Als Trading-Globetrotter in aller Welt unterwegs: Interview mit Manfred Ries


Manfred Ries ist an den Stränden der Welt zu Hause: 'Eine Kursschwankung im Tagesbereich darf mich nicht aus der Fassung bringen'Manfred Ries (40) ist gelernter Bankkaufmann, ausgebildeter Wirtschaftsjournalist und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Seine Banktätigkeit lag im Bereich Devisenhandel, Firmenkundengeschäft und Vermögensberatung. Die erste größere Reise führte ihn nach der Bankausbildung für ein halbes Jahr nach Südamerika – privat. Seither kombiniert Manfred Ries Beruf, Trading und Reisen und lebt heute den Großteil des Jahres im Ausland. Seit Mai betreut Ries als Chefredakteur die neue Publikation „Sunset Trader – das Journal für Trading, Leben und Genießen weltweit“ aus dem Hause Stockstreet GmbH. Kontakt: redaktion@sunset-trader.de

Aktien-Blog: Herr Ries, Sie sind seit Jahren auf der ganzen Welt unterwegs und führen ein Leben als Trading-Globetrotter. Was genießen Sie an diesem Leben besonders?

Ries: Wie vieles im Leben hat alles mit einem Traum angefangen: Dort zu leben, wo andere Urlaub machen – und dabei ein anständiges „Gehalt“ zu verdienen. Genau das ist mit dem Trading im Ausland heute möglich.

Es ist für mich aber nicht nur die Suche nach tropischem Klima oder schönen Sandstränden. Ich liebe es seit jeher, in fremde Kulturen einzutauchen, fernab des Touristenlebens. Zum Beispiel habe ich vergangenes Jahr vier Monate in der Altstadt von Damaskus/Syrien gelebt und dabei mein Arabisch vorangetrieben. Schnell lernen Sie Syrer kennen, mit denen Sie in die Stadt eintauchen, die Ihnen als Tourist stets fremd geblieben ist. In den verschlungenen Gässchen des Suqs lebt der Orient fort – und Sie plötzlich mittendrin – beeindruckend. Und wenn der Ober im Teehaus morgens Ihren Chai auf Ihren Stammplatz stellt, sobald er Sie kommen sieht, dann sind Sie ein Teil der Bevölkerung und können Ihren Aufenthalt genießen.

„Länder- und Sprachkenntnisse sind eine hervorragende Grundlage für finanziellen Erfolg“

Aktien-Blog: Das klingt sehr idyllisch. Ich kann mir gut vorstellen, wie bereichernd es ist, in fremde Kulturen einzutauchen und so einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Gab es in der Vergangenheit Situationen, in denen Sie von Ihrer authentischen Kenntnis fremder Kulturen finanziell profitieren konnten?

Ries: Ich war früher in Lateinamerika für Siemens und für die Deutsche Außenhandelskammer tätig. Gerade deutsche Firmen im Ausland lechzen nach Leuten, die sich in der Zielregion auskennen, die Sprache beherrschen und gleichzeitig eine deutsche Lebens- und Arbeitseinstellung mitbringen. Damit lässt sich beruflich gesehen auch in Krisenzeiten noch gutes Geld verdienen.

Aber auch was das Trading anbelangt, liegen Sie oftmals eine Nasenlänge voraus. Politische Spannungen oder wirtschaftliche Gefahren können Sie bereits im Vorfeld erkennen, wenn Sie die öffentliche Diskussion und die Medien im entsprechenden Land aufmerksam verfolgen. So zeigte sich die internationale Finanzwelt überrascht, als die argentinische Regierung Ende vergangenen Jahres die privaten Rentenfonds verstaatlicht hat – der argentinische Merval-Index rutschte stark ab, gefolgt von den Anleihekursen. Ich war zu dieser Zeit in Argentinien – Gerüchte bezüglich einer Verstaatlichung der Rentenfonds gab es schon vorher.

