Öffentliche Schlammschlacht: Kasperletheater um Empfehlung von Börsenbriefen

Nachdem sich Armin Brack vom “Geldanlage Report” kritisch über den Werdegang der Aktie von De Beira Goldfields geäußert hatte (Aktien-Blog berichtete), schlägt nun Helmut Pollinger, Herausgeber des mehrmals täglich erscheinenden “Börseninformationsdienstes” Bullvestor, in einer offenen eMail mit dem Titel “Fauliges Brackwasser!” zurück:

“Haben Sie ein Kind, dass eine Lernschwäche hat? Haben Sie Angst über den weiteren beruflichen Werdegang! Keine Angst, denn mit diesen schlechten Voraussetzungen kann man in Deutschland jederzeit einen Börsenbrief herausgeben!”

Obwohl mitten im Glashaus sitzend, feuert Pollinger aus allen Rohren und eröffnet seinen offenen Brief standesgemäß. Weiterhin wirft Pollinger Brack vor, seine Kritik nicht selbst recherchiert, sondern einen Artikel aus der “Vancouver Sun” nahezu wörtlich übersetzt zu haben. Darüber hinaus erwähnt er, dass die Pleiten der De-Beira-Vorstände Eckhof und Gillard in Zeiten des Dot-Com-Hypes nur eine unter vielen gewesen seien. Hier hat Pollinger zwar recht, jedoch macht es einen merkwürdigen Eindruck, wenn vermeintliche Internet-Cracks gleichzeitig auch noch Star-Geologen sind – solch geballte Kompetenz kann und sollte hinterfragt werden. Die von Brack kritisierten fehlenden Ausweisungen der Rohstoffvorkommen nach dem NI43-101-Standard müssen selbstverständlich nicht bedeuten, dass besagte Liegenschaft über keinerlei Rohstoffe verfügt. Pollinger führt hier an, dass auch andere Unternehmen in der Vergangenheit ihre Resourcen nicht nach diesem Standard ausgewiesen hätten. Dies muss also kein Problem darstellen, wohl aber erweitern die nicht erfüllten Standards die Liste der Ungereimtheiten rund um De Beira Goldfields.

Pollinger geht mit seinen Aussagen deutlich zu weit. Er bezeichnet anerkannte Journalisten öffentlich als “eher erfolglos” und lässt es im Gegenzug vermissen, in seiner eMail alle Hintergründe bezüglich De Beira Goldfields sachlich und stringent darzulegen. Stattdessen poltert Pollinger drauflos. Bereits in der Vergangenheit hatte Pollinger Benutzer von Anleger-Foren öffentlich diffamiert, indem er in seinem Newsletter behauptete, diese Benutzer seien bereits wegen Kursmanipulationen vorbestraft. Inwieweit Rechtsnormen wie der Persönlichkeitsschutz auch für Pseudonyme im Internet gelten, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall muss es objektiven Beobachtern erlaubt sein, in diesem Zusammenhang von schlechtem Stil zu sprechen. Im Gegensatz zum Artikel von Brack, welcher sich ausschließlich mit dem Unternehmen De Beira Goldfields befasste, wird Pollinger persönlich. Derartige Entgleisungen vertragen sich nicht mit seriöser Berichterstattung.

8 thoughts on “Öffentliche Schlammschlacht: Kasperletheater um Empfehlung von Börsenbriefen

  1. Matze

    Kompliment, Herr Popp, sich an das heiße Eisen heranzuwagen. Brack müßte klar unterlegen sein, was die PR-Maschinerie angeht, aber jeder seriöse Trader, der seine Arbeit kennt, weiß ihn zu schätzen, denn seine Werte sind sowohl als Investment als auch Spekulation geeignet. Pollingers Geschmiere dagegen weist klar Defizite auf, wobei jeder zweite Satz mit einem “!” beendet wird, was mich an ebay erinnert: “rar!” “unbedingt ansehen!” Und wer schreit, hat selten recht, was ja auch bullvestors Aktien allesamt demonstrieren: Syndikats-Schrott, der meist noch unter seine Empfehlungspreise sinkt.

    Weiter so, Herr Popp, schreiben Sie in Ihrer gewohnt spritzigen Art weiter gegen alles, was nach Manipulation riecht und auch noch schlechte Arbeit liefert!

