Quo vadis ThyssenKrupp? Stahlbranche zwischen Gewinnrückgang und absolutem Optimismus

Stahlhersteller und Maschinenbauer ThyssenKrupp hat heute ein Rekordergebnis vermeldet: Noch nie konnte der Konzern so hohe Gewinne einstreichen wie im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2006/2007. Doch in Kauflaune versetzt diese Nachricht die Anleger keineswegs: Heute ist die Aktie von ThyssenKrupp mit einem Minus von rund 4,3 Prozent sogar das Schlusslicht im Dax. Der Grund liegt im mageren Ausblick des Stahlproduzenten. Zwar soll der Umsatz im aktuellen Geschäftsjahr weiter steigen, doch erwartet das Unternehmen, dass gestiegene Rohstoffpreise die Gewinnmargen schmelzen lassen und das Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres vorerst nicht wieder erreicht werden kann.

Während ThyssenKrupp eher vorsichtig in die Zukunft blickt, sehen ausgewiesene Experten den Stahl-Boom noch lange nicht als beendet an. Hermann Reith, Stahl-Experte der Frankfurter BHF-Bank, sieht in einem Interview mit der Börsenredaktion der ARD sogar Kaufgelegenheiten. Eine weiterhin solide Entwicklung von Maschinenbau, Bau- und Elektroindustrie in Europa sowie hohe Wachstumsraten in Ländern wie China, Indien, Brasilien oder der Türkei, würden die Nachfrage nach Stahl auch künftig hoch halten. Aufgrund der niedrigen Bewertung und dem geplanten Ausbau der Kapazitäten im Bereich der Rohstahlproduktion um bis zu zwanzig Prozent, favorisiert Reith vor allem die Aktie von Salzgitter.

Die hohen Rohstoffpreise seien zudem lediglich der wachsenden Nachfrage nach Stahl geschuldet und daher “eigentlich eine sehr gesunde Indikation für Stahlwerte”, so Stahl-Experte Reith. Auch der teure Euro solle europäischen Stahlwerten nicht schaden, da ein Großteil des europäischen Stahls auch auf dem Kontinent verkauft würde. Während der Experte der BHF-Bank für Stahlwerte in 2008 “absolut optimistisch” eingestellt ist, plant ThyssenKrupp eher defensiv. Es liegt nahe, dass vor allem die Konditionen für den Erwerb von Eisenerz sowie die Möglichkeit, steigende Kosten an die Kunden weiterzugeben darüber entscheiden, welcher Stahlkonzern die geänderten Rahmenbedingungen am besten meistern kann.

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