Darüber hinaus trägt mich meine Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist sehr häufig nach Lateinamerika und in den Nahen Osten. So hat aktuell ein Magazin für die Immobilienbranche eine Dubai-Story von mir drin, dafür ging es im Vormonat in die Emirate. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich würde sagen, Länder- und Sprachkenntnisse sind eine hervorragende Grundlage dafür, um finanziell davon zu profitieren. Man muss es nur verstehen, wie man sein Wissen gewinnbringend einsetzt.

Aktien-Blog: Wo leben Sie eigentlich gerade und welche Länder haben Sie für die nächsten Reisen im Blick?

Ries: Ende Juni geht es für eine Börsenpublikation nach Großbritannien. Zwar nur für drei Tage, aber für London scheint mir das ausreichend – wahrscheinlich regnet es wieder den ganzen Tag. Im Juli führt mich ein journalistisches Projekt für zwei Monate in den Nahen Osten – mehr wird noch nicht verraten. Und einer der kommenden Ausgabe des Sunset Trader wird sich intensiv dem Trading-Paradies Asien auseinandersetzen…

„Trading heißt nicht zwangsläufig, dass man im Sekundentakt handelt“

Aktien-Blog: Oftmals liest man in der Fachliteratur, Trader sollten auf eine erstklassige technische Ausstattung und einen soliden Tagesablauf achten, um möglichst unverfälscht von äußeren Einflüssen handeln zu können. Wie ist das mit einem Leben an den Traumstränden der Welt vereinbar? Schließlich gehen die Uhren im Paradies anders…

Ries: …und das ist auch gut so! Natürlich sollten Sie die Zeitumstellung bei Ihrer Trading-Destination berücksichtigen. Dann müssen Sie in Mexiko schon mal damit rechnen, nachts um Drei den Markt zu verfolgen. Für solche Regionen suche ich stets ein Hotel mit kostenfreiem WLAN-Zugang aus. Wenn Sie Langschläfer sind, sollten Sie sich Asien anschauen: dort verpassen Sie in Frankfurt auch dann nichts, wenn Sie bis 14 Uhr schlafen.

Außerdem heißt Trading ja nicht zwangsläufig, dass man acht Stunden am Tag im Sekundentakt handelt. Wer sich als Trader auf den mittelfristigen Trend verlässt, kann ein paar mal pro Tag seine Positionen checken und Stoppkurse nachziehen. Damit lässt sich auch gutes Geld verdienen.
Was die Chartbeobachtung anbelangt: Es finden sich heute eine Vielzahl guter und kostenloser Charttools im Internet. Die Kurse zwar zeitverzögert, aber aktuelle Quotes gibt kostenfrei etwa über viele Direktbroker oder für wenige Euro im Monat bei Anbietern von Finanzportalen.

Hierzu will ich betonen, dass die Infrastruktur, gerade in Sachen Internetverbindung, in der Mehrzahl der Länder hervorragend ist, selbst in exotischen Gebieten wie Paraguay. In den Tropen sind Internetcafés weiter verbreitet als hier. Dabei sind diese heute bereits blendend ausgestattet, etwa mit Flachbildschirmen im Breitformat. Manche Internetcafés haben rund um die Uhr geöffnet – das habe ich kürzlich erst in Montevideo/Uruguay erlebt. Dort bekommen Sie eine Stunde High-Speed-Surfen für einen Euro – fantastisch!

Aktien-Blog: Verfolgen Sie eine bestimmte Trading-Strategie, die Sie im Ausland anwenden?

Ries: Nun, mit folgender Strategie habe ich im Ausland gute Erfahrungen gemacht: Ich geh in eine Position rein und lege gleichzeitig eine Verkaufsorder in den Markt mit einem Limit, das 20 bis 30 Prozent oberhalb des Einstiegskurses ist. Dann geht’s an den Strand. Bei einigen Internetplattformen können Sie Limits festlegen und werden beim Erreichen des Limits per SMS informiert. Dann liegen Sie in der Sonne und erfahren, dass Ihre vorher eingegangene Position mit 30 Prozent Plus veräußert wurde und Sie während der Zeit am Meer mehr verdient haben, als manch ein Banker in Frankfurt in der ganzen Woche – das ist ein wahnsinniges Erfolgserlebnis!

