Fusionsfieber und steigende Zinsen: Besteht denn wirklich Grund zur Sorge?

Der deutsche Leitindex Dax hat am vergangenen Freitag die Marke von 7500 Punkten überschritten. Seit den Tiefstkursen von Februar und März dieses Jahres hat der Index mehr als eintausend Punkte gutgemacht. Dieser spektakuläre Kursverlauf kann nur als “Frühlingsrallye” bezeichnet werden – manch eine eher vorsichtige Dax-Prognose von Anfang des Jahres wurde bereits übertroffen. Eine solche Situation ruft stets kritische Mahner auf den Plan: Die Hausse sei bald vorbei und der große Crash bereits nahe. Als Indiz für solcherlei Annahmen müssen immer wieder die Gerüchte um Fusionen herhalten. “Schließen sich die Großen zusammen, gehen die Kurse früher oder später in den Sinkflug über”, so die landläufige Meinung unter Anlegern.

Auch steigende Lohnabschlüsse und höhere Zinsen lassen viele Marktteilnehmer besorgt aufhorchen – schließlich war die Situation beim letzten Crash ähnlich. Tatsächlich sprechen viele Rahmenbedingungen dafür, dass sich die Hausse mittlerweile im letzten Drittel befindet. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Gerüchte um spektakuläre Firmenzusammenschlüsse verbreitet werden: Unternehmen wie News Corp, Dow Jones, Reuters und sogar Microsoft und Yahoo bestimmten die Fusions-Spekulationen der letzten Tage. Der Markt scheint in der Tat in eine Konzentrationsphase übergegangen zu sein. Doch treiben an der Börse vor allem Phantasie und Gier die Kurse. Diese Emotionen führen meist im letzten Drittel eines Börsenzyklus zu massiven Übertreibungen und hohen Kursgewinnen.

Noch sind Standardwerte moderat bewertet. Wer aufgrund steigender Zinsen, höherer Lohnabschlüsse und aufkommender Übernahmephantasie bereits heute das Ende der Hausse kommen sieht, ignoriert den Faktor “Psychologie” und muss möglicherweise in einer Phase auf Kursgewinne verzichten, in der die Börse am meisten Spaß macht: Während des letzten Drittels einer Hausse.

5 Gedanken zu „Fusionsfieber und steigende Zinsen: Besteht denn wirklich Grund zur Sorge?

  1. DIrk

    Die Fusionswelle kann doch auch noch eine Wele anhalten. Vor Tagen habe ich zum DAX einen Artikel gelesen in dem ein Händler sagte: “Der DAX will einfach nach oben!” So schauts momentan aus. Ich gehe erst dann Short, wenn der jetzige Trend signifikant beendet wurde. Von minimalen Kursschwankungen lass ich mich nicht in die Bärenfalle jagen.

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  2. kapitalmarktexperten.com

    Sehe ich genau so. Ich hab in einem meiner letzten Blogs mal den Trend der letzten 34 Handelstage seit Beginn der von Ihnen als “Frühlingsrallye” bezeichneten Aufwärtsbewgung auf die zukünftige Entwicklung hochgerechnet. Geht es in dem Tempo (linear) weiter, sehen wir bereits in 15 Tagen die 8000-Punkte-Marke. Naja, vielleicht etwas übertrieben, aber ich denke auch, der Trend ist noch intakt und die Übertreibungen in der letzten Phase einer Hausse fehlen auch noch. Demzufolge kann es durchaus noch eine Weile weiter hoch gehen. Dennoch sehe ich die Gefahren für eine – zumindest technische – Korrektur deutlich steigen. Anleger sollten hier dann nicht zu überrascht sein. VG

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  3. Nico Popp Beitragsautor

    Ein Großteil der 1000 Punkte der “Frühlingsrallye” sind ja dem rasanten Einbruch innerhalb kürzester Zeit geschuldet und daher “nicht ganz echt”. Natürlich steigt das Risiko der Korrektur, aber wie immer wird auch hier übertrieben. Die Hausse ist nicht vorbei. Wer langfristig investiert ist, hat meiner Meinung nach keinen Grund zur Panik. Wer erst noch langfristig investieren will, wartet vielleicht besser ab. Dass man heute noch langfristig auf steigende Kurse setzen kann, steht für mich allerdings außer Frage.

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  4. Saviano

    Sehe ich wie Nico im 3. Kommentar. Natürlich hatten wir einen sehr guten Lauf (gut für alle, die rechtzeitig investiert haben und sich nicht von den Pessimisten anstecken ließen). Kurz- bis mittelfristig wird die Performance der Aktien wohl davon abhängen, ob wir tatsächlich in so etwas wie “dritte Phase der Hausse” reinkommen (denn IMHO sind wir noch nicht da).

    Falls ja, dann können noch ganz gute Gewinne auch von diesem Niveau aus erzielt werden. Allerdings wird man auch geschickt in einem dann eher überteuerten Markt manövrieren können (was bekanntlich nicht ganz leicht ist).

    Falls nein (keine Übertreibungsphase, sondern Verlangsamung, Korrektur, Abwarten etc.), dann gebe ich Nico Recht: auch bei diesen Kursen kann man langfristig anlegen und auf anständige Gewinne hoffen. Diese werden aber 1). wahrscheinlich nicht (mehr) die spektakulärsten sein und 2). zwischenzeitlich können die Positionen sehr wohl in Minus geraten (macht aber nichts).

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