Über die erfolgreichste Anlagestrategie der Welt: Value Investing mit Mario Wolff


Mario Wolff ist Valueanleger und Betreiber des deutschsprachigen Content-Portals Valueinvesting.de. Dieses konzentriert sich auf die langfristige und konservative Kapitalanlage in Aktien. Seine Anlagestrategie ist das sogenannte Value Investing mit einer grahamschen Sicherheitsmarge, dies meint den Kauf von Aktien für weniger als ihren kalkulierten Wert. Dabei liegt sein Schwerpunkt auf Unternehmen, die hohe Renditen auf das von ihnen eingesetzte Kapital erwirtschaften.

Aktien-Blog: Herr Wolff, Sie betreiben mit Valueinvesting.de ein Informationsportal zum Thema „Value Investing“. Wann haben Sie begonnen, sich auf diesen Ansatz zu konzentrieren, oder waren Sie schon immer Value-Investor?

Mario Wolff: Angefangen hatte alles im Frühjahr 1999. Nachdem ich bereits einige Bücher über Kapitalanlage & Vermögensaufbau gelesen hatte, wurde ich zu jener Zeit auf Buffettology aufmerksam. Dabei handelt es sich um ein Buch von Warren Buffett’s Schwiegertochter Mary Buffett, in dem sie einen ersten Einblick in die Philosophie des Value Investing gewährt.

Aktien-Blog: Value Investing bezeichnet das Investieren in werthaltige Unternehmen. Dabei wird dieser doch recht dehnbare Begriff von Anhängern dieser Schule unterschiedlich interpretiert. Was ist in Ihren Augen ein werthaltiges Investment? Worauf kommt es Ihnen am meisten an?

Mario Wolff: Ein werthaltiges Investment liegt immer dann vor, wenn der gezahlte Kaufpreis den kalkulierten Wert des jeweiligen Anlageobjekts zumindest nicht übersteigt. Diese Definition setzt eine genau Wertvorstellung – beispielsweise über die Aktien eines bestimmten Unternehmens – voraus.

Das zentrale Element des Value Investing ist jedoch der Kauf von Unternehmen für weniger als ihren kalkulierten Wert. Valueanleger sind Schnäppchenjäger und suchen nach Gelegenheiten, bei denen sie den Euro für 50 Cent bekommen.

Aktien-Blog: Ist Ihr Ansatz auch ohne fundierte Kenntnis von Bilanzierungsverfahren und Betriebswirtschaftslehre anwendbar? Wenn man sich die Strukturen und Bilanzen von Großkonzernen anschaut, könnte man als Privatanleger doch schon manchmal resignieren.

Mario Wolff: Die Prinzipien des Value Investing lassen sich zwar nicht gänzlich ohne Bilanzierungskenntnisse anwenden, man muss auf diesem Gebiet aber auch kein Experte sein. Ein gewisses Verständnis über den Aufbau einer Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Kapitalflussrechnung ist jedoch erforderlich.

Nachdem man mit den wichtigsten Grundkenntnissen über Rechnungslegung vertraut ist, sollte man sich als Privatanleger nicht durch unverständliche Jahresabschlüsse entmutigen lassen. Die Ursache liegt selten – von Unternehmen aus der Finanzbranche einmal abgesehen – in der eigenen Unwissenheit.

Zum Einstieg erscheinen mir die Bilanzen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus leicht verständlichen Branchen wie beispielsweise Nahrungsmittel oder Konsumgüter am besten geeignet.

Aktien-Blog: Dem Value-Ansatz wird häufig nachgesagt, er ignoriere wachstumsstarke Unternehmen aus vermeintlichen Zukunfts-Branchen. Was entgegnen Sie diesen Vorwürfen?

Mario Wolff: Um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu bestimmen, ist unter anderem auch eine zuverlässige Prognose seiner künftigen Wachstumsraten erforderlich. Und diese sind gerade bei stark wachsenden Gesellschaften oder Unternehmen aus vermeintlichen Zukunfts-Branchen kaum einzuschätzen. Dazu kommt, dass die als wachstumsstarke Unternehmen erkannten Gesellschaften oftmals erhöhte Börsenbewertungen aufweisen.

Beim Value Investing ist alles eine Frage von Preis und Wert. Der Preis ist das, was ich gebe und der Wert ist das, was ich dafür bekomme. Wenn der Preis hoch ist und der Wert nicht hinreichend genau kalkuliert werden kann, gehe ich als Investor ein erhöhtes Risiko ein. Und Risiko ist nach einer Definition von Warren Buffett „die Möglichkeit eines dauerhaften Kapitalverlusts“.

Aktien-Blog: Werthaltiges Investieren nutzt Schwächen des Marktes aus und versucht langfristig, von unangemessenen Börsenbewertungen zu profitieren. Sehen Sie aktuell unterbewertete Branchen oder ist die Phase der fortgeschrittenen Hausse für den Value Investor nicht die geeignete Zeit für neue Investments?

Mario Wolff: Während dieses Interviews dauert die derzeitige Aufwärtsbewegung des amerikanischen Aktienmarktes bereits 4 Jahre und 5 Monate (der europäische Aktienmarkt erreichte sein Tief erst im März 2003) an. Der S&P 500 hat in dieser Zeit über 80% und der Deutsche Aktienindex (Dax) sogar um über 200% – vom jeweiligen Tiefpunkt aus gerechnet – zugelegt. Die meisten Aktien werden zwischenzeitlich zu einem fairen Wert gehandelt. Ich glaube, dass der Aktienmarkt zur Zeit sehr effizient ist.