Aktien-Blog: Sie haben Ihre Trading-Strategie also sowohl an die in fremden Ländern vorhandene Infrastruktur als auch an ihren persönlichen Anspruch, die Vorzüge ferner Kulturen genießen zu wollen, angepasst. Dass Sie den Zielkurs eines Trades schon im Voraus festlegen, haben Sie bereits gesagt. Ähnlich werden Sie es mit der Absicherung ihrer Positionen handhaben. Ich würde mich in volatilen Zeiten mit riskanten Einzelwerten im Depot am Strand allerdings weniger wohl fühlen. Können Sie das nachvollziehen oder ist das nur die Kontrollillusion eines „Daheimgebliebenen“, die man durch die Auswahl der Investments und durch Moneymanagement kompensieren kann?

 'Das Leben und der Genuss dürfen nicht zu kurz kommen...' Ries: Vorab: Sie können mit Money Management nicht ‚kompensieren’ – Money Management ist ein unbedingtes Muss! Ich gebe Ihnen aber Recht: Es macht keinen Sinn mit hohem Einsatz in einen 40er-Hebel Turbo zu gehen und sich dann à la Kostolany Schlafen zu legen. Aber mit einem überschaubaren Kapitaleinsatz und einem Hebel von fünf – bei einem Stopploss, der anfänglich 20 bis 25 Prozent unterhalb des Einstiegslevels liegt – halte ich das für vertretbar. Ich habe aber schon die Erfahrung gemacht, dass ein ständiges „auf den Bildschirm schauen“ mehr verunsichert als weiterhilft. Wenn ich von einem Wert überzeugt bin, dann lasse ich ihm Zeit sich zu entwickeln; eine Kursschwankung im Tagesbereich darf mich da nicht aus der Fassung bringen. Wird der Trade ausgestoppt: Kein Problem. Dann war die Investmententscheidung ohnehin falsch. Jetzt könne Sie einwenden, dass diese Strategie mit Trading wenig zu tun hat. Bei aller Liebe zum Handeln darf aber auch der andere Part nicht zu kurz kommen: Das Leben und Genießen. Ausnahme: Stehen kursbewegende News an, etwa eine EZB-Entscheidung, dann können mich die Palmen rufen wie sie wollen – dann geht das Trading einfach vor.

„Als Trader im Ausland benötigt man Bescheidenheit und Selbstdisziplin“

Aktien-Blog: Ihr Börsenbrief „Sunset Trader“ hat den Untertitel „Das Journal für Trading, Leben und Genießen weltweit“ und richtet sich unter anderem an potenzielle Auswanderer. Welche Charaktereigenschaften sollten Trader mitbringen, um auch im Ausland erfolgreich handeln zu können?

 'Trotzdem läuft ohne Selbstdisziplin und regelmäßige Arbeit gar nichts' Ries: Trading ist Arbeit und nervenaufreibend, soviel vorab – und das gilt auch für einen Trader, der am Strand lebt. Mein Rat: Machen Sie Ihre Hausaufgaben! Sie müssen im Trading fit sein! Ohne Selbstdisziplin läuft gar nichts. Nehmen Sie sich feste Zeiten vor, an denen Sie vor dem Bildschirm sitzen: Zeiten fürs Analysieren, Trading und für die Kontaktpflege mit Trading-Kollegen in der Heimat.

Lernen Sie eine gesunde Bescheidenheit an den Tag zu legen! Gerade in Entwicklungsländern. Wenn Sie dort in der Kneipe mit ihrem 5000-Euro-Gewinn prahlen, locken Sie nicht nur Freunde an. In vielen Ländern liegt der Lohn für harte Arbeit bei 500 Euro – im Monat! Geben Sie sich vor Ort ruhig ärmer als Sie sind. Generell gilt: Wenn Sie im Ausland nicht wissen, was Sache ist, werden Sie verlieren. Auch das sind auch Themen, die wir monatlich im Sunset Trader ansprechen – wir verstehen uns sowohl als Coach in Sachen Trading als auch rund ums Thema Auswanderung.

