
    oder vielleicht auch nicht. Wer weiss.

    Die Rohstoffpreise sind gehörig unter Druck.
    Auch Agrarrohstoffe machen keine Freude.

    Der Baltic Dry Index signalisiert Gefahr.
    Mehr noch beunruhigen mich Nachrichten über fehlende
    oder rückläufige Investitionen.

    ZEW- Zukunftserwartung deutlich eingetrübt.
    Politische Unsicherheiten in Europa und in der Welt.
    Schwäche der Schwellenländer.

    Eines jedoch gibt meiner Meinung nach Anlass zur Hoffnung:
    Im Gegensatz zu vielen Marktbeobachtern sehe
    ich die Aktienkurse auf breiter Front als sehr günstig an.
    Das war Ende 2007 ganz anders.
    Damals konnte ich nicht einmal eine Aktie finden,
    die ich als nur fair bewertet einstufen konnte.
    Heute ist das anders.
    Teilweise extrem günstige Aktienkurse, nahezu in jedem Sektor.

    Warten wir also ab, welche Faktoren am Ende gewichtiger sein
    werden. Die konjunkturelle Schwäche, die überall greifbar ist oder
    die günstige Bewertung von Aktien.

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