Dennoch eröffnen sich immer wieder Chancen, etwa wenn einzelne Unternehmen vorübergehende und damit lösbare Probleme haben oder an der Börse ganze Branchen aus der Mode kommen. Ein aktuelles Beispiel für eine aus der Mode gekommene Branche sind Zeitungsverlage, welche durch das Internet mit zunehmendem Wettbewerb durch Online-Medien konfrontiert sind und daher sinkende Auflagen und Werbeeinnahmen verzeichnen. Allerdings muss man sich dabei die Frage stellen, ob diese Umstände bereits hinreichend in den Aktienkursen der Gesellschaften enthalten sind.

Aktien-Blog: Philip A. Fisher wettert in einem Zitat auf Ihrer Webseite gegen den fortschreitenden „Diversifizierungswahn“ von Kleinaktionären. Anlageberater setzen voll auf Risk- und Moneymanagement und raten ihren Kunden eine breite Streuung über verschiedene Unternehmen und Anlageklassen. Wie schätzen Sie diese scheinbar widersprüchlichen Meinungen ein?

Mario Wolff: Diversifikation wird von Anlageberatern und Fondsmanagern als DAS Mittel zur Risikominimierung verkauft. Dabei ist das Hauptargument, dass etwaige Kursverluste einer einzelnen Aktie von den Kursanstiegen einer anderen ausgeglichen werden. Aber auch das Gegenteil ist wahr, nämlich dass jegliche Kursgewinne in einem Aktienportfolio von den Verlustbringern aufgezehrt werden.

Das Fisher Zitat habe ich veröffentlicht, weil ich selbst ein Anhänger des sogenannten konzentrierten Portfolios bin. Sofern man sich an den Grundsätzen des Value Investing orientiert und nur Aktien kauft, die unter ihrem kalkulierten Wert gehandelt werden, wird die Frage hinsichtlich Konzentration oder Diversifikation im Wesentlichen durch den eigenen Charakter bestimmt. Beispielsweise konzentriert Warren Buffett seine Kapitalanlagen sehr stark, während sein Lehrer Ben Graham immer dazu geraten hat, die eigenen Investments zu diversifizieren. Auch unter den heutigen Superinvestoren sind beide Stile vertreten.

Aktien-Blog: Warren Buffett sucht derzeit nach einem Nachfolger bei Berkshire Hathaway. Gibt es die Aussicht auf einen würdigen Nachfolger oder sehen Sie Buffetts Talent als einzigartig an?

Mario Wolff: Es gibt weltweit eine Vielzahl großartiger Investoren. Was Warren Buffett einzigartig macht, ist seine Performance von derzeit durchschnittlich 21,4% p.A., bezogen auf einen 42-Jahres-Zeitraum. Die Frage bezüglich seiner Nachfolge hat er in einem Interview kürzlich selbst mit den Worten „Wir werden eine geeignete Person finden“, beantwortet.

Aktien-Blog: Welche Bücher würden Sie einem angehenden Value Investor empfehlen?

Mario Wolff: Auf meiner Webseite habe ich einige Buchempfehlungen veröffentlicht. Darüber hinaus kann ich das aktuelle Buch von Christopher Browne empfehlen, das in der deutschen Übersetzung den Titel „Die Value-Zauberformel“ trägt und eine leicht verständliche Einführung in die Anlagestrategie des Value Investing gibt.


5 Gedanken zu „Über die erfolgreichste Anlagestrategie der Welt: Value Investing mit Mario Wolff

  1. Timo

    Value Investing klingt ja sehr interessant. Ich weiß aber nicht ob ich den langen Atem hätte den man dafür braucht.Wie ist das denn, liegt man da Jahre auf der Lauer bis eine Firma billig genug ist, dass auch der Risikopuffer groß genug ist? Oder sucht man eher nach unterbewerteten Branchen?

    schöner sonntag noch!

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  2. Nico Popp Beitragsautor

    Ich bin zwar kein Value-Investor, denke aber dass es ganz sinnvoll ist über die Branche einen Einstieg zu finden. Wie im Interview von Herrn Wolff beschrieben sind manche Branchen einfach einmal „out“. Da gibts dann Einstiegschancen für den Value-Investor.
    Es gibt aber sicher auch Fälle in denen ein Unternehmen langfristig beobachtet wird und der Anleger lange wartet, bis er einsteigt. Geduld ist denke ich ein bedeutsamer Faktor.

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  3. kapitalmarktexperten.com

    Geduld ist dabei DAS zentrale Element, dies gilt sowohl für Kauf wie auch dem Halten der gewählten Werte. Tja, und was die Geduld bzgl. des Verkaufs der Aktien betrifft, hier dazu ein Warren Buffett – Zitat: „Kaufe billig, verkaufe nie“. In dem Sinne, viel Erfolg und Geduld.

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  4. MarkusB

    Nabend. Eine etwas unpassende Frage aber wie kann ich diesen Blog zu meinem Google Feedreader hinzufuegen? Finde keinen Link. Auf jedenfall ein toller Beitrag.

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  5. Till

    Bin auch ein überzeugter Value Investor und versuche mir immer neue Ideen zu holen. Schade das die Seite von Mario Wolff „Valueinvesting.de“ nach 2009 nicht weitergeführt wurde und keine neuen Einträge oder Blogkommentare hinzukommen.

    Ich schreibe selbst über das Value Investing zurzeit auf:

    http://www.sfg-value.de

    Auch wenn die Idee, die gleiche bleibt, ändert sich doch die Umwelt und man muss sich mit neuen Gegebenheiten immer wieder auseinandersetzten.

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