Seltene Situation am Gold-Futuremarkt: Gibt es Hinweise für physische Lieferengpässe bei Gold?

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RohstoffraketenDiese Situation gab es am Goldmarkt erst drei Mal! Einen Tag im November 1995, zwei Tage Ende September 1999, sowie zuletzt schon vom 22. bis 24. November diesen Jahres. Von was reden wir? Von der Backwardation beim Goldpreis. Backwardation ist ein Zustand, bei dem der sofortige Lieferpreis eines Rohstoffes höher liegt, als der zukünftige Lieferpreis. Bei vielen Rohstoffen ist dies nichts ungewöhnliches – beim Goldpreis ist dies dagegen extrem außergewöhnlich!

Fakt ist, dass der Spotpreis für die sofortige Lieferung derzeit höher liegt, als beispielsweise für die Lieferung im Februar. Dies könnte darauf hindeuten, dass es bald zu größeren Engpässen bei der physischen Lieferung kommen könnte. Bereits jetzt muss man als Käufer von physischen Gold manchmal Wartezeiten von zwei Wochen in Kauf nehmen, da gewisse Münzen oder Barren nicht mehr sofort lieferbar sind.

Üblicherweise notiert Gold bei den Futures mit einem leichten Preisaufschlag, da ja die Besitzer sich um Lagerung, Lieferung und Versicherung kümmern müssen. Ein Terminkauf ermöglicht dem Käufer dagegen eine Partizipation am Goldpreis, ohne sich um diese Sachen kümmern zu müssen. Ein weiteres Argument für den seltenen Zustand könnte sein, dass Notenbanken im Zuge der Finanzkrise eventuell ihre Goldbestände nicht mehr verleihen oder verkaufen. Denn mit steigender Geldmenge und der qualitativen Verschlechterung vieler Notenbankbilanzen (durch das Aufkaufen von Schrottanleihen), könnte man bald gezwungen sein, die Goldreserven entweder neu (höher!) zu bewerten oder diese der bald verunsicherten Öffentlichkeit als werthaltige Assets zur Vertrauensbildung dem angehäuften „Schrott“ in der Bilanz gegenüberzustellen! Zudem wachsen die Zweifel, ob das verliehene Gold jemals wieder zurückgeliefert werden kann. Experten schätzen, dass das Gold, welches in Papierform (Zertifikate, Futures etc.) gehandelt wird, die tatsächlich vorhandene Goldmenge um das hundertfache (!) übersteigt.

Vor allem Notenbanken hatten in den letzten Jahrzehnten Gold verliehen, um auf ihre Bestände Leihgebühren zu kassieren. Gut erkennbar ist der plötzliche Einbruch des Angebots an physischem Gold an den zuletzt stark zurückgegangenen Umsätzen bei gleichzeitig gestiegenen Lease Rates (Verleihzinsen). Vor allem nach der Lehman-Pleite schnellten die Verleihzinsen nach oben. Lagen sie vorher stets zwischen 0 und 0,5 Prozent, stiegen diese nach Lehman bis auf über 2 Prozent. In Insiderkreisen wird schon lange darüber diskutiert, dass Lehman Brothers einer der größten Gold- Leerverkäufer überhaupt war.

Gold und Silber – unser Ausblick für 2009

Zwar dürfte die globale Rezession die Schmucknachfrage zurückgehen lassen, aber die physischen Goldkäufe sollten diesen Rückgang kompensieren. Gold ist in den letzten Jahren auf dem besten Weg, seine Jahrtausende alte Geldfunktion zurück zu gewinnen. Gold ist Geld – sonst nichts! Diese uralte Erkenntnis dürfte sich im Zuge des sich nun langsam ausbreitenden Misstrauens gegenüber fast allen Papiergeldwährungen, auch in 2009 weiter in den Köpfen der Menschen festsetzen. Wir rechnen damit, dass der Goldpreis schon im ersten Quartal 2009 wieder vierstellig notiert. Deutlichen Nachholbedarf hat auch der Silberpreis, der jüngst historisch weit unter seinem 200-Tage-Schnitt notierte.

Dieser Artikel wurde der Ausgabe des Börsenbriefs Rohstoffraketen vom 17. Oktober 2008 mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Orsus Consult GmbH entnommen.


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