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  2. Juergen

    Auch von mir ein großes Kompliment. Ich selbst habe mal per Werbe-Newsletter eine dieser “pushy” Empfehlungen vom Bullvestor bekommen…und es in den trash verfrachtet. Mal sehen, ob ich die Empfehlung noch wieder ausgegraben bekomme…denn die war weder seriös noch erfolgreich. Und aufgrund eigenen Mißerfolgs polemisch zu werden ist ein Zeichen von großer Schwäche.

    Gruß,
    Juergen

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  3. Pingback: trend4c » “Wir halten, was wir versprechen” ;-)

  4. Olaf

    Hallo Nico!

    Eckhof und Gillard kommen aus dem Minen-Bereich und waren nie Internet-Cracks. Adultshop war ein back door listing über Western Minerals, die davor Kestrel Mining hieß. Ebenso war My Casino vorher eine Minengesellschaft namens Abador Gold, die davor Tanjung Resources hieß. Nur ließ sich mit Minen in den Jahren 1998 bis 2000 nicht so viel Kohle machen wie mit Internet-Klitschen (natürlich nur an der Börse, nicht notwendigerweise auch im Unternehmen). Überkapazitäten bei den Minen und ein Goldpreis von $250 führten dazu, dass viele Minengesellschaften bankrott gingen und nach einem Manteldeal als neuer Stern am Internet-Himmel Wiederauferstehung feierten. In dem Sektor gab es wenigstens noch Phantasie, bis auch diese plaite gingen (My Casino wurde zu Euraus, und diese dann zu aktuell Norwood Systems). Was heute, sechs Jahre später genau anders herum ist: Kaputte Internetbuden oder Telcos werden zu Explorern umfirmiert (siehe VPH). Hauptsache, der Kleinanleger glaubt die Story und zahlt.

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  5. Nico Popp

    Zuerst einmal “Danke” für das Lob. Ich kann mich noch an die Anfänge von Bullvestor erinnern. Sobald eine eMail eintraf, konnte man den Chart öffnen und Sekunden später beobachten, wie die erwähnte Aktie um acht bis zwanzig Prozent stieg. Heute ist das Phänomen seltener geworden. Die häufigen Mails und die nicht immer positiv verlaufenden Kurse der gepushten Aktien führen einfach dazu, dass nicht mehr blind gekauft wird. Ich weiß nicht, wie die kostenpflichtigen Angebote von Bullvestor aufgebaut sind, aber wohl empfehlen sie dort die selben Aktien. Hintergrundinformationen und “Denkmaterial” gehören einfach in einen seriösen Brief. Hierbei haben mich die Rohstoffraketen einmal positiv überrascht. Ich konnte mal in eine Ausgabe blicken und war angesichts des Umfangs und der Inhalte beeindruckt. Auch wenn die Investments genau so spekulativ sind – dass dort nicht recherchiert wird, kann man nicht behaupten.

    Ich bezeichnete Eckhof und Gillard ja auch als “vermeintliche Internet-Cracks” 🙂 Dass die Herrschaften ihre Segel nach dem Wind ausrichten, fällt eindeutig auf. Grundsätzlich halte ich Mantel-Deals für nicht anrüchig. So geht man günstig an die Börse. Im Falle von VPH geht die Umwandlung ja immerhin in die richtige Richtung. Eckhof ist ja zum Glück Hobby-Startupper und ausgewiesener Geologe und nicht umgekehrt. Dennoch bezweifle ich, dass sein Name in Zukunft noch groß ziehen wird. Natürlich ist er Geologe und kann wie jeder andere Geologe auch seine Arbeit machen, aber 30 Prozent Kurszuwachs am Tag des Unternehmenseintritts sind einfach übertrieben.

    @Olaf: Warst Du damals live dabei, oder hast Du “Eckhof – Mein Leben: Bekenntnisse eines Star-Geologen” in Deiner “Zur-Zeit-lese-ich-Liste”? 😉

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  6. Daniel Franke

    So langsam scheint die Luft bei Herrn Pollinger dünn zu werden. Jedenfalls droht er jetzt schon Personen, die sich kritisch zu seinem Aktien-Spam äußern mit Klagen und seinem “Firmenanwalt”: http://www.investmentsparen.net/blog/aktienspam/bullvestor-wirbt-fur-mawson-resources-und-exeter-ressource.html. Zu schade, dass ihm die rechtlichen Auswirkungen unverlangt zugestellter Mails an Privatverbraucher scheinbar nicht geläufig sind und er trotz mehrfacher Bitte die Legitimation zur Nutzung der betroffenen Mailadresse nicht nachweisen wollte und sich statt dessen immer stärker in seinen Anwalt und eine drohende Klage hineinsteigerte.

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