Aktien-Blog: Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Tipp gerade in Schwellenländern Gold wert sein kann. Sind Sie schon einmal überfallen oder ausgeraubt worden?

Ries: Überfallen von Glücksgefühlen; ausgeraubt von der Börse. Es war der ‚schwarzen Montag’, 19. Oktober 1987 und ich dicke drin im Markt. Ich war im peruanischen Hochland, während in Asien und Europa die Börsen eingebrochen sind. Anhand der Tageszeitungen konnte ich erahnen, wie mich der Börsencrash erwischt hat. Das Wort Internet war damals wahrscheinlich noch nicht einmal geboren.

Was Gewalttaten vor Ort anbelangt: Wer viel im Ausland unterwegs ist, legt sich ein gesundes Misstrauen zu und ein Gespür für brenzlige Situationen; das kann weiterhelfen. Es ist wie im Tierreich: Das Raubtier sucht sich die für ihn leichteste Beute mit dem aussichtsreichsten Chance-Risiko-Verhältnis. Das Thema Kriminalität ist aber in vielen Schwellenländern nicht zu unterschätzen. Auch hier gilt: Man muss es verstehen, damit umzugehen.

„Vor der Dax-Eröffnung ins Meer hüpfen – ich liebe es!“

Aktien-Blog: In welchen drei Regionen lebt es sich nach Ihrer Ansicht als Trader am Besten?

Ries: Vorab: Trading darf nur ein Aspekt der Länderauswahl sein. Man muss sich mit der Region identifizieren können! Es macht keinen Sinn, seine Zelte in Ouagadougou zu errichten, nur weil dort das Leben 500 Euro billiger ist als in Deutschland und sich dann aber nicht traut, vor die Haustüre zu treten.

Von den Tradingzeiten her gesehen ist Asien top: Zeitlich ist die Region Deutschland um rund fünf Stunden voraus. Ich bin gerne in Thailand und Malaysia. Da können Sie dann vormittags – frisch ausgeschlafen – die Märkte analysieren und Orders platzieren. Anschließend zu Mittag essen, dann ins Meer hüpfen und von der Beach Bar aus der Dax-Eröffnung beiwohnen. Und das Ganze angenommen auch noch im Januar – ich liebe es!

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich persönlich mag Lateinamerika – seine Strände und seine Metropolen. Meine Favoriten sind Buenos Aires/Argentinien (lateinamerikanisches Flair bei europäischem Niveau); Paraguay (ursprüngliches Leben, unberührte Sumpflandschaften und Gaucho-Romantik pur) und Brasilien (die vielleicht schönsten Strände der Welt!).

Aktien-Blog: Wie schätzen Sie den bisherigen Verlauf der Wirtschaftskrise aus Ihrer internationalen Perspektive ein?

Ries: In meinen Augen haben die Medien ihren Beitrag zum „gefühlten Ausmaß“ der Wirtschaftskrise – ich persönlich habe keine. Ein Beispiel: Vergangenen Herbst, als die Bankenkrise ein neues Topp erreichte, war ich in Argentinien. Dort wurde das Thema in den Hauptnachrichtensendungen erörtert. In Deutschland gab es Sondersendungen die auch der Frage nachgingen, wie sicher denn die Spareinlagen bei der örtlichen Sparkasse überhaupt noch sei. Die Krise begleitete die Menschen in Deutschland vom Aufstehen bis zum Abendgebet – wie soll auf solch einem Humus das Pflänzchen Hoffnung gedeihen?

