5. April 2007

Jeder macht mal Verluste:
WestLB versenkt 100 Millionen mit VW-Spekulation

Bei WestLB hat man nicht mit Porsche gerechnetBei WestLB hat man nicht mit Porsche gerechnet
Bei WestLB hat man nicht mit Porsche gerechnet

Verluste gehören genauso zur Börse wie die abendliche Schlussglocke. Schon Altmeister André Kostolany behauptete, nur 51 Prozent seiner Börsengeschäfte seien erfolgreich verlaufen, dennoch habe er gut davon leben können. Auch für institutionelle Investoren wie die WestLB gehören Verluste eigentlich zum Börsengeschäft dazu - sofern diese im Rahmen bleiben. Eine missglückte Spekulation auf die schwindende Kursdifferenz zwischen VW Stammaktien und Vorzügen soll der Bank nun jedoch satte einhundert Millionen Euro Verlust eingebracht haben. Die Banker hatten wohl damit gerechnet, dass Vorzugsaktien im Vergleich zu den stimmberechtigten Stammaktien nach dem Einstieg von Porsche wieder zulegen könnten. Allerdings hat Porsche sein VW-Aktienpaket weiter aufgestockt und somit die Kurse von Stammaktien zusätzlich beflügelt.

Die neuesten Meldungen der Financial Times Deutschland (FTD) lassen nicht darauf schließen, dass die Landesbank nach diesem Deal bereits wieder zum “business as usual” zurückgekehrt ist: Die jüngsten Verluste haben zur Entlassung zweier Manager des Bereichs Equity Markets geführt. Wohl wurden bei der Spekulation mit VW-Papieren Regeln des Risikomanagements mißachtet, wodurch die hohen Verluste erst möglich wurden. In Finanzkreisen wird nun darüber spekuliert, das Hedge-Fonds die Schieflage der WestLB zu ihren Gunsten ausnutzen und sogar noch verschärfen könnten.

Die FTD berichtet auch von möglichen rechtlichen Konsequenzen: Bei dem VW-Deal sei sowohl gegen interne Aufsichtspflichten als auch gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat angekündigt, die Vorfälle rund um die WestLB genau zu beobachten. Was die Mitarbeiter der WestLB dazu bewegt hat, diese spekulative Wette einzugehen, ist unklar. Es liegt jedoch nahe, dass hohe Gewinnerwartungen die verantwortlichen Mitarbeiter letztendlich in diese riskante Spekulation getrieben haben. Auch für Landesbanken gilt der Grundsatz, dass eine hohe Rendite nur mit erhöhtem Risiko möglich ist. Wer in der Vergangenheit glaubte, diese goldene Regel außer Kraft setzen zu können, ist oftmals gescheitert.

von Nico Popp am 5. April 2007 um 13:26 Uhr Anekdoten, Fonds, Kommentare, Standardwerte

10 Kommentare »

  1. Das ist die weit verbreitete Selbstüberschätzung bzw eine zu große Tradingposition im Markt. Risikocontrolling ist das eine, aber kaum ein Manager ist dem Umgang mit hohen Millionenbeträgen tagtäglich wirklich gewachsen und so entstehen (eigentlich alltägliche) Fehleinschätzungen - die aber in schönster Selbstherrlichkeit nicht sofort glattgestellt wurden. “Im Kleinen wie im Großen” beim (Day)Trading.
    Grundsätzlich haben die Manager es richtig gemacht, da Unterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien halbwegs berechenbar sind.

    Aber: Die Großen wie eine WestLB haben genauso große Gegenspieler im Markt. Nur haben Hedges mittlerweile fast immer ein paar Milliarden mehr zur Verfügung als so eine angeschlagene Bank! Das sollten die Herren eigentlich wissen, dass hier eine Machtverschiebung stattgefunden hat. Und so entsteht ein Mix aus fehlender Selbstreflexion, Fehlern sofort gegenzusteuern und möglicherweise der trügersichen Ansicht “Uns kann nichts passieren, wir können immer ein paar Mio nachschießen…”.

    Kommentar von M.Bittrich — 5. April 2007 @ 14:19

  2. [...] aus dem Resort Aktienhandel mit sofortiger Wirkung entlassen worden, da sie scheinbar ihre Handelslimits deutlich überstrapaziert [...]

    Pingback von Wirtschafts- und Finanzblog - » Aktien müssen nicht reich machen… — 6. April 2007 @ 13:49

  3. Na schön dass es den grossen auch passiert ! :-))
    VW ist ja mächtig gut gelaufen in den letzten Wochen und Monaten…

    Uwe

    Kommentar von Uwe — 7. April 2007 @ 01:58

  4. ach nee. so, so…

    Aktienhändler der WestLB stehen nach Informationen der “Financial Times Deutschland” unter Verdacht, jahrelang die Schlusskurse der Vorzugsaktien von Metro (Nachrichten/Aktienkurs), BMW (Nachrichten/Aktienkurs) und VW (Nachrichten/Aktienkurs) manipuliert zu haben. Damit hätten die Händler zumindest auf dem Papier hohe Gewinne im Eigenhandel der Bank erzielt und ihre Bonuszahlungen gesichert, sagten mit den Vorfällen vertraute Banker der “FTD” (Mittwochausgabe). Der in der vergangenen Woche gemeldete Tagesverlust von 100 Millionen Euro aus dem Handel mit VW-Aktien sei ein “Betriebsunfall” in der Manipulationskette gewesen.

    Kommentar von M.Bittrich — 11. April 2007 @ 11:57

  5. Die West-LB ist genau so in der Krise wie die Sachsen-LB.
    Was passiert wenn eine Bank pleite geht, sie wird verkauft!
    Ich bin der Meinung, dass es auf Kurz oder Lang ebenfalls zu
    einem Verkauf der West-LB kommt. Das traurige an der ganzen
    Sache ist, dass die Bürger doppelt betroffen sind.
    Die Sparkassen müssen Milliarden aufbringen, was zu einer
    Teuerung der Sparkassen-Leistungen führen wird und der Staat
    hängt mit ein par Milliarden mit drin (Steuergelder).

    Warum dauern derzeit Überweisungen von sparkassenfremden Konten
    zu Sparkassenkonten eigentlich so lange? Und andersrum auch?
    Stichwort: Tagesgeldkonten von der Sparkasse…
    Naja, ist aber nen anderes Thema…

    Kommentar von PG — 8. Februar 2008 @ 11:13

  6. [...] Daimler Benz + Chrysler (Weltweite Vernichtung von Arbeitsplätzen und Vermögen), VW (Aktien und Betriebsrat, Hartz), Mannesmann (Verkauf durch Esser) usw. , also in diesen Fällen hat sich [...]

    Pingback von Wer gegen die Spielregeln verstößt, stellt sich gegen die Wirtschaft | deine - meine - unsere BRD — 18. Februar 2008 @ 08:22

  7. Die sind doch alle in der Krise. Ist nur eine Frage der Zeit bis alle in Not geraten!!

    Kommentar von Bdsm — 26. April 2008 @ 10:01

  8. [...] die WestLB AG nehmen, da auch Dank des Risikoschirms der Eigentümer aus dem Frühjahr 2008 die WestLB AG operativ stabil dasteht.“ So geht die WestLB nun den Weg hin zur Hilfe. Wie viel Kraft zur Wahrheit dies die [...]

    Pingback von Finanz aktuell » Blog Archive » Auch WestLB bekundet Interessen an Rettungspaket der Bundesregierung — 23. Oktober 2008 @ 00:03

  9. [...] Die Zweckgesellschaft jedoch, welche die riskanten Wertpapiere der WestLB gekauft hat, holte die Landesbank aus dem Westen Deutschlands damit aus dem Abgrund. Und der Rettungsschirm hat funktioniert, wie man an den heute bekannt gegebenen Zahlen für das vergangene Jahr 2008 sehen kann. „In dem für Banken äußerst schwierigen Jahr hat sich die WestLB vergleichsweise gut geschlagen. Operativ haben wir Kurs gehalten, die Marktposition verbessert und das Kundengeschäft ausgebaut.“ sagte der Vorstandsvorsitzende der WestLB, Heinz Hilgert, dazu. Dennoch gibt er zugleich auch eines zu: „Die Bank ist noch nicht über den Berg, steht aber deutlich besser da als vor einem Jahr“. [...]

    Pingback von Finanzblog » Blog Archive » WestLB machte 2008 minimalen Gewinn - und das nur dank der Eigentümer-Garantien — 26. März 2009 @ 18:09

  10. das ist ein satter verlust… Ich frage mich bei solchen Aktionen immer ob die völlig straflos ausgehen?
    Es kann ja nicht sein das soviel Geld in den sand gesetzt wirde und nix passiert…

    Kommentar von dildo king — 30. Juli 2009 @ 17:04

Einen Kommentar hinterlassen

RSS-Feed für KommentareTrackBack URI

Aktien-Info

VOLKSWAGEN AG
WKN:766400
ISIN:DE0007664005
Herkunft:Deutschland
Branche:Fahrzeuge
Artikel-Übersicht:VOLKSWAGEN AG
Nachrichten:VOLKSWAGEN AG

Die Aktien-Informationen und Marktdaten stammen von finanznachrichten.de.


Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die Autoren dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten oder halten können und somit ein möglicher Interessenskonflikt besteht. Das Angebot stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung dar und dient lediglich der Information.
Page protected by Copyscape. Do not copy!

Copyright © 2006-2009 Nico Popp