Öl-Preise, Inflation und der DAX

Es ist hinlänglich bekannt, dass der echte Marktpreis für Öl, basierend auf Angebot und Nachfrage, bei nicht mal 30 USD liegt. Der heutige Preis ist also rein psychologischer und sicher auch spekulativer Natur. Nach den Höchstständen im Juli 2006 schwächt sich der Preis nun nach und nach ab, die spekulative Komponente verliert an Einfluss und der Preis nähert sich damit den realen Förderkosten an. Die weltweit angezogene Konjunktur hat die Ölvorräte erhöht, aber ich bin skeptisch, was generell die weltweiten Wachstumsraten angeht. China hat enorme Mengen an Öl als auch Gold und verschiedene andere Bodenschätze gebunkert, um eine höhere Unabhängigkeit zu gewährleisten, was bedeutet, dass man sich auf diese Länder und ihren Verbrauch bei keiner Spekulation stützen sollte.

Es ist aber durch den kommenden Winter und den Heizölbedarf kurzfristig mit steigenden Ölpreisen zu rechnen. Darüber hinaus ist nach dem starken Verfall seit Juli eine technische Gegenreaktion fällig, der Widerstand nach oben ist beim früheren Doppeltop um die 69 USD zu suchen. Sollte dieser nicht überwunden werden, kann man danach wieder short gehen. Ölkonzerne wie BHP Billiton, Nexen oder CNOOC werden aber trotzdem ihren Schnitt machen und aktuell hat die technische Gegenreaktion bereits begonnen.

Denkbar ist es auch, dass sich sich die “Großen” abgesprochen haben, den Ölpreis zu stabilisieren, um die hohe reale Inflation in den USA oder auch Deutschland (ca. 8 Prozent) abzudämpfen und um damit ebenfalls weitere Zinsanhebungen zu vermeiden. Dadurch würden auch die Aktienindizes ruhig weiter steigen. Für 2007 bin ich wegen dem allgemein hohen Niveau der Rohstoffpreise und der MwSt.-Erhöhung alles andere als positiv für den DAX gestimmt, aber bis sich diese Faktoren auf die Unternehmensgewinne niederschlagen, ist noch mit schönen Zuwächsen am DAX zu rechnen. Mein Ziel: 6150 bis Jahresende.

Und jeder Leser muß meine versteckte Warnung über die echte Inflation in Deutschland ernst nehmen, denn sein Bankkonto mit 3 Prozent, seine Pfandbriefe mit 4 Prozent und seine Renten- und Geldmarktfonds mit kaum 4 Prozent werden ihn nur ärmer machen; an Aktienfonds, Aktien oder gar Hebelprodukten führt kein Weg vorbei, um die Inflation auszugleichen.

Dieser Gastbeitrag wurde von Matthias K. Bittrich für das Aktien-Blog verfasst.

3 thoughts on “Öl-Preise, Inflation und der DAX

  1. saviano

    Dies ist wohl richtig, nur die einzelnen Zahlen (Öl $30, Inflation 8%, DAX 6150) kann man so oder so sehen. Aber das sind Details, die von weniger Bedeutung sind, sollte die Richtung stimmen…

    Was ich mich in diesem Zusammenhang aber fragen würde ist, wie vereinbart man die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Ölpreis in Richtung $30 bewegen wird, mit hohen Rohstoffpreisen in 2007? Und wird die Mehrwertsteuererhöhung den DAX so zusetzen, wenn a) die internationale Aufstellung der Unternehmen berücksichtigt wird und b) die angekündigte Konsolidierung der Staatsfinanzen zu Druck auf die Zinsen führt (gepaart mit evtl. weiterer Konsumzurückhaltung, also weniger Inflationspotenzial)?

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  2. M. K. Bittrich

    Ich habe hier nur einen kurzen Ausblick auf maximal ein Jahr Entwicklung geworfen. Die Ölkonzerne wissen, dass die Kfz schon mittelfristig mit Wasserstoffmotoren fahren werden und man alltägliche Kunststoffe auch aus Rapsöl herstellen kann. Daher werden sie vor ihren internen Zwangsveränderungen noch kräftig über die weitere Ölverknappung verdienen. Ich rechne also niemals wirklich mit auch nur annährend 30 USD, sondern eher mit 80. Sollten sich Industrie und Landwirtschaft nicht schnell genug umstellen können, sind Preise über 100 USD erwarten.

    Deine Fragen zum DAX sind berechtigt. Ich rechne nur mit einem miesen Konsumklima in Deutschland, das sich auf viele Werte niederschlägt. Wer soll teurere adidas-Artikel kaufen, zumal keine großen Sportereignisse vor der Tür stehen? Wie soll der Absatz teurerer Contireifen (oder Autos) steigen, wenn mangels Cash an Autos immer häufiger nur noch das Nötigste gemacht wird? Servicedienste und tüv haben dazu bemerkenswerte Zahlen vorgelegt. Die Unternehmen haben natürlich auch andere Sparten und ihr Geld arbeitet vernünftigerweise in Singapur statt in Deutschland, aber ob die weitere Gewinnsteigerungen garantieren, wenn Deutschland schwächelt, das wage ich zu bezweifeln.

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  3. Jens

    Hallo,

    ich habe einige Analyseprogramme für den Energiesektor entwickelt und
    habe die Vermutung, dass Europa ab der Peiplein Einweihung vom heutigen Tag von Rußland nach China sehr schlechte Karten hat…

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