Aktuell: Die ‚Schweinegrippe’. Als diese Ende April aufkam, sprach die Presse vor eine weltweiten Epidemie; von einer Seuche. Die Deutschen waren verunsichert und hatten selbst vor Auslandsreisen Angst. Die Krankheitsfälle in Europa konnte man damals an einer Hand abzählen. Heute geht die Zahl der Infizierten in Europa an die Tausende! Die Ansteckungsgefahr ist höher denn je. Doch: das Thema ist aus der Presse verschwunden; die Bevölkerung wägt sich in Sicherheit. Ich bin manchmal fasziniert darüber, wie leicht sich die Menschen gerade in Industrieländern beeinflussen und lenken lassen. Zurück zur Wirtschaftskrise: Hört die Presse damit auf, die Zukunft schwarz zu schreiben, könnte es der Wirtschaft allmählich besser gehen, da die Bevölkerung Mut fasst. Das würde der Binnennachfrage gut tun. Darüber hinaus will ich gerade im Falle Deutschland nicht von einer Wirtschaftskrise sprechen – viele Deutsche fühlen sich schon in einer Notlange, wenn Sie ihren monatlichen Spardauerauftrag temporär um 100 Euro reduzieren müssen…

„Krisenerfahrene Länder bieten Erholungspotential“

Aktien-Blog: Sie haben die Unterschiede zwischen Deutschland und Lateinamerika bei der Berichterstattung über die Krise angesprochen. Bei welchen Ländern der Emerging Markets sehen Sie Erholungspotenzial?

Ries: In Emerging Markets-Länder lebt man gelassener und versteht sich besser auf Krise einzustellen – die Mehrzahl der Länder leben bereits seit Jahrzehnten in krisenähnlichen Situationen. Deshalb glaube ich, dass es die Schwellenländer sind, die sich nach der Rezession schneller erholen werden als die führenden Industrienationen – die Bevölkerung ist einfach flexibler, spontaner und denkt positiver.

Was die Aktienmärkte anbelangt, so bevorzuge ich aktuell Länder mit einem hohen Rohstoffvorkommen. Ich denke dabei konkret an Lateinamerika und Afrika. Wobei hier natürlich die politische Situation mit zu berücksichtigen wäre, die will ich gerade in vielen afrikanischen Ländern als unsicher bezeichnen. Da finde ich Lateinamerika fortschrittlicher, stabiler – europäischer! Meine Favoriten lauten Brasilien, Chile und Argentinien. Lateinamerika war ein Schwerpunktthema des vergangenen Sunset Traders – hier konnte ich etwa Rio Tinto hervorragend timen! Mexiko könnte ein guter Einstieg werden, wenn der Punkt Schweinegrippe einmal abgehakt ist.

Asien ist als Tradingobjekt interessant; aus mittelfristiger Sicht meide ich allerdings die Region, da stark von der weiteren Entwicklung in China abhängig. Wer vermag heute schon zu sagen, welche Risiken im chinesischen Bankensystem schlummern…?

Aktien-Blog: Interessante Gedanken. Bei allen Argumenten für Lateinamerika würden mir als Investor allerdings die zahlreichen sozialen und ethnischen Unruhen Sorge machen, die zur Wahl von Populisten wie Chavez oder Morales geführt haben. Gerade die ausländischen Investoren eignen sich doch besonders als Feinbild sozialistischer Demagogen. Spürt man diese Feindseeligkeit als Trading-Globetrotter?

Ries: In keiner Weise! Und heute noch weniger als früher. Vor zwanzig Jahren habe ich im Hochland von Peru mit meinem Walkman noch Aufsehen erregt. Heute geht die Jugend dort mit ihrem Laptop ins Café und zieht sich über WLAN die aktuellsten Hits der US-Hitparade aus dem Netz. Die Zeiten sind vorüber, in denen Deutsche im Ausland als die Reichen aus Übersee angesehen werden. Dank Internet und wachsendem Tourismus sind die Südamerikaner teils sehr gut über die Probleme in Europa im Bilde.

Die Länder Lateinamerikas haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen wahnsinnigen Wirtschaftsboom erfahren und eine reiche Oberschicht hervorgebracht; teure Mercedes und Geländewagen mit Allradantrieb gehören heute zum Stadtbild selbst vom einst ärmlichen La Paz (Bolivien). Ich denke, es ist vielmehr der wachsende Unterschied zwischen Arm und Reich innerhalb der eigenen Landesgrenzen, die den Unmut der ärmeren Bevölkerung schürt.

Aktien-Blog: Vielen Dank für die vielen interessanten Einblicke und das unterhaltsame Gespräch.


Juni 4, 2009

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