Neuauflage des alten Konflikts: Planen die USA bereits den Iran-Krieg?

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Die Gerüchteküche brodelt wieder. Steht ein Krieg mit dem Iran in den nächsten vier bis acht Wochen bevor? Ich habe es zunächst auch nicht glauben können, doch es existieren tatsächlich einige Presseberichte darüber im Internet. Die allgemeine Presse scheint dieses Thema allerdings zu ignorieren. Das Standard-Argument gegen das Kriegs-Szenario ist natürlich der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten, aber kann das die Handlungsfähigkeit der USA tatsächlich so stark beeinträchtigen oder sind das nur vorgeschobene Argumente?

In der Jerusalem Post wurde bereits am 20. Mai über ein mögliches Angrifsszenario spekuliert, das die Amerikaner natürlich gleich dementiert haben. Auch bei CBSNEWS wird über einen möglichen Angriff spekuliert. Aus dem Artikel von CBSNEWS geht zudem hervor, dass ein weiterer Flugzeugträger auf dem Weg in den persischen Golf sein soll. Ob dies tatsächlich einen Krieg ankündigt oder ob es sich dabei um eine Machtdemonstration handelt, bleibt natürlich abzuwarten.

Mich verwundert persönlich, dass die Amerikaner entsprechende Pläne dementieren – dies wurde in den letzten Jahren nie getan und macht mich deshalb argwöhnisch. Die hohen Öl-, Benzin- und Dieselpreise könnten auch auf eine bevorstehende Krise hinweisen. Die nächsten beiden Monate bleiben diesbezüglich auf jeden Fall spannend und könnten in der Tat Überraschungen bereit halten, die den meisten Anlegern bisher verborgen geblieben sind.


Weitere Artikel zu diesem Thema:

http://www.thenews.com.pk/daily_detail.asp?id=34656
http://0815-info.de/News-file-article-sid-10287.html
http://edition.cnn.com/2008/POLITICS/05/20/bush.iran/index.html
http://www.newsmax.com/newsfront/Report_US_to_Attack_iran/2008/05/20/97545.html
http://thinkprogress.org/2008/04/30/cbs-report-iran-attack/


14 Gedanken zu „Neuauflage des alten Konflikts: Planen die USA bereits den Iran-Krieg?

  1. Nico

    Ich denke nicht, dass es demnächst zu einem Iran-Krieg kommt. Zwar haben die USA noch immer die Macht und könnten einen weiteren Krieg stämmen, allerdings würden sie sicherlich an ihre volkswirtschaftlichen Grenzen gehen. Ich denke nicht, dass man den Nachfolgern im Pädidentenamt eine solche Hypothek überlassen möchte. Ein “Engagement” im Iran würde die USA sicherlich die kommenden zehn Jahre beschäftigen.

    Für einen Krieg spricht das Ende der Ära Bush. Könnte sein, dass die Neocons ihre Pläne mit aller Macht durchsetzen wollen. Das halte ich allerdings aufgrund der obigen Argumente für unrealistisch. Die Flottenaktivitäten sind wohl eher eine Machtdemonstration.

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  2. UrsW.

    Peter Scholl-Latour, dessen Nah-Ost-Kompetenz wohl kaum zu bezweifeln ist, hält einen Krieg gegen den Iran schon lange für eine beschlossene Sache. Den Grund sieht er in der Tatsache, daß der Iran schlicht und einfach auf immensen Ölvorkommen sitzt (ebenso wie der Irak). Dafür kann man dann auch mal eben 5000 Jahre alte Kulturschätze in Grund und Boden bomben (wie im Irak). Irgendwelche anderslautenden “Begründungen” sind einfach nur velogenes Geschwafel (wie im Irak).

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  3. amir

    Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass wir hier nur spekulieren können, egal wie wichtig uns die erwähnten und bedachten Argumente erscheinen. Eigentlich ist die Politik nicht sehr einfach zu verstehen (um das Wort “Komplex” nicht zu benutzen), besonders im nahen Osten, wo so viele Interessen aufeinander treffen. Die Politik im nahem Osten ist extrem vielseitig und von verschiedenen Interessengruppen (oft gesteuert) abhängig. Dies bedeutet, dass kein Land, keine Macht und keine Supermacht dort allein Entscheidungen trifft, die evtl. gegen andere Interessen von Schwergewichten sind. Schwergewichte sind natürlich die üblichen Verdächtigen und manchmal auch deren Spielball, der in diesem Fall der Iran sein dürfte. Die Konflikte um den Iran betreffen nicht nur das Öl und das Atomprogramm. Um den Iran herum hat sich der Westen, vertreten durch die USA & NATO, ausgebreitet. Iraq (von den USA besetzt, US-Soldaten), Türkei (durch NATO verbunden, US-Soldaten), Afghanistan (von den USA besetzt, US-Soldaten), Pakistan (mit USA extrem stark verbunden, US-Soldaten), VAE (mit USA extrem verbunden, US-Soldaten) und die Golfstaaten (mit USA verbunden, US-Soldaten) bilden einen engen Kreis um den Iran. Einen Blick auf die Landkarte wird das verdeutlichen. Es ist daher verständlich und politisch durchaus legitim, dass der Iran sich Gedanken um seine Stabilität macht. Der Einfluss der USA hat stark zugenommen und der Kreis zieht sich seit Jahren immer mehr zu. Daraus kann man folgendes ableiten:

    1. Der Iran muss sich um seine politische Stabilität ernste Gedanken machen und fühlt sich zurecht bedroht! Sollte der Iran ebenfalls unter dem Einfluss der USA kommen, hat das gravierende Folgen für Russland und China!
    2. Russland und China ist diese Situation keineswegs willkommen! Beide Staaten wollen den Einfluss der USA möglichst stark unterbinden, erst recht in deren Region! Dieser Umstand macht den Iran zwangsläufig zu einem Spielball der Superkräfte. Es könnte durchaus sein, dass Russland und China ebenfalls mit dem Atomprogramm nicht einverstanden sind, es aber aus politischen Gründen direkt oder indirekt unterstützen. Ähnliches hatten wir vor Jahren in Afghanestan, wo die USA die Talibanen unterstützt hatten, wissend, dass sie einen möglichen Feind stärken. Aber das Interesse, den russischen Einfluss zu unterbinden, war viel grösser und so fiel die Entscheidung zugunsten der Talibanen. Erst viel später war die Zeit gekommen, die Talibanen zu stoppen.
    3. Die Macht von China und Russland ist nicht zu unterschätzen! Gerade Russland versucht, wieder die alte Supermachtrolle zu übernehmen bzw. neu zu definieren. Das geht über Gazprom und geht weiter über Einflussunterbindung der USA in der Region. Da könnte das Interesse die Ängste überwinden und schon toleriert man das Atomprogramm. Bisher hat der aufmerksame Zuhörer keine ernsthaften negativen Töne seitens Russland und China zum iranischen Atomprogramm gehört.
    4. Die USA hat viel Kredit verspielt, bei der UN, UNO, bei den engsten Freunden und bei der gesamten Weltgemeinschaft. Auch national ist vieles verspielt worden. Die USA hat ihren Schuldenberg stark vergrössert und die Wirtschaft brummt dort schon lange nicht mehr. Jeder US-Präsident ist extrem abhängig von der nationalen Stimmung und die ist im Moment gegen einen weiteren sinnlosen Krieg.
    5. Hier könnte die Stunde des Iran schlagen. Ein weiser Präsident könnte mit bedachter Vorgehensweise viel Profit rausholen, was ja auch vor Ahmadinejad der Fall war. Die iranische Administration hat das m.E. auch schon erkannt und Ahmadinejad ist schon lange nicht mehr so fest im Sattel wie zubeginn seiner Amtszeit. Das iranische Volk will ebenfalls keinen Krieg und macht nicht mehr willenlos alles mit, was oben beschlossen wird.

    Ich denke, es wird keinen Krieg geben. Möglicherweise wird der Iran seine Strategie ändern. Ob das durch eine friedliche Revolution von innen heraus passiert oder durch Rat von aussen (hier sei Deutschland als besonders willkommener Gast und Ratgeber erwähnt). Die Strategie zu ändern, könnte darin bestehen, die UN-Kontrolleure ihre Arbeit machen zulassen und somit die USA jeglichen Grund zur Sorge zunehmen.
    Ich bin ganz sicher, dass die USA so einen Krieg wie gegen Iraq (UNO war nicht einverstanden und nannte die USA Besatzer!)nicht gegen den Iran führen können und führen werden. Dazu ist der Iran zu mächtig und zu wichtig und die USA längst nicht mehr so stark wie im Jahre 2000!

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