Analysten messen mit zweierlei Maß: Verkehrte Welt bei Premiere und ProSiebenSat.1

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Hoffen auf eine verbesserte Gebührenstruktur: Premiere heißt bald SkyDie Aktie der Senderfamilie ProSiebenSat.1 kennt seit dem vergangenen Monat kein Halten mehr: Von Kursen knapp über 1,50 Euro kletterte die Fernseh-Aktie auf über 4 Euro. Eine heute veröffentlichte Analysteneinschätzung geht sogar von einem Kursziel bei 5 Euro aus. Doch liest sich die Begründung für die Heraufstufung merkwürdig: Die finanzielle Schieflage der beteiligten Hedge-Fonds könne zwar zu einem Machtkampf um ProSiebenSat.1 führen, doch gehen die Analysten davon aus, dass die “alten” Eigentümer KKR und Permira auch weiterhin die Oberhand bei der Senderfamilie behalten werden. Dies solle sich positiv auf ProSiebenSat.1 auswirken, so die Analysten. Dass das Medienunternehmen noch immer vor einer Kapitalerhöhung steht und die Zukunft über das Jahr 2010 hinaus unklar ist, bleibt allerdings eine Tatsache. Eine Kapitalerhöhung hat der Bezahlsender Premiere bereits hinter sich, dennoch ist die Aktie nicht so deutlich gestiegen, wie das Papier von ProSiebenSat.1. Angesichts der soliden Kapitalausstattung des Bezahlsenders und der geplanten Neuausrichtung des Angebots im Sommer, verspricht die Aktie von Premiere Nachholpotential.

Tatsächlich könnte die Kampfansage der Deutschen Telekom, welche die Bundesliga künftig für 14,90 Euro monatlich im Rahmen ihrer Komplettpakete über das Internet anbieten möchte, zu einem Preiskampf zwischen beiden Anbietern führen. Ein attraktives Angebot von Premiere unter dem neuen Label “Sky Deutschland” könnte die zuletzt schwächelnden Abonnentenzahlen positiv stimulieren und dem Bezahlsender neue Kundenschichten erschließen. Entsprechende Änderungen der Tarifstruktur hat Premiere bereits angekündigt.

Zwar sehen Analysten den geplanten Namenswechsel bei Premiere kritisch und begründen gar eine Verkaufsempfehlung mit Kursziel 1,50 Euro mit der Neuausrichtung, doch scheint bei ProSiebenSat.1 und Premiere mit zweierlei Maß gemessen zu werden: Beide Unternehmen stecken seit Jahren in Schwierigkeiten und während Kontinuität bei ProSiebenSat.1 als Grund für immer höhere Kursziele herhalten muss, sehen Analysten die geplanten Veränderungen bei Premiere mit Skepsis. Tatsächlich hätten die Analysteneinschätzungen umgekehrt ausfallen müssen: Während Premiere über Kapital und Pläne für die Zukunft verfügt, steht ProSiebenSat.1 eine Kapitalerhöhung erst noch bevor.

Während die Aktie von ProSiebenSat.1 nach dem Anstieg der vergangenen Wochen bereits auf der Short-Watchlist einiger Trader stehen dürfte, hat sich die Aktie von Premiere still und heimlich an die Widerstandszone um 2,20 Euro herangepirscht. Sollte der Bezahlsender im Juni eine einfachere und günstigere Gebührenstruktur bekannt geben, dürften auch Analysten die Restrukturierung zunehmend ernst nehmen.


2 Gedanken zu „Analysten messen mit zweierlei Maß: Verkehrte Welt bei Premiere und ProSiebenSat.1

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