Gespanntes Warten auf Bernanke: Die verschiedenen Szenarien der US-Leitzinsentscheidung


Alles wartet auf die Zinsentscheidung von Ben Bernanke aus den USA. Um 20:15 Uhr MEZ ist es soweit, bis dahin laufen die Märkte seitwärts. Doch nach der überraschenden Zinssenkung um 0,75% vom Dienstag vor einer Woche sind die Börsen kräftig angestiegen, man könnte meinen, dass eine weitere Zinssenkung von heute um 0,5% bereits vom Markt berücksichtigt wurde.

Im Börsenbrief Heibel-Ticker schlage ich die folgende Verhaltensweise vor:

Die Situation heute ist wesentlich besser als noch vor 10 Tagen. Inzwischen ist der US-Leitzins um 0,75% niedriger, es gibt ein 150 Mrd. US-Dollar Regierungsprogramm, das jedem Haushalt 600 USD Steuerersparnis schenkt und es gibt eine Allianz, die Pleiten bei den Immobilienversicherern verhindern möchte. Die depressiven Kurse vom vergangenen Wochenbeginn sind also Geschichte, ich würde nun erste Käufe tätigen. Die Branchen Finanzen, Einzelhandel und Rohstoffe bieten sich in meinen Augen auf Sicht von 12 Monaten besonders an.

Nun könnte folgendes passieren:

1. Bernanke senkt den US-Leitzins heute Abend nicht. Es würde ein Ausverkauf folgen, die Kurse wären schon bald wieder auf dem Niveau von voriger Woche und Countrywide Financial (US-Hypothekenbank) würde vermutlich schon bald Insolvenz anmelden. Kaufen Sie erst dann, wenn die Panik im Markt um sich greift. Dass Bernanke im Notfall handelt hat er bewiesen, als er vergangene Woche überraschend den Leitzins senkte.

2. Bernake senkt den US-Leitzins um 0,25%: Es würde ebenfalls ein Ausverkauf folgen, der jedoch schon nach wenigen Tagen aufgefangen würde, weil Marktteilnehmer die oben genannten, langfristig wirkenden Verbesserungen sehen. Der Ausverkauf würde nur durch enttäuschte Trader initiiert werden. Ich würde den Ausverkauf nutzen, um morgen zuzugreifen.

3. Bernake senkt den US-Leitzins um 0,5%, schließt aber weitere Zinssenkungen aus: Auch hier würde es kurzfristig zu einem Ausverkauf kommen, langfristig würden die heilenden Kräfte des niedrigen Zinsniveaus der Wirtschaft gut tun, die Börse würde dementsprechend schon bald wieder steigen. Ich würde den Ausverkauf nutzen, um morgen zuzugreifen.

4. Bernanke senkt den Leitzins um 0,5% und schließt weitere Zinssenkungen nicht aus. Die Börse würde umgehend eine Rallye starten, es dürfte nur kurze Verschnaufpausen geben, die durch Gewinnmitnahmen verursacht werden.

Es ist also sinnvoll, bereits vor der Entscheidung mit einer kleinen Position investiert zu sein. Nach der Zinsentscheidung würde ich dann je nach Szenario zu unterschiedlichen Zeitpunkten nachfassen.

Weitere Analysen können Sie gerne in meinem kostenfreien Börsenbrief unter Heibel-Ticker.de nachlesen. Ich freue mich auf Sie.

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Stephan Heibel


5 Gedanken zu „Gespanntes Warten auf Bernanke: Die verschiedenen Szenarien der US-Leitzinsentscheidung

  1. Phil

    Ich sehe das ähnlich. Allerdimgs denke ich, dass der Markt eine ruhige Hand von Heli-Ben mittlerweile auch schätzen würde. Die Aussage „0,25%, weil wir bereits Licht am Ende des Tunnels sehen!“ könnte auch beruhigen. Dass er für schnelle Aktionen zu haben ist, muss er ja niemandem mehr beweisen.

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  2. Stephan Heibel Beitragsautor

    Ich denke oder hoffe, am vergangenen Dienstag hat Bernanke den Leitzins gesenkt, weil einer der großen Hypothekenbanken (ich vermute Countrywide Financial) andernfalls zum Insolvenzrichter gegangen wäre. Die große Zinssenkung war dann nämlich das Eingeständnis eines Fehlers, in den vergangenen Monaten nicht stärkere Zinssenkungen vorgenommen zu haben. Somit muss er aber heute weitermachen.

    Tut er das nicht, i.e. indem er nur 0,25% senkt, dann wird der Markt wieder an ihm Zweifeln und die Liquiditätskrise wird durch solche Zweifel wieder verschärft.

    Klar, in 12 Monaten werden die Zinssenkungen wirken, egal ob er heute um 0,25 oder 0,5 senkt. Aber der Markt wird einbrechen, wenn heute nur eine kleine Senkung erfolgt.

    Gruß

    Stephan

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  3. Nico Popp Beitragsautor

    Jetzt sind es doch 0,5 Prozent (auf 3%)geworden und der Dow feiert die Entscheidung. Man denkt wohl, dass 2,5 Prozent bald erreicht werden, da die Fed von einer sich abschwächenden Inflation ausgeht. Also ist Punkt 4 des Artikels eingetreten. Ich bin mal gespannt, wie sich der Dow noch entwickeln kann und wie es morgen weiter geht. Eine Erholung wäre meiner Meinung nach schon deswegen notwendig, um die Indizes wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Grüße! Nico

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  4. Stephan Heibel Beitragsautor

    US-Leitzins um 1,25% niedriger in nur 10 Tagen. Das ist für den angeschlagenen Finanzsektor so, als ob für uns das Benzin statt 1,35 EUR/l plötzlich nur noch 1 EUR/l kostet. Da würde ich wieder mehr Auto fahren bzw. Häuser kaufen – die Immobilienkrise der USA ist damit zwar noch nicht ausgestanden, es wird aber nicht zu einer Katastrophe kommen. In 6-9 Monaten werden Dow Jones und DAX deutlich höher stehen als heute und jeder Anleger, der jetzt nicht kauft, wird sich über die entgangene Gelegenheit ärgern.

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