Investieren trotz Finanzkrise: Bieten Schwellenländer gerade jetzt Chancen?

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Die Welt ist doch wirklich ungerecht – oder? Kaum hatte man sich auf fallende Kurse eingestellt, seine Positionen glatt gestellt oder seine Shortpositionen aufgebaut, wurden aus den USA Gerüchte laut, dass die FED die Zinsen weiter senken würde. Und was geschah dann? Selbst erfahrene Anleger, die sich auf einen stürmischen Herbst eingestellt, die mit weiteren Milliardenabschreibungen bei den großen US-Banken gerechnet und die sich auf eine weltweite Rezession “gefreut” hatten, wurden kalt erwischt.

Dow Jones und Nasdaq kletterten die darauffolgenden Tage um mehrere hundert Punkte und zwangen viele Anleger, die sich falsch positioniert hatten, ihre Positionen aufzulösen und zu korrigieren. Auch die asiatischen Börsen schlossen sich den steigenden Kursen in den USA und in Europa an.

Aber ist dies wirklich eine nachhaltige Trendwende? Wohl eher nicht – denn die Probleme sind nicht gelöst, nur weil die FED die Leitzinsen weiter senkt! Die Probleme in den Bilanzen der US-Banken bestehen weiterhin, der schwache Dollar wird durch die weiter fallenden Zinsen immer mehr geschwächt, was wiederum dazu führen wird, dass insbesondere arabische und chinesische Investoren, die auf Milliarden von Dollarreserven sitzen, ihre Positionen auflösen, was die Abwärtsstrudel wiederum weiter anheizen wird.

Alle diese Entwicklungen sind besorgniserregend – denn eine schwächelnde US-Wirtschaft wird sich auch nachhaltig auf die europäischen und asiatischen Börsen auswirken, denn trotz robuster Konjunktur in Europa und dynamischem Wachstum in Asien wird eine Rezession in den USA das Weltwirtschaftswachstum bremsen. Einen sehr spannenden Artikel zum Thema Weltwirtschaftskrise hat Wolfgang Uchatius unter dem Titel “Alles ist weg” in der “Zeit” veröffentlicht. Er beschreibt die erste, durch Turbulenzen in den USA ausgelöste Weltwirtschaftskrise 1857. Am Ende zeigt sich jedoch, dass Turbulenzen zwar andauern können, jedoch nie ewig dauern.

Doch wie soll sich der normalsterbliche Investor in solch einer Situation verhalten? Sollte er sich komplett aus dem Markt verabschieden und auf bessere Zeiten hoffen und das Feld den Profis überlassen? Oder sollte man sich in defensive Anlageformen, wie Rentenpapiere flüchten und auf eine überdurchschnittliche Rendite für sein hart erarbeitetes Kapital verzichten? Oder vielleicht sogar Shortpositionen aufbauen?

In einer Situation, in der die Schwellenländer aus Asien oder Süd- und Mittelamerika das weltweite Wirtschaftswachstum stützen und die etablierten Staaten aus Europa oder die USA hinterherhinken, ist eine Ausrichtung eines Teils des eigenen Depots in Richtung dieser Regionen sinnvoll. Doch wo sollte man sich jetzt am besten engagieren? Viele Investmentbanken raten momentan zur Zurückhaltung am Aktienmarkt und empfehlen, erst Anfang nächsten Jahres wieder einzusteigen und sich dann gezielt auf unterbewertete Unternehmen zu fokussieren. Doch wieso raten die Profis zu einem solchen Verhalten kurz vor Jahresende?

Könnte es sein, dass diese Herren in ihren Nadelstreifenanzügen etwas im Schilde führen? Vielleicht wollen sie selbst vorher genau in diese unterbewerteten Wachstumsunternehmen investieren, um diese dann Anfang des Jahres als ihre Top-Picks 2008 zu empfehlen? Nur eine Theorie natürlich, aber wer erinnert sich nicht allzu gerne an die eine oder andere Strong-Buy-Empfehlung eines großen deutschen Bankinstituts, wo dann im Nachhinein bekannt wurde, dass am selben Tag Aktien im Wert von mehreren Millionen Euro aus den eigenen Beständen verkauft wurden?

Könnte es hier nicht genau anders herum sein? Spekulieren darf man zumindest…..

Über den Autor:
Marc Schulze betreibt den Börsenbrief Invest-Asia.de


Ein Gedanke zu „Investieren trotz Finanzkrise: Bieten Schwellenländer gerade jetzt Chancen?

  1. Saviano

    Die entscheidende Frage hierzu scheint mir, ob die Schwellenländer tatsächlich soweit sind, um eigenständige Dynamik zu entfachen bzw. die hohe Dynamik, die im Übrigen vielerorts die Bewertungen überhaupt rechtfertigt, aufrechtzuerhalten. Die Schwellenländer sind immer noch stark exportabhängig und ein mögliche Konsumschwäche im Westen kann wohl Schaden anrichten.

    Und nochmal: die Bewertungen — sind sie nicht zu hoch?

    Antworten

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