Droht die Verdopplung der Staatsschulden? Warum man die Gründung einer „Bad Bank“ zumindest diskutieren sollte


Vom Spar- zum Schuldenminister? Eine 'Bad Bank' könnte eine Billion Euro kostenDie Vorzeichen für die neue Woche an den Finanzmärkten könnten schlechter kaum sein: Wie das Magazin der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sitzen deutsche Banken noch immer auf Risikopositionen im Umfang von bis zu einer Billion Euro. Allein die zwanzig größten Kreditgesellschaften sollen bislang erst ein Viertel ihrer „faulen“ Wertpapierbestände abgeschrieben haben. Das Bundesfinanzministerium wollte die Medienberichte bislang nicht kommentieren, doch mehren sich angesichts der jüngsten Berichterstattung in der Öffentlichkeit die Stimmen, welche sich für eine so genannte „Bad Bank“ aussprechen.

Eine solche Bank würde sämtliche problematischen Wertpapierbestände mit staatlicher Hilfe aufkaufen und es so ermöglichen, dass das Vertrauen in die herkömmlichen Banken, die dann vom Ballast „fauler“ Derivate befreit wären, wieder steigen kann. Für den Staat könnte die Gründung einer „Bad Bank“ allerdings zu einem haushaltspolitischen Fiasko werden: Bewahrheitet sich die Schätzung des „Spiegel“, würde die Gründung einer „schlechten“ Bank eine Billion Euro kosten und die Schulden des Bundes so auf einen Schlag verdoppeln.

Fast schon belanglos klingt dagegen der Fall eines Hedge-Fonds-Managers, der seit Tagen vermisst wird und den die Financial Times Deutschland (FTD) „Mini-Madoff“ nennt: Arthur G. Nadel verwaltete bislang die drei Hedge Fonds Viking, Valhalla und Scoop mit einem Gesamtkapital von rund 350 Millionen Euro. Seit aktiv nach Nadel, der einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, gefahndet wird, mehren sich die Anzeichen, dass sämtliche Kundeneinlagen „verschwunden“ sind.

Auch wenn der Fall von Arthur G. Nadel im Vergleich zu Bernard Madoff nur eine Randnotiz bleiben wird, so trägt dieser neuerliche Betrug im „Hedge-Fonds-Milieu“ auch ein Stück zur Verunsicherung der Anleger und zur Steigerung der Volatilität an den Märkten bei. Schlussendlich leiden darunter auch die Banken, welche noch immer mit einem viel zu großen Hebel agieren. Vielleicht würde die konzertierte Gründung von „Bad Banks“ in sämtlichen betroffenen Volkswirtschaften die Ausweitung der Krise zumindest im Bankensektor eindämmen?

Eines ist sicher: Weitere Schocks à la Lehman, Madoff oder auch Nadel verschlimmern die Situation bei den Banken weiter und machen eine Rettung unterm Strich auch für die Steuerzahler teurer. Daher gilt es nun, die weltweite Gründung von „Bad Banks“ schleunigst vorurteilsfrei zu prüfen, um möglicherweise bereits während des Weltfinanzgipfels der zwanzig führenden Industriestaaten und Schwellenländer (G20) im April in London gemeinsame Aktionen beschließen zu können. Auch wenn die Verdopplung der bundesdeutschen Staatsschulden ein Schlag ins Gesicht eines jeden ehrlichen Steuerzahlers wäre: die Zeit drängt, billiger wird die Krise nicht.


Januar 18, 2009

5 Gedanken zu „Droht die Verdopplung der Staatsschulden? Warum man die Gründung einer „Bad Bank“ zumindest diskutieren sollte

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  2. Mr. Hankie Pankie

    Kommentar: Die Wissenschaftler, die den Zusammenbruch des Papiergeldsystems vorhergesehen haben, plädieren nicht für eine Bad Bank. Diese wird von den „Wissenschaftlern“ gefordert, die das marode Papiergeldsystem nicht anzweifeln.

    Ist leider nicht von mir, gehe mit der Ansicht konform. Die Quelle ist Westgold.de Tagesbericht von heute, Rubrik Weltwirtschaftskrise.

    Prof. Roubini hat der amerikanischen Bankenlanschaft den Todesschein ausgestellt, sie ist zahlungsunfähig. Für Europa gilt ähnliches. Dieser Professor ist einer der ganz wenigen Ökonomen, die man ernst nehmen muss. Seriöse Wissenschaftler reden nicht über eine Bad Bank.

    So nebenbei bemerkt haben wir genügend Bad Banks. Diese Diskussion über eine Bad Bank ist nur was für Papiergläubige. Das Finanzsystem ist bankrott. So einfach ist das. Die Frage ist nur wie wird das Insolvenzverfahren abgewickelt.

    Zum Glück lese ich das GEAB aber anscheinend gibt es noch genügend Realitätsverweigerer, die Liebhaber von Klopapier sind.

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  3. Nico Popp Beitragsautor

    Ich finde, man sollte in dieser Krise die Welt nicht in Papiergeldgläubige und Propheten einteilen. Vielmehr müssen sämtlich Optionen ernsthaft diskutiert werden, damit Ideologien keine pragmatischen Lösungen verhindern.

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