Eindrücke von Anlegermessen: “Hyperinflation und Goldstandard sind nur unrealistische Szenarien”

Rate this post

Wir, die Redaktion des Börsenbriefs Renditetrader sind seit einiger Zeit in Europa unterwegs und haben dort auch Messen zum Thema Kapitalanlage besucht: Was wir dort gehört haben, hat uns in unserer Mission bestärkt, den Leuten Fakten zu präsentieren und den Anlegern die Lage an den Märkten nach bestem Wissen und Gewissen zu erklären. Auf den Messen wurden unter anderem kuriose Dinge wie die kommende Hyperinflation oder die Wiedereinführung des Goldstandards diskutiert.

In dieser Hinsicht können wir Sie beruhigen: Inflation wird die nächsten Quartale kein Thema sein und eine Einführung des Goldstandards wird es nicht geben. Einerseits sorgt der niedrige Ölpreis und die gehemmte Investitionsbereitschaft von Unternehmen für sinkende Preise und andererseits kann die Größe des heutigen Wirtschaftssystems nicht durch einen Goldstandard repräsentiert werden. Da der Goldpreis zudem von den Zentralbanken kontrolliert wird und der Abbau von Gold die Umwelt stark in Mitleidenschaft zieht, dürfte der Goldstandard kein realistisches Ergebnis der Beratungen über eine Neuausrichtung des Finanzsystems sein. Wir vom Renditetrader finden es sehr bedenklich, wenn solch unrealistische Szenarien von vermeintlichen Experten in der Öffentlichkeit als nahe liegende Option dargestellt werden.


10 Gedanken zu „Eindrücke von Anlegermessen: “Hyperinflation und Goldstandard sind nur unrealistische Szenarien”

  1. Nico Popp Beitragsautor

    Zwar gehe ich auch davon aus, dass eine deflationäre Entwicklung in den nächsten Monaten nur schwer abzuwenden ist, allerdings könnte der niedrige Ölpreis langfristig zum Bumerang werden. Sollte sich Öl tatsächlich länger als ein Jahr unter 50$ bewegen und möglicherweise sogar unter 40$ absinken, würde das Angebot sicher früher oder später wegbrechen. In der ersten Jahreshälfte haben wir doch gesehen, wie schnell Öl auf 145 Dollar steigt! Damit gingen auch Inflationsraten jenseits von 4 % in Europa einher.

    Ist das Angebot beim nächsten Öl-Hype noch knapper, könnte der Anstieg so deutlich werden, dass die Inflationsraten noch deutlicher steigen. Die nötigen Mittel für einen künftigen Ölpreisanstieg werden derzeit ja schon von den Notenbanken bereit gestellt. Ich stimme zu, dass man aktuell nicht panisch auf die Gefahr der Hyperinflation reagieren muss, eine weitere Eskalation der Preisentwicklung in den nächsten Jahren ist nach meiner Meinung dennoch nicht unwahrscheinlich.

    Antworten
  2. M. Bittrich

    Sehr gut, Herr Popp, sie haben die Marktmechanismen durchschaut.
    Ob zuerst eine Hyperinflation kommt oder doch erst “ihre Schwester” Deflation (Aldi als Frühindikator?), das ist relativ egal. Die enormen Geldmengen im Umlauf müssen irgendwann Wirkung zeigen, und die Krisenfolgen werden so manches Land von Ungarn bis Venezuela an den Rand des Systemuntergangs führen. Für meinen Geschmack sind bisher kaum Dominoeffekte aufgetreten, die aber kommen müssen. Hyperinflation ist nur eine davon. Die Betreiber von Renditetrader werden kaum beantworten können, warum Gold schon seit 2004 merklich stieg. Die Kenner wussten: Starke Inflation vorprogrammiert, nur der Auslöser war niemandem klar. Das soll heute schon alles gewesen sein? Da halte ich voll dagegen.

    Antworten
  3. Nico Popp Beitragsautor

    Die Ursache für den Goldanstieg nach dem New-Economy-Crash kann viele Ursachen haben. Ich gebe auch zu, dass man sich die Goldstory problemlos schönreden kann. Der Artikel hat ja einen begrenzten Zeithorizont, da darin von Quartalen gesprochen wird. Somit kann man der Aussage “Inflation wird die nächsten Quartale kein Thema sein” schon zustimmen. Zunächst einmal muss die Krise verdaut werden, die derzeit noch zu viel Liquidität bindet, bzw. aufsaugt, dann sind höhere Preise nach meiner Einschätzung schon wahrscheinlich.

    Antworten
  4. Mr. Hankie Pankie

    Einfach nur köstlich was diese Zunft von Börsenbriefschreibern so von sich gibt. “Zentralbanken kontrollieren den Goldpreis”. Richtig müsste es heissen: Das Goldkartell manipuliert den Goldpreis.

    In der Faz war heute ein Klassebeitrag von Nassim Nicholas Taleb, Autor des Buchs „Der Schwarze Schwan“ mit dem Titel Banker weg, wir brauchen eine Revolution.
    Kann ich jedem nur empfehlen zu lesen.

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EF6D5DDD6D5B1407AA8EB0A6CF37A3919~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Antworten
  5. Nico Popp Beitragsautor

    @HankiePankie: Auf diesen Einwand habe ich gewartet! Gold ist eben auch eine Glaubensfrage. Offiziell haben die Notenbanken Gold ja auch unter Kontrolle. Aber selbst der größte Goldbulle sollte sich einmal in die Lage versetzen, was wäre, sollten alle Annahmen bezüglich Goldmanipulationen falsch sein. Oftmals wirken die ganzen Verschwörungstheorien ja schon wie Hilfskonstruktionen, denen man sich bedient, um die eigene Goldtheorie aufrechterhalten zu können.

    Freut mich, hier mal wieder eine kleine Diskussion zu lesen. Manchmal bedarf es dazu einfach provokanter Thesen. 😉

    Das Faz-Interview kenne ich und Taleb hat mich auf eine Weise beeindruckt. Finde seine Herangehensweise sehr interessant – erinnert mich irgendwie an Karl R. Popper. Auch wenn Taleb jetzt natürlich als Prophet “gehypet” wird und langsam aber sicher zum Guru avanciert.

    Antworten
  6. Mr. Hankie Pankie

    @Nico Popp: Das hat nichts mit VT zu tun. Goldpreisdrückung müsste mittlerweile dem Dümmsten klar geworden sein, es sei denn man ist systemgläubig. Die Hyperinflation, die kommen wird, kann den Systemzusammenbruch bestenfalls noch ein wenig verzögern. Ein Reset kann der Gesellschaft nur gut tun.

    Antworten
  7. M. Bittrich

    Lafontaine hätte aktuell zwar keine Lösungen, aber die Boshaftigkeit gegenüber den verwaltenden, d.h. inaktiven, versagenden Parteien diese Tage ist bundesweit zu spüren und viele gönnen Der Linken 20% und mehr.
    Aber bis dahin tanzen wir noch zu guten Oldies von Tommy James “My Baby does the Hanky Panky dada dadadadadaa…” 😉

    Antworten
  8. SRG

    Und wie richtig waren die vergangenen Prognosen des Renditetrader ?
    Finde es schon sehr arrogant von dieser Redaktion, die andersdenkenden zu diffamieren und sich selbst als die Ritter hinzustellen, die den Leuten Fakten erklären können.
    Jim Rogers zB erklärt auch nur Fakten 🙂

    Antworten
  9. Pingback: Finanznachrichten.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.