Suche nach Wendepunkt: Wie lange steigen Aktien noch?


Wie lange steigen Aktien noch? Wie nahe ist der Wendepunkt? Fünf Faktoren geben Anhaltspunkte.

Wie lange steigen Aktien noch? Wie nahe ist der Wendepunkt? Fünf Faktoren geben Anhaltspunkte. (Chart: Guidants.com)

Die Frage nach dem Wendepunkt einer Aktien-Rally treibt alle Anleger um. Vor allem dann, wenn die Märkte schon Jahre gestiegen und die Bewertungen entsprechend hoch sind. Doch was, außer dem eigenen Baugefühl, kann uns einer Antwort auf die Frage näher bringen? Profi-Investoren versuchen seit langer Zeit, die Frage nach dem Ende einer Aktien-Rally greifbar zu machen. Die Marktexperten der Jyske Bank Gruppe haben nun fünf Faktoren entwickelt, anhand derer sich die Nähe zum Wendepunkt besser abschätzen lassen soll.

5 Faktoren für einen nahenden Wendepunkt

  1. Noch schnellere Kurssteigerungen („das letzte Hurra!“)
  2. Die Bewertung ist hoch
  3. Auf dem Kreditmarkt blinken frühzeitig die Warnlampen
  4. Der Aktienmarkt erreicht seinen absoluten Höhepunkt in der Regel vor einer Rezession
  5. Immer häufiger wird von einem Paradigmenwechsel gesprochen (Quelle: Jyske)

Punkt 1 wiederholt sich bei fast jeder Aktien-Rally. Bevor die Kurse einbrechen, legen sie noch einmal deutlich zu. Das liegt oft daran, dass zum Ende einer Hausse noch einmal unbedarfte Privatanleger auf den Markt drängen und die Euphorie grenzenlos ist. Passend dazu sprechen erfahrene Anleger häufig auch vom Titelblatt-Indikator. Schaffen es Investments in Aktien auf die Titelseite der Bild-Zeitung, ist Vorsicht angesagt. Die Marktexperten von Jyske haben die letzte Phase einer Rally statistisch untersucht: „Vor dem Scheitelpunkt zeigen die Kursbewegungen häufig etwa 6 Monate vorher einen letzten Ruck nach oben (wenn selbst die skeptischsten Anleger noch etwas von dem Geldregen abbekommen möchten). Im Schnitt sind in den letzten 6 Monaten vor Beginn eines Abschwungs Kurssteigerungen von etwa 16 Prozent zu beobachten (das sagen die Zahlen der 6 wichtigen Wendepunkte seit 1980). In den 3 Monaten vor einer solchen Wende liegen diese Kurssteigerungen bei durchschnittlich 8 Prozent“, so die Marktbeobachter.

Exzessive Märkte ignorieren Bewertungen

Auch Bewertungen geben einen Hinweis darauf, ob eine Aktien-Rally vor dem Ende steht oder nicht. Jyske nennt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen der kommenden zwölf Monate in Höhe von 18 beim S&P 500 als Warnsignal. Aktuell sieht Jyske diese Kennzahl bei 18,2. Doch einen Haken gibt es: Steigen die Unternehmensgewinne deutlicher an, entsteht schnell Luft für höhere Bewertungen. Die US-Steuerreform könnte diesen Spielraum schaffen. Hinzu kommt Punkt 1: In einer Übertreibungsphase sind fundamentale Bewertungen den Märkten herzlich  egal.

Jyske sieht trotz Warnsignalen keine akute Gefahr am Kreditmarkt

Die Frage nach Warnsignalen am Kreditmarkt muss man eindeutig mit ja beantworten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt in Europa gar davor, dass jedes zehnte Unternehmen ohne Eingriffe am Kreditmarkt nicht überlebensfähig sei. Bricht der Kreditmarkt ein, dürften auch Aktien leiden. Jyske dazu: „In acht der letzten neun Fälle eines Wendepunkts auf dem Aktienmarkt kam es zu einer Vergrößerung der Kreditspanne zwischen US-Hochzins- und Staatsanleihen. Sieben Monate vor einem absoluten Höhepunkt wuchs die Kreditspanne um durchschnittlich 137 Basispunkte.“ Gemessen an den Kriterien von Jyske gibt es aktuell keine Gefahr, da die US-High-Yield-Spanne zuletzt sogar gesunken ist. Wie aussagekräftig dies angesichts der massiven Eingriffe der Notenbanken in die Kreditmärkte allerdings ist, muss bezweifelt werden.

Punkt vier bringt den Wendepunkt am Aktienmarkt mit einer bevorstehenden Rezession in Zusammenhang. Jyske erläutert, dass bei den letzten vier Rezessionen in den USA der Einbruch am Aktienmarkt höchstens elf Monate vor Beginn der Rezession einsetzte. Da aktuell das Rezessionsrisiko durch die Fed auf Sicht von zwölf Monaten als gering eingeschätzt wird, gibt Jyske diesbezüglich Entwarnung.

Aktien-Rally: Ist dieses Mal alles anders?

Als fünften Punkt führt die Bank an, dass vor Wendepunkten bei Aktien häufig von Paradigmenwechseln gesprochen wird. Beispielsweise redete man sich vor Ende der New Economy um die Jahrtausendwende ein, IT-Aktien würden keinen konjunkturellen Schwankungen unterliegen. Das Ergebnis kennen wir alle. Jyske sieht eine solche Selbstberuhigung seitens der Anleger heute nicht. Vielmehr seien Investoren weiter skeptisch, was gegen die Existenz eines nahen Wendepunkts für Aktien spräche. Doch dies ist nur eine mögliche Sicht: Zwar sind Anleger angesichts der Maßnahmen der Notenbanken oder auch der Staatswirtschaft in China weiter skeptisch, doch wähnen sich viele Marktteilnehmer doch inmitten eines goldenen Zeitalters. Der Hype um Kryptowährungen und Technologie verspricht Effizienzsteigerungen. Marktausblicke bis ins Jahr 2025 prognostizieren  ein hohes Wachstum in vielen Branchen. Doch diese Prognosen sind sehr vage. Es könnte gut sein, dass auch dieses Mal nicht alles anders ist.

Und wie schätzen die Experten von Jyske die aktuelle Lage ein?

Experten sehen noch kein Ende der Rally, aber steigende Volatilität

„Der Wendepunkt ist wahrscheinlich noch nicht erreicht, dürfte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Unser Hauptszenario für 2018 ist daher eine passende Schlussfolgerung für Anleger angesichts der Wendepunktanalyse: Wir erwarten ein zweigeteiltes Wirtschaftsjahr. Im ersten Teil könnten risikobehaftete Vermögenswerte wie Aktien weiterhin gestützt werden, im zweiten Teil jedoch die Risiken zunehmen. Dabei müssen die beiden Teile nicht zwangsläufig gleich groß sein. Selbstverständlich sind geringfügige Rückschläge auf dem Markt möglich, ohne dass dabei gleich von einem nahen Erreichen des Wendepunkts die Rede ist. Im Gegenteil ist die Wahrscheinlichkeit hierfür sogar relativ hoch, da beim US-Aktienindex S&P 500 seit September 2016 nicht ein einziger täglicher Rückgang um mehr als 2 Prozent beobachtet wurde (Stand: 10. Januar 2018), was ausgesprochen ungewöhnlich ist.“

Der Wendepunkt ist nicht weit entfernt

Anleger dürften sich also 2018 auf schwunghafte Börsen einstellen müssen – Wendepunkt hin oder her. Da einige Einschätzungen der Experten von Jyske allerdings ein wenig optimistisch scheinen, könnte der Aktienmarkt heute schon näher an seinen Höchstkursen notieren, als Viele denken. Insbesondere die Probleme am Kreditmarkt und auch die zunehmende „Zukunfts(leicht)gläubigkeit“ vieler Anleger sollte dafür ein Warnsignal